Gaggenau setzt auf Lolli-Tests an Schulen

Gaggenau (tom) – An den Schulen im Stadtgebiet sollen PCR-Lollitests eingeführt werden – wenn die Schulen dies wollen. Diese Ankündigung sorgt augenscheinlich für Ärger in Elternkreisen.

Im Gaggenauer Rathaus ist man von den PCR-Lolli-Tests überzeugt. Bereits im Juli hatte OB Christof Florus angekündigt, dass diese auch in den Grundschulen zur Anwendung kommen könnten. Foto: Stadt Gaggenau

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Im Gaggenauer Rathaus ist man von den PCR-Lolli-Tests überzeugt. Bereits im Juli hatte OB Christof Florus angekündigt, dass diese auch in den Grundschulen zur Anwendung kommen könnten. Foto: Stadt Gaggenau

„Gesundheit für unsere Kinder!“ – mit diesem Slogan werden Eltern zu einer „Demonstration für Kinderrechte“ in Gaggenau aufgerufen. Treffpunkt soll am Montag, 11. Oktober, um 17 Uhr an der Jahnhalle sein; nach einer Kundgebung soll es zum Marktplatz gehen. Wer hinter der Aktion steckt, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

In sozialen Medien kursiert lediglich der von niemandem unterzeichnete Aufruf: „Wir stehen auf für unsere Kinder.“, „Gemeinsam gegen Masken, Testungen, angekündigte Lollitests an Schulen und Kindergärten!“, lautet eine Parole. Stattdessen fordere man „Frische Luft und Verhältnismäßigkeit“. Weiter heißt es in dem Aufruf: „Wäre toll, wenn wir das mit einer Riesenmenschenmenge demonstrieren können – um ernst genommen zu werden. Und bringt ruhig so viel wie möglich Kinder mit!“

Auf BT-Anfrage betonte Rathaus-Sprecherin Judith Feuerer am Dienstag, dass man bei der geplanten Einführung von Lolli-PCR-Tests an den Gaggenauer Schulen das Wohl der Kinder im Blick habe. Bereits am 20. August habe man den Leitern der Gaggenauer Schulen mitgeteilt: Das Land werde im Herbst aus der Beschaffung der Antigen-Tests aussteigen. Dann werde die Stadt Gaggenau als Schulträger in ihrem Zuständigkeitsbereich und auf Kosten der Stadt PCR-Pooltests anbieten. Damit komme man auch einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts nach. Das RKI rät zu PCR-Tests an Grundschulen.

PCR-Test mit höherer Sicherheit

Eine umfassende und breite Information der Schüler-Eltern über die Lolli-Pläne ist augenscheinlich bislang nicht erfolgt. Schließlich habe man erst die Zeit nach den Herbstferien im Blick. „Ein Antigen-Schnelltest schlägt erst an, wenn eine hohe Viruslast vorliegt“, gibt das Rathaus zu bedenken, „ein PCR-Test erkennt schon bei geringer Viruslast und damit viel früher eine Infektion. Das ist ein entscheidender Vorteil“, verweist man auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Darüber hinaus sei bei PCR-Tests die Fehlerquote weit geringer.

Einen weiteren Vorteil führt die Stadtverwaltung ins Feld: Falls bei einem Lolli-Test in einer Klasse eine Infektion nachgewiesen werde, dann könne die betroffene Klasse noch am selben Nachmittag zum dann notwendigen kostenlosen PCR-Schnell-Test ins Testzentrum in die Jahnhalle kommen. „Und dieses Ergebnis wird noch am selben Tag vorliegen.“ Damit sei man in Gaggenau besser organisiert als in den meisten anderen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg.

Man biete Kindern und Eltern also nicht nur eine deutlich höhere Verlässlichkeit der Testergebnisse als bisher. Auch eventuelle Fehlzeiten und Quarantänen werden mit der PCR-Methode so vermindert. Vor allem aber, so betont Feuerer, „ist der Lolli-Test für die Kinder deutlich angenehmer“.

Die Pressesprecherin versichert: Man wolle den Schulen die PCR-Pooltests nicht aufs Auge drücken, sondern man halte ein sinnvolles Angebot bereit, wenn dies gewünscht werde. Die Entscheidung liege bei den Schulen, „wir beißen uns da nicht fest.“ Die Stadt will nochmals das Gespräch mit den Schulen suchen.

Aus dem Goethe-Gymnasium habe man bereits die Rückmeldung, dass in höheren Klassen keine PCR-Pooltests vorgenommen werden sollen. Denn die Impfquote bei den älteren Schülern sei so hoch, dass man bei den wenigen ungeimpften Schülern Antigentests als ausreichend erachte.

Ergebnisse liegen relativ schnell vor

So funktioniert der PCR-Lollitest in Gaggenauer Kindergärten:

Zweimal pro Woche lutschen die Kinder an einem speziellen Test-Stäbchen. Nach 30 Sekunden kommt dieses Stäbchen in ein Röhrchen zu den Tupfern von den anderen Kindern einer Gruppe (an Schulen wäre dies klassenweise). Die Stäbchen einer Gruppe werden zusammen an das Labor gegeben, es wird also im „Sammelpool“ pro Gruppe auf eine Corona-Infektion getestet. Die Ergebnisse des PCR-Tests werden in der Regel bereits am späten Vormittag desselben Tages weitergegeben.

Wenn der Sammeltest negativ ausfällt, gilt dies als Nachweis, dass keines der Kinder mit Corona infiziert ist. Fällt der Sammeltest positiv aus, ist klar: Mindestens eines der Kinder ist infiziert. Dann wird das Gesundheitsamt eingeschaltet, und per App werden alle Eltern der Gruppe informiert. Alle Kinder müssen in Quarantäne und sich mit Einzel-PCR-Test testen lassen. Kinder mit anschließend negativem PCR-Ergebnis dürfen dann wieder in den Kindergarten.

Weiterer Bericht zum Thema PCR-Lolli-Tests.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
6. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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