Gaggenau: Wenn das Handy Feuer fängt

Gaggenau (tom) – Ex-Feuerwehrmann Tobias Ferrara erlebt auf dem Sofa ein böses Erwachen: Das Smartphone der Nachbarin hätte beinahe sein Haus in Brand gesetzt.

Nur noch Elektromüll: Das ausgebrannte Smartphone der Marke Acer. Foto: Thomas Senger

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Nur noch Elektromüll: Das ausgebrannte Smartphone der Marke Acer. Foto: Thomas Senger

In seinem Leben als Berufsfeuerwehrmann hat Tobias Ferrara schon vieles gesehen. Aber ein Handy, das wie ein Feuerwerkskörper durch sein Wohnzimmer zischt, das hatte er bis vor wenigen Tagen noch nicht erlebt. „Wenn ich nicht daheim gewesen wäre, dann wäre unser Haus abgebrannt“, berichtet er. Diesem Umstand und seiner Erfahrung im Umgang mit Feuer ist es zu verdanken, dass tatsächlich so gut wie kein Schaden entstanden ist.

29 Jahre war Tobias Ferrara (53) bei der Berufsfeuerwehr in Pforzheim im Einsatz. Vielen Gefahren und auch dem Tod hat er in dieser Zeit ins Auge gesehen. Einen Arbeitsunfall hat er mit viel Glück überlebt. Aber dass ein Smartphone der Nachbarin einmal beinahe sein Eigenheim vernichten könnte, das hätte er sich bis vor zehn Tagen nicht ausgemalt.

Im Standby-Betrieb am Ladekabel lag das Gerät der Marke Acer auf einem Glastischchen neben dem Wohnzimmersofa. Denn mit einer speziellen App wollte Ferrara in den nächsten Tagen den Mähroboter auf dem Nachbargrundstück wieder aktivieren – so, wie man das als guter Nachbar tut, wenn man helfen kann.

„Wie eine Feuerwerksrakete“

Seit 2017 vertreibt Acer laut eigenem Bekunden keine Smartphones mehr. Also nicht mehr ganz neu war das Gerät, aber wer denkt da daran, dass es zum lebensgefährlichen Brandsatz werden könnte? Also legte sich Tobias Ferrara für ein halbes Stündchen aufs Sofa. „Plötzlich gibt es einen Schlag, wie wenn eine Feuerwerksrakete losgeht“, berichtet er. Was er dann erlebt, ist filmreif: „Das Ding fliegt in hohem Bogen über mich und direkt neben dem Sofa auf den Boden. Dann ist es mit einer 40 bis 50 Zentimeter hohen Stichflamme weiß-gelb glühend ausgebrannt.“

Geistesgegenwärtig schnappte er sich ein niedriges viereckiges Glasgefäß, das als Deko platziert war. „Ich habe das Handy mit dem Fuß dort hineingeschoben und dann auf die Terrasse getragen. Dort ist es ausgebrannt.“ Er selbst trug lediglich ein paar Funkenflecken auf Kleidung und Oberarmen davon. Aber Ferrara ist sicher: „Wäre ich nicht da gewesen, wäre das Haus abgebrannt.“

So hat es nur vier Tage lang im Haus nach Rauch gestunken, was den ehemaligen Feuerwehrmann nicht davon abhält, sich Gedanken zu machen: „Stell dir vor, so was passiert im Flieger?“ Einem Bekannten, so berichtet er, habe ein in der Brusttasche des Hemdes explodierendes Smartphone einmal einen Teil der Haut und Brustmuskulatur weggefetzt.

Das Handy als Brandsatz – das kann also nicht nur passieren, wenn es am Ladekabel hängt. Gleichwohl gilt dies in Fachkreisen als eine der Möglichkeiten, warum diese Geräte Feuer fangen können. Auf BT-Nachfrage zeigte sich die Firma Acer kontaktbereit, um mögliche Ursachen des Feuers zu eruieren.

Überhitzung vermeiden

Brennende Handy-Akkus sind selten, doch können sie bei vielen Herstellern Realität werden. Wie lässt sich dieser Fall vermeiden? Im Internet gibt es zahlreiche Veröffentlichungen dazu. Der Versicherungsdienstleister wertgarantie.de beispielsweise rät:

Überhitzung vermeiden. Denn die Elektrolytflüssigkeit in den Lithium-Ionen-Akkus begünstigt heftige Reaktionen der Metallschichten und letztlich eine Explosion.

Schlagschäden beachten: Austausch des Akkus, wenn das Handy Dellen nach einem Herunterfallen hat.

Häufiges schnelles Laden vermeiden. Gleichwohl ist eine Erwärmung des Smartphones beim Laden oder im Dauerbetrieb durchaus normal.

Verzicht auf komplettes Auf- und Entladen; ideal ist ein Ladezustand zwischen 20 und 70 Prozent.

Wärmestau vermeiden, beispielsweise unter Kissen oder Decken.

Quelle: www.wertgarantie.de

Ein aktueller Beitrag zum Thema findet sich auch hier.

Tobias Ferrara in seinem Haus in Gaggenau. Vom Glastischchen links hinten flog das brennende Handy meterhoch durch das Wohnzimmer und landete vor dem Sofa.Foto: Thomas Senger

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Tobias Ferrara in seinem Haus in Gaggenau. Vom Glastischchen links hinten flog das brennende Handy meterhoch durch das Wohnzimmer und landete vor dem Sofa.Foto: Thomas Senger

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
29. Mai 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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