Gaggenau bringt Warn-Sirenen in Schuss

Gaggenau (BNN) – Gaggenau will bis Jahresende alle 17 Sirenen instand setzen und auf Digitalbetrieb umstellen. Andere Murgtal-Gemeinden haben schon gar keine Anlagen mehr.

Keine Sirenen abgebaut: Die Stadt Gaggenau zählt 18 Anlagen im gesamten Stadtgebiet – darunter auf dem Rathaus (links) und auf dem städtischen Wohnhaus Schulstraße 29. Foto: Jürgen Gerbig

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Keine Sirenen abgebaut: Die Stadt Gaggenau zählt 18 Anlagen im gesamten Stadtgebiet – darunter auf dem Rathaus (links) und auf dem städtischen Wohnhaus Schulstraße 29. Foto: Jürgen Gerbig

Bombenfunde, Trinkwasserverunreinigungen, Brände oder andere Gefahrenlagen: Die Stadt Gaggenau setzt zur Warnung der Bevölkerung nach wie vor auf Warn-Sirenen. Alle 17 Exemplare sollen spätestens bis Ende 2022 auf den neusten technischen Stand gebracht werden. Das teilte die Stadt mit. Zuletzt habe die Verwaltung den Zustand der Sirenen überprüft. Nun erstelle eine Fachfirma ein entsprechendes Angebot zur Instandsetzung.

Dabei gibt es mittlerweile viele Alternativen zu den Sirenen: Warnungen über Radio- und Fernsehstationen, Onlinemedien der Tageszeitungen oder Warn-Apps – zum Beispiel die Notfall-Informations-Apps Nina oder Biwapp.

Doch die Gaggenauer Stadtverwaltung hatte in den 90er Jahren die Anlagen vom Bund übernommen und nicht abbauen lassen, obwohl vielfach davon ausgegangen wurde, dass neue Techniken sie ablösen könnten.

In Gaggenau funktionieren derzeit zehn Anlagen, sieben sind nicht betriebstüchtig. Foto: Jürgen Gerbig

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In Gaggenau funktionieren derzeit zehn Anlagen, sieben sind nicht betriebstüchtig. Foto: Jürgen Gerbig

„Die Entwicklung hat gezeigt, dass die Warn-Sirenen ein wichtiger Bestandteil in der Warnkette sind. Sie sollen auch in Zukunft erhalten bleiben“, teilt Angelika Schmied von der städtischen Pressestelle mit. So habe die Flutkatastrophe im Ahrtal die Sirenen auch in Gaggenau wieder in den Fokus gerückt. „Sirenen sind optimal dafür geeignet, Menschen sogar im Schlaf über eine bevorstehende Gefahr zu alarmieren“, so Schmied weiter. Die betroffenen Menschen könnten sich anschließend über Radio, Warn-Apps oder im Internet über weitere Anweisungen informieren.

In Gaggenau verteilen sich die Sirenen wie folgt: Vier Anlagen befinden sich in der Kernstadt, in Ottenau, Selbach, Oberweier, Hörden und Bad Rotenfels je zwei, in Freiolsheim, Michelbach, Sulzbach und Moosbronn je eine. „Derzeit sind zehn Anlagen funktionsfähig und sieben funktionslos“, erklärt Sandra Müller von der städtischen Pressestelle auf Nachfrage dieser Redaktion. „Leider war eine Sirene bisher nicht überprüfbar.“

In Gaggenau werden Sirenen auf digitale Arbeitsweise umgestellt

Künftig sollen alle Sirenen funktionieren und auch digital von der Leitstelle Mittelbaden in Rastatt aus aktiviert werden können. Durch die Umstellung auf die digitale Lösung gebe es mehr Funktionen, erklärt Müller. Diese ließen sich aktuell noch nicht mit absoluter Sicherheit benennen. „Denkbar wäre allerdings eine Sprachfunktion.“

Während Gaggenau auf digitale Sirenen setzt, gibt es in Gernsbach gar keine mehr. „Im Ernstfall erfolgen Warnmeldungen über Fernsehen, Radio und flächendeckende Warn-Apps“, erklärt Diana Schmidhuber von der dortigen Pressestelle. „Die Kommune agiert lediglich als meldende Stelle.“ Entsprechende Informationen leite die Leitzentrale Mittelbaden an die zuständigen Stellen weiter.

Je nach Situation gebe es auch örtliche Warnungen. Die Freiwillige Feuerwehr Gernsbach könne dafür die Außenlautsprecher an einigen Fahrzeugen nutzen. Im Ernstfall informiere die Pressestelle die Bürger auch über die städtische Internetseite, Facebook, Instagram und über die Presse.

Doch ganz abgeschrieben sind Warn-Sirenen in Gernsbach nicht: Die Stadt prüfe aktuell, ob und zu welchen Kosten Anlagen installiert werden könnten, so Schmidhuber.

Forbach entscheidet sich gegen neue Anlage

In Forbach ist das aktuell kein Thema. Der Gemeinderat hat im Oktober 2021 mit Blick auf das Sirenen-Förderprogramm des Landes über eine neue Anlage beraten, sich aber gegen die Beauftragung einer Planung entschieden. Das teilt Hauptamtsleiterin Margit Karcher auf Nachfrage dieser Redaktion mit. „In Forbach sind keine funktionsfähigen Sirenen mehr vorhanden“, erklärt sie. Die Bevölkerung werde über Radio, Fernsehen und Apps alarmiert.

Das Weisenbacher Rathaus macht auf Nachfrage keine Angaben zur Situation bei den Warn-Sirenen. Doch die Verwaltung hatte vergangenes Jahr mitgeteilt, dass die Anlagen längst abgebaut worden seien.

So ist Loffenau neben Gaggenau die einzige Gemeinde im Murgtal, die auf Sirenen setzt. In der Gemeinde gibt es noch eine aktive, digitale Anlage, sie befindet sich auf der Grundschule. Bürgermeister Markus Burger (parteilos) betont: „Wir haben einen Antrag auf Fördermittel für die Modernisierung unserer Sirene gestellt.“ Loffenau sei aber nicht zum Zug gekommen, weil „die Antragssumme aller Kommunen die für das Förderprogramm bereitgestellten Mittel bei Weitem überschreiten.“

Übrigens: Auf der Loffenauer Gemeindehalle befindet sich eine weitere Sirene. Die ist laut Burger einst aus Kostengründen nicht auf digital umgestellt worden. Und ist seither abgeschaltet.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Adrian Mahler

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Erstellt:
26. April 2022, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 09sec

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