Gaggenau soll Pachtvertrag nicht verlängern

Gaggenau (er) – „Keine Deponieerweiterung – kein PFC“: Die Bürgerinitiative aus Oberweier benennt sich um und fordert: Der Vertrag über die Verpachtung des Geländes soll nicht verlängert werden.

Toni Böck bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative am 8. November in Oberweier. Foto: Elke Rohwer

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Toni Böck bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative am 8. November in Oberweier. Foto: Elke Rohwer

„Wir haben den Namen der Oberweierer Bürgerinitiative umbenannt, um klarer zum Ausdruck zu bringen, um was es uns geht“, sagt Toni Böck (Foto: er), einer der Initiatoren.

Böck freut sich über das Ergebnis der dreitägigen Unterschriftenaktion am vergangenen Wochenende in Oberweier. 20 aktive Mitglieder der Bürgerinitiative gingen von Haus zu Haus, um Unterschriften zu sammeln. Das Ergebnis spreche für sich: 754 Bürger (von rund 1.250 Einwohnern) sprachen sich gegen eine geplante Erweiterung der Mülldeponie „Hintere Dollert“ und gegen die Einrichtung eines Areals zur Lagerung PFC-verseuchter Böden aus.

Hinzu kommen weitere 90 Unterschriften aus Muggensturm, Bischweier, Gaggenau und Baden-Baden. „Die Bürger von Oberweier wollen keine Wiederholung des Sandoz-Umweltskandals. Dieser ist den Leuten hier im Ort und in der Umgebung noch gut in Erinnerung“, sagt Böck. Nach einem Großfeuer in einer Halle des Chemieunternehmens 1986 hatte das Löschwasser mindestens 20 Tonnen Gift in den Rhein geschwemmt. Danach wurden die verendeten Fische aus dem Gewässer geborgen – und zur Deponie nach Oberweier transportiert.

Bei der ersten Befragungsaktion gab es auch Haushalte, bei denen niemand angetroffen wurde. Deren Bewohner, wie auch jene Bürger, die noch Bedenkzeit brauchen, haben die Möglichkeit, sich das entsprechende Formular auf der neu eingerichteten Homepage der Bürgerinitiative herunterzuladen und es unterschrieben entweder im Briefkasten beim Rathaus einzuwerfen oder es per Mail an die Initiatoren Dietrich Knoerzer oder Toni Böck zu schicken.

Deponie-Normalbetrieb wird akzeptiert

Vereinzelt kamen die aktiven Mitglieder der Bürgerinitiative auch mit Leuten ins Gespräch. „Diese waren weder am 14. Oktober bei der Ortschaftsratssitzung in der Jahnhalle anwesend noch bei der Kundgebung auf dem Sportplatz am 8. November dabei. Ihnen haben wir erklärt, was unser Anliegen ist und wofür wir uns einsetzen“, berichtet Böck

Die Bürgerinitiative ist ausdrücklich nicht grundsätzlich gegen die Mülldeponie „Hintere Dollert“. Böck: „Wir fordern, dass die Befüllung der Deponie ohne infrastrukturelle Anpassungen weitergeführt wird und sprechen uns gegen die Erweiterung der Deponie durch die Ablagerung von PFC-haltigen Böden aus. Diese gefährden die Gesundheit der Anwohner, die Umwelt, das Wasserschutzgebiet und die Trinkwasserversorgung. Außerdem bringt eine Erweiterung der Deponie eine hohe Verkehrsbelastung mit sich, worauf auch der geplante dreispurige Ausbau der Zufahrt hindeutet. Wir sprechen uns entschieden gegen die angedachten Maßnahmen zur Lagerung der vergifteten Böden aus, den Bau einer speziellen Abdeckung der Böden sowie den Bau einer speziellen Betonwanne.“

Noch in diesem Jahr sollen die gesammelten Unterschriften dem Gemeinderat vorgelegt werden. „Der Pachtvertrag mit dem Landkreis für das Deponieareal läuft Ende des Jahres aus. Wir hoffen, dass der Gemeinderat uns unterstützt und dazu beiträgt, dass der Vertrag über die weitere Pachtung des Deponiegeländes erst einmal nicht unterschrieben wird. Sollte es doch zu einer Unterzeichnung kommen, dann appellieren wir an die Verantwortlichen, sich dafür einzusetzen, dass die Vertragsverlängerung auf maximal zehn bis 15 Jahre festgesetzt wird, jedoch ohne besagte infrastrukturelle Anpassungen für PFC“, so Böck.

Großes Lob sprach Böck der Bevölkerung von Oberweier aus. Seit der Kundgebung vor knapp zwei Wochen habe sich die Zahl der Mitglieder des Fördervereins zur Heimatpflege Oberweier, an den die Bürgerinitiative angedockt ist, mit fast 100 nahezu verdoppelt.

Infostand in Muggensturm

Die Bürgerinitiative „Keine Deponieerweiterung – kein PFC“ sammelt am Samstag, 21. November, Unterschriften: Sie ist mit einem Informationsstand vor dem Edeka-Geschäft Knapp & Sohn in Muggensturm präsent. Von 10 bis 14 Uhr können sich Interessierte dort zum Thema informieren und sich noch an der laufenden Unterschriftenaktion beteiligen.


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