Gaggenau: Zahnarztpraxis am Glasersteg

Gaggenau (tom) – Das einstige Gebäude der Gaggenau-Werke soll künftig auch einen medizinischen Schwerpunkt haben.

Blick vom Glasersteg auf das rote historische Backsteingebäude. Es liegt direkt am Radweg zur Rotherma-Brücke. Foto: Thomas Senger

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Blick vom Glasersteg auf das rote historische Backsteingebäude. Es liegt direkt am Radweg zur Rotherma-Brücke. Foto: Thomas Senger

Es ist ein Haus, das Industriegeschichte und damit Stadtgeschichte atmet: das große Backsteingebäude der einstigen Gaggenau-Werke zwischen Medienplatz und Glasersteg. Die Transformation von der Fabrik zur Dienstleistung, sie manifestiert sich dort seit Jahren – und sie wird weitergehen, wenn Mitte des Jahres die Post AG ihren Zustellstützpunkt schließt und nach Bad Rotenfels verlegt: „Wir wollen das Gebäude langfristig Richtung Ärztehaus entwickeln“, sagt Eigentümer Christian Warth.

In dem künftigen DHL-Zustellstützpunkt in Bad Rotenfels sollen die Standorte Forbach, Gernsbach und Gaggenau zusammengeführt werden. Warth sieht sich für den Wechsel des Mieters gerüstet. Die Deutsche Post war im Sommer 2016 vom Domizil in der Hauptstraße hierher gezogen – stets unter der Prämisse, eine Übergangslösung gefunden zu haben.

Die Planungen für die Zukunft sind bei Christian Warth weit gediehen. Bereits Mitte Januar soll die nächste Etappe dazu umgesetzt werden: Im Erdgeschoss, wo einst die Genuss-Akademie und später Reiters Catering firmierten, wird Katarzyna Stebel ihre „Zahnarztpraxis an der Murg“ eröffnen. Ab Januar werde ebenfalls die Zeitarbeitsfirma Orizon hier eine Filiale betreiben.

„Die Immobilie hat Flair“

Seit 2015 arbeitet Katarzyna Stebel als angestellte Zahnärztin in Gaggenau, nun unternimmt sie den Schritt in die Selbstständigkeit. „Der Standort ist sehr gut, die Immobilie hat Flair“, versichert sie im BT-Gespräch.

Nicht zuletzt habe sich in jüngster Zeit ein Bedarf nach Zahnarztpraxen in Gaggenau bemerkbar gemacht; sie verweist auf drei Praxisschließungen aus Altersgründen in jüngster Zeit. „Das Durchschnittsalter der Zahnärzte in Gaggenau liegt bei 59 Jahren“, sagt die 35-Jährige – weitere Schließungen in den nächsten Jahren seien also vorhersehbar.

Als Spezialgebiet neben der allgemeinen Behandlung nennt sie Kiefergelenkerkrankungen. Langfristig verfolge sie das Ziel, mit einem Manualtherapeuten dieses Thema interdisziplinär am neuen Standort anzubieten.

Die Entwicklung hin zu einem medizinischen Zentrum entspricht dem, was Hauseigentümer Christian Warth vorschwebt. Er stehe in guten Kontakten mit weiteren Interessenten, und man könne dann eine Marktlücke in Gaggenau schließen – mehr will er derzeit nicht verraten.

Größere Flächen in dem Gebäude belegen derzeit die Werbeagentur Kraftjungs (seit 2014) und die Rösterei Eisenwerk (seit 2017).

Was von „Gaggenau“ geblieben ist

Mitte der 90er Jahre ging die Geschichte der Gaggenau-Werke an ihrem traditionsreichen Stammsitz zu Ende. Bis zu 1 100 Mitarbeiter wurden hier einmal beschäftigt. Mit dem Verkauf an den Konkurrenten Bosch-Siemens blieb unterm Strich nur noch der Name. Produziert wird längst woanders. Nur noch das rote Backsteingebäude ist am Glasersteg geblieben.


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