Gaggenau: Wenn der „Tatort“ an der Haustür klingelt

Gaggenau (stn) – Sylvia und Matthias Gelsok aus Gaggenau stellen ihr Eigenheim für Dreharbeiten für eine Tatort-Folge zur Verfügung. Acht Tage lang wird ihr Einfamilienhaus zur Filmkulisse.

Das Verkehrsschild mit der Aufschrift „Filmaufnahme“ verrät, dass im Gaggenauer Neubaugebiet Außergewöhnliches im Gange ist. Foto: Nora Strupp

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Das Verkehrsschild mit der Aufschrift „Filmaufnahme“ verrät, dass im Gaggenauer Neubaugebiet Außergewöhnliches im Gange ist. Foto: Nora Strupp

Aus einem Haus in einem Neubaugebiet in Gaggenau dringen laute Stimmen, plötzlich hört man einen Knall. Doch der Streit, der sich hinter diesen Mauern abspielt, ist nicht echt. Es sind Filmaufnahmen für die neunte Folge des Schwarzwald-Tatorts. Das Ehepaar Sylvia und Matthias Gelsok hat hierfür sein Eigenheim zur Verfügung gestellt, das für die Dreharbeiten vom Filmteam komplett renoviert wurde.

Ein Scheinwerfer, der auf das Küchenfenster der Gelsoks gerichtet ist, ein Verkehrsschild mitten auf der Straße mit der Aufschrift „Filmaufnahme“ und ein Zelt vor dem Hauseingang, auf dem der Name „Media Sue“ abgedruckt ist (eine Firma aus Stuttgart, die sich um Equipment und Service rund um den Filmdreh kümmert), lassen erahnen, dass hier etwas Außergewöhnliches im Gange ist. Doch der SWR bedient sich für die Aufnahme nicht etwa einer Kulisse in einem Filmstudio. Stattdessen nutzt er ein bewohntes Haus in Gaggenau.

Sylvia (49) und Matthias Gelsok (53) erinnern sich noch gut an den Moment, als der Sender eines Nachmittags im Juni plötzlich an ihrer Haustür klingelte. „Da stand eine Dame, die sagte, sie wäre auf Motivsuche für den Tatort und ob wir uns vorstellen könnten, unser modernes Einfamilienhaus hierfür zur Verfügung zu stellen“, erzählt Sylvia Gelsok.

Das Haus ist voll mit Requisiten

Für die beiden, die selbst regelmäßige Tatort-Gucker sind, kam die Anfrage sehr überraschend. Acht Tage lang sind ihre eigenen vier Wände nun Filmkulisse. Hierfür wurde das Haus innerhalb eines halben Tages „in einer beeindruckenden Geschwindigkeit“ von oben bis unten renoviert und umgestaltet. Alle Möbel wurden abgebaut, ausgeräumt und eingelagert, die Wände neu gestrichen, Gardinen angebracht sowie Glaselemente abgeklebt, um Reflexionen während der Aufnahmen zu vermeiden. Für eine Nachtszene, die das Filmteam mittags bei Sonnenschein gedreht hat, wurde das Haus künstlich verdunkelt; die Fenster und Türen wurden mit Tüchern abgedeckt oder lichtundurchlässiger Folie beklebt.

„Das ist gar nicht mehr unser Haus. Äußerlich, ja. Aber innen ist nichts mehr wie vorher“, beschreibt Sylvia Gelsok den Umbau. Alle Räume sind vollgepackt mit Requisiten, die Garage rappelvoll mit Technik. In der Zeit, in der das Haus vom SWR in Beschlag genommen ist, werden die Gelsoks im Hotel Bernstein in Michelbach untergebracht.

Sind die beiden eigentlich auch hautnah dran an den Schauspielern? „Nein, das nicht. Am Anfang des Drehs haben sie sich kurz vorgestellt“, relativiert die 49-Jährige. Dennoch hatten sie einmal Gelegenheit, den Profis von Weitem bei der Arbeit zuzusehen. „Es ist beeindruckend, wie die Schauspieler es schaffen, die Szenen zu reproduzieren. Sie haben sie dreimal eingespielt, und es war fast identisch. Man sieht, dass sie wissen, was sie tun. Sie sind extrem professionell und auf den Punkt“, schwärmt Matthias Gelsok.

Hauptdarsteller Eva Löbau (vorne links) und Hans-Jochen Wagner (vorne rechts) ermitteln als Kommissare in Gaggenau. Die neunte Folge des Schwarzwald-Tatorts dreht sich um eine Familienmutter, gespielt von Lisa Hagmeister (vorne, Mitte). Foto: Benoit Linder/SWR

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Hauptdarsteller Eva Löbau (vorne links) und Hans-Jochen Wagner (vorne rechts) ermitteln als Kommissare in Gaggenau. Die neunte Folge des Schwarzwald-Tatorts dreht sich um eine Familienmutter, gespielt von Lisa Hagmeister (vorne, Mitte). Foto: Benoit Linder/SWR

Eine einmalige Erfahrung

Hin und wieder ist es allerdings auch zu kuriosen Szenen gekommen. „Einmal hörte ich von der Toilette plötzlich einen lauten Schrei. Ich dachte, es ist etwas passiert, doch es war nur die Regisseurin, die eine Szene ausprobiert hat“, erinnert sich Matthias Gelsok schmunzelnd. „Oder an einem Tag haben während der Aufnahmen auf einmal die Kirchturmglocken geläutet. Dann rief die Regie ,Abbruch!‘. Da sieht man, dass sie zumindest die Außenwelt nicht regulieren können.“

Ob sich Gelsoks noch einmal dazu entscheiden würden, ihr Haus für Drehaufnahmen herzugeben? Es sei eine einmalige Erfahrung und „schon ein immenser Aufwand.“ Hinzu kommt, dass die beiden einen Garten hinter dem Haus haben und die „Tatort“-Aufnahmen gerade zur Erntezeit stattfinden. Für ein bis zwei Tage kann man jedoch darüber reden, so der 53-Jährige. Denkbar sei auch, dass man beim nächsten Mal vielleicht nur ein Zimmer zur Verfügung stellt, so wie es bei ihren Nachbarn der Fall sei, bei dem im Anschluss einige „Tatort“-Szenen gedreht würden. Über die Zusammenarbeit mit dem SWR haben Gelsoks nur Gutes zu berichten. „Alle sind sehr nett und zuvorkommend. Auch die Kommunikation ist 1A. Und sie gehen sehr vorsichtig mit unseren Sachen um.“

Die Folge „Tatort – An der Buche“ nach einem Drehbuch von Bernd Lange soll voraussichtlich nächstes Jahr ausgestrahlt werden. Vermutlich ist es laut SWR eine Familientragödie, die die Kommissare Franziska Tobler (gespielt von Eva Löbau) und Friedemann Berg (gespielt von Hans-Jochen Wagner) in eine Kleinstadt im Breisgau führt. Im Mittelpunkt steht eine Familienmutter (gespielt von Lisa Hagmeister), die mit ihrem stoischen Verhalten Rätsel aufgibt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
4. August 2021, 18:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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