Gaggenauer Benzler hoffen auf Zielbilder

Gaggenau (tom) – Im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau versucht man, das erzwungene Ende der Verbrennertechnik zu überstehen.

Der Standort Gaggenau braucht sich nicht zu verstecken, lautet die Botschaft. Foto: Ulrich Jahn/Archiv

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Der Standort Gaggenau braucht sich nicht zu verstecken, lautet die Botschaft. Foto: Ulrich Jahn/Archiv

Der Abschluss zu neuen Zielbildern für die Standorte Gaggenau, Mannheim und Kassel soll in den nächsten Tagen erreicht werden. Diese Hoffnung äußerten am Dienstag Standortleitung und Betriebsrat.

Hintergrund dabei ist diese Frage: Welche alternative Produkte und Arbeitsplätze werden aufgebaut als Ersatz für die Arbeitsplätze, die durch das erzwungene Auslaufen der Verbrennertechnologie in Europa wegfallen werden? Am Standort Gaggenau inklusive allen Werkteilen werden derzeit 6.190 Benzler beschäftigt, dazu rund 100 Leiharbeiter.

Vor einigen Monaten hatten sich die Betriebsratsvorsitzenden der Aggregat-Standorte Kassel, Mannheim und Gaggenau Gedanken gemacht, welche Themen künftig an den Standorten bearbeitet werden. „Die Transformation schreitet mit großen Schritten voran, ob das einem passt oder nicht. Das neueste Maßnahmenpaket ‚Fit for 55‘ der EU wird noch mehr Dynamik in dieses Thema bringen“, so Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht. Mit Betriebsratskollegen aus den anderen Truck-Standorten, Werkleitern und Vorstand hat man in den zurückliegenden Wochen an Zielbildern gearbeitet. Letztlich geht es auch darum, welche Produkte wo verteilt werden. „Natürlich waren dies keine leichten Verhandlungen. Am Anfang war es recht ruppig, weshalb wir kurz vor Jahresbeginn noch zahlreiche Informationsveranstaltungen im Betrieb durchgeführt haben, um unsere Belegschaft zu informieren und zu sensibilisieren“, wird Udo Roth zitiert, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende.

„Wir sind sehr gut ausgelastet“

Zielbilder für die Pkw-Umfänge am Standort Gaggenau seien bereits erarbeitet. Mit Klappenteilen, Integralträgervormontage und Batterierecycling habe man zukunftsfähige und verbrennungsmotorunabhängige Produkte, die am Standort weiterentwickelt werden und somit sichere Arbeitsplätze bis weit ins nächste Jahrzehnt und darüber hinaus sichern würden. Die Umsetzung habe bereits begonnen.

Brecht und der Daimler-Standortverantwortliche Thomas Twork zogen im Pressegespräch eine positive Bilanz des zweiten Quartals: Der Absatz von Daimler Trucks lag mit 112.100 Einheiten um 94 Prozent über Vorjahresniveau. Twork: „2021 hat – rein wirtschaftlich gesehen – vielversprechend begonnen und die gute Entwicklung schreibt sich auch bei uns im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau weiter fort.“ Derzeit laufe die Produktion planmäßig, „wir sind sehr gut ausgelastet und die Auftragslage ist positiv.“ Dieses anspruchsvolle Produktionsprogramm sei nicht selbstverständlich: „Die Rahmenbedingungen sind weiterhin nicht einfach und leider ist die Corona-Pandemie noch nicht vorüber. Lieferschwierigkeiten machten sich bemerkbar, gerade im Pkw-Bereich.“ Doch „die starke Mannschaft in Gaggenau“ mache seit über einem Jahr einen super Job: „Ihrem Einsatz und ihrer Flexibilität ist es zu verdanken, dass wir aktuell eine so erfreuliche Entwicklung verzeichnen können.“

Die Aufteilung des Geschäfts in zwei unabhängige Unternehmen sowie die Börsennotierung des Lkw- und Busgeschäfts sei im Zeitplan. Twork: „Das Mercedes-Benz- Werk Gaggenau ist bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Daimler Truck AG und wird das auch in Zukunft bleiben.“

Chip-Probleme bereiten weiter Sorgen

Das Werk arbeite weiter an Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. „Die Maßnahmen, über die bereits im November 2019 informiert wurde, werden weiter konsequent umgesetzt“, verwies er auf die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.

Brecht erinnerte daran, dass wegen der Chip-Problematik das Schwesterwerk Rastatt seit Jahresbeginn wochenweise in Kurzarbeit war, „aktuell ruht ebenfalls dort die Produktion“. Dies habe Auswirkungen auf Gaggenau, insbesondere in Bereichen, die sich in einer Teilabhängigkeit zum Werk Rastatt befinden. Auf Lieferschwankungen müsse weiter kurzfristig reagiert werden. Brecht: „Der Haupteinschlag war zwar größtenteils bei der Kompaktklasse, doch da die Chips auch in verschiedenen weiteren Steuerungsgeräten stecken, welche wir auch unter anderem für unsere Getriebe benötigen, hat es uns hier ebenfalls getroffen.“

Ein Blick nach Wörth zeige, dass sich dort die Auftragseingänge nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau befinden. Musste man 2020 Verträge mit Leiharbeitern auslaufen lassen, gebe es seit Mitte April wieder Einstellungen von Leiharbeitern. Gründe seien beispielsweise das Aufholen verlorener Stückzahlen oder der Vorlauf für das leichte Getriebe. Zudem sei die Einstellung von 800 bis 1.000 Ferienbeschäftigten geplant.

Bericht über das erste Quartal im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
27. Juli 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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