Gaggenauer Anwohner hoffen auf Umzug der Post

Gaggenau (tom) – Bewohner der Gaggenauer Glashüttensiedlung sind für den geplanten und umstrittenen Bau des DHL-Logistikzentrums in Bad Rotenfels.

Zu viel Kfz-Verkehr: Die Durchmischung Arbeiten-Wohnen funktioniert hier nicht konfliktfrei. Foto: Senger

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Zu viel Kfz-Verkehr: Die Durchmischung Arbeiten-Wohnen funktioniert hier nicht konfliktfrei. Foto: Senger

Krach in der Nacht und am helllichten Tag, Beinahe-Unfälle und zugeparkte Stellplätze: Anwohner des Depots der Deutschen Post an der Eisenwerkstraße hoffen auf den baldigen Wegzug der Niederlassung.

Wie berichtet, soll im Gewerbegebiet in Bad Rotenfels ein DHL-Logistikzentrum entstehen: auf dem Gelände der Spedition Westermann. Anwohner wehren sich dagegen und wollen die Baugenehmigung nicht akzeptieren. Sie führen insbesondere an, dass durch An- und Abfahrten sowie Verladetätigkeiten unzumutbarer Lärm zu erwarten sei.

Nun haben sich Anwohner des Depots im Gebäude der ehemaligen Gaggenau-Werke am Glasersteg an die BT-Redaktion gewandt: „Wir, die Anwohner der Eisenwerkstraße in Gaggenau, können den Protest gegen das geplante DHL-Depot der Anwohner aus der Eichelbergstraße und Umgebung in Bad Rotenfels nicht nachvollziehen“, heißt es zu Beginn. Die Verfasserinnen des Schreibens, Jessica Fath und Michaela Spalluto, sprechen nach eigenem Bekunden für etwa anderthalb Dutzend Anwohnerfamilien aus dem unmittelbaren Umfeld der Eisenwerkstraße.

Sie verweisen auf die aktuelle Situation: Diese sei ganz anders als in Bad Rotenfels: „Die Lkw fahren dort ausschließlich durch das Gewerbegebiet und nicht durch Wohngebiete.“

Unübersichtliche Zufahrt mit Gefahrenstellen: Lkw und Transporter müssen an Wohnhäusern vorbei durch die Alois-Degler-, Rindeschwender- sowie Eisenwerkstraße fahren. Das vorgegebene Tempo 30 werde oft nicht eingehalten. Beim in die Eisenwerkstraße ist eine enge Kurve von circa 300 Grad zu meistern. Diese sei „absolut unübersichtlich“ und stelle eine Kollisionsgefahr auch für Radfahrer dar.

Parkplatznot und Vibrationen

Da in diesem Bereich oft geparkt werde, „hupen die Fahrer teilweise so lange, bis die Autos wegfahren werden“. Erst vor wenigen Tagen sei es an der Ecke Medienplatz/Eisenwerkstraße zu einer Kollision zwischen einem Transporter und einem Radfahrer gekommen. Zu bedenken sei, dass die Straße Teil der Radfahrstrecke Tour de Murg ist.

Lärm durch Rangieren der Lkw, An- und Abfahren der Transporter und Ladearbeiten: Dies betreffe auch Anwohner im Gebiet An der Hammerschmiede auf dem Gelände der ehemaligen Gaggenau-Werke. „Als diese damals die Wohnungen erworben haben, war zwar klar, dass hier ein Mischgebiet ist, allerdings nicht, dass das Post-Depot hier ohne weitere Ankündigung einzieht und Tag und Nacht beliefert wird.“ Nun sei es so, berichten Jessica Fath und Michaela Spalluto, „dass die Leute morgens um 6 Uhr aus den Betten fallen, wenn die Lkw rangieren und es beim Rückwärtsfahren ständig piept“.

Weiter geben sie zu bedenken: „Da die Mitarbeiter früh am Morgen ihre Arbeit aufnehmen und in der Eisenwerkstraße parken, hören wir Anwohner durch die alten und schlecht schallgeschützten Fachwerkhäuser das Zuknallen der Autotüren sehr laut.“

Angst vor Gebäudeschäden: Eine Anwohnerin der denkmalgeschützten Glashüttensiedlung schildert, dass die alte Bausubstanz wegen der vorbeifahrenden Lkw leiden könnte, „da die Häuser regelrecht vibrieren“.

Die genannten Probleme seien bei ihnen direkt vor der Haustür, geben die Anwohner zu bedenken. Anders sei die Situation in Bad Rotenfels: Die meisten Häuser dort seien weiter von der Geräuschquelle weg. Des Weiteren gebe es dort bereits das Speditionsunternehmen Westermann und somit viel Verkehr. „Dies stellte bisher offensichtlich auch kein Problem dar.“

„Unkontrollierte Parkplatzsituation“, gegen die zu wenig unternommen werde. Als erster Schritt sei zu überlegen, ob den Anwohnern definierte Stellplätze vorbehalten werden. Schließlich gebe es nicht für jedes Wohnhaus einen eigenen Hof. Auch das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Siedlung leide unter den vielen Pkw. Außerdem sollten die Post-Mitarbeiter einen Mitarbeiterparkplatz gewiesen bekommen. Dieses Problem müsse auch bei einer Anschlussvermietung der derzeitigen Post-Räume beachtet werden. Achtlos auf den Gehweg weggeworfene Zigarettenkippen sorgen ebenfalls für Verärgerung.

Den Einwand, dass bereits zu „Eisenwerk“- und „Gaggenau-Werke“-Zeiten täglich einige Hundert Mitarbeiter einen Parkplatz gesucht hatten, lassen die Anwohner so nicht gelten, denn: „Früher haben die Eisenwerk-Mitarbeiter da geparkt, wo jetzt der Aldi ist.“

Abschließend heißt es zum geplanten DHL-Logistikzentrum: Dieses Projekt solle wie geplant realisiert werden, „um so auch unsere Glashüttensiedlung wieder ein Stück schöner und ruhiger zu machen“.

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Erstellt:
5. August 2020, 09:30 Uhr
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