Gaggenauer fahren Hilfsgüter nach Kroatien

Gaggenau (stn) – Um den Erdbebenopfern in Kroatien zu helfen, sammelten drei Gaggenauer zwei Transporter voller Spenden und fuhren sie an Neujahr nach Petrinja. Am Montag wollen sie erneut aufbrechen.

André Dusseldorp (links) und Markus Hrkac fuhren an Neujahr Hilfsgüter in die Erdbebenregion nach Kroatien. Foto: Nora Strupp

© stn

André Dusseldorp (links) und Markus Hrkac fuhren an Neujahr Hilfsgüter in die Erdbebenregion nach Kroatien. Foto: Nora Strupp

Die meisten Häuser sind zerstört, die Bewohner schlafen – aus Angst vor weiteren Beben – in ihren Autos. Es mangelt an Kleidung, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Umgehend werden in Deutschland Hilfsgüterlieferungen unter anderem von Privatleuten organisiert, um die Menschen in der Region mit lebenswichtigen Dingen zu versorgen. Auch in Gaggenau beteiligen sich eine Vielzahl von Menschen mit Spenden und stellen ehrenamtlich Hilfsgüterlieferungen auf die Beine. Drei davon sind das Ehepaar Martina (41) und Markus Hrkac (44) sowie André Dusseldorp (39).

Zwei Transporter voller Spenden

„Wir haben Familie und Freunde, die in der Erdbebenregion leben“, erzählt Martina Hrkac. Über Facebook und Whatsapp informierten Martina und Markus Hrkac ihre Freunde und Bekannten darüber, dass sie am 31. Dezember 2020 in Gaggenau Spenden für die Erdbebenopfer sammeln, um sie am Neujahrsmorgen nach Kroatien zu bringen. „Es war anfangs klein gedacht“, erzählt Markus Hrkac. „Die Intention war: Falls jemand etwas hat, kann er es zu uns bringen.“ Womit beide jedoch nicht gerechnet haben: Dass ihr Aufruf eine solche Reichweite entwickeln würde. Innerhalb kurzer Zeit kamen so viele Spenden zusammen, dass der Mercedes Vito der Hrkacs nicht mehr ausreichte.

„Markus und ich kennen uns seit etwa acht Jahren. An Silvester rief er mich mittags gegen halb zwölf an, dass sie noch ein Auto und einen Fahrer benötigen“, berichtet Dusseldorp, Geschäftsführer der Merex Autovertrieb GmbH und Mertec GmbH Nutzfahrzeugwerkstatt in Gaggenau. Kurzerhand sprang er den Hrkacs mit seinem Sprinter und als Fahrer helfend zur Seite. Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel und vieles mehr wurden in die beiden Autos verladen. Eine Spende erhielt das Trio auch von der Hettmannsperger Bohrgesellschaft aus Ötigheim.

Wenn Grenzen keine Rolle spielen

„Am nächsten Morgen um 7 Uhr sind Markus und ich losgefahren“, erzählt Dusseldorp – mit zwei weiteren Bekannten. 1.000 Kilometer brachten die Vier innerhalb von einigen Stunden hinter sich. Da sie laut Corona-Vorgaben innerhalb von 72 Stunden wieder zurück in Deutschland sein mussten, um bei ihrer Rückkehr nicht in häusliche Quarantäne zu müssen, war Eile geboten. In Petrinja wurden die Spenden dank vieler helfender Hände in Form einer Menschenkette ausgeladen. Anschließend übernachteten sie im Haus von Martina Hrkacs Cousin, um am nächsten Tag zurück nach Deutschland zu fahren.

Eine geruhsame Nacht war es für Hrkac und Dusseldorp jedoch nicht. Während ihres Aufenthalts in Kroatien kommt es immer wieder zu Nachbeben. „Es hört sich an, als würde der Magen der Erde knurren“, beschreibt Dusseldorp das grollende Geräusch, das ihn immer wieder vom Schlafen abhielt.

Auch für Hrkac war es eine prägende Erfahrung: „Man sieht es zwar im Fernsehen. Aber wenn man dann vor Ort ist, ist das ein riesen Unterschied.“ Von der Hilfsbereitschaft war er beeindruckt. „Es ist toll, zu sehen, dass die Leute in der Not zusammenstehen und Grenzen keine Rolle spielen“, meint der AVG-Lokführer anerkennend.

Nächste Hilfsgüterlieferung am Montag

Auch der gebürtige Kroate Josip Fratric (66) organisierte mit seiner Frau Käthe (60), die Mitglied in der Christuskirche Gernsbach ist, kurzfristig eine Hilfsgüterlieferung. Durch eine Rundmail an alle Gemeindemitglieder sammelten die beiden Spenden, die einen Sprinter mitsamt Anhänger füllten.

Am Montag wird Markus Hrkac mit Dusseldorps Vater René, stellvertretender Vorsitzender des Unimog-Clubs und Mitglied im Verein Unimog-Museum, noch einmal nach Kroatien aufbrechen, um überlebenswichtige Güter in die Krisenregion zu bringen. Das Unimog-Museum und der Unimog-Club Gaggenau stellen für den Transport einen Unimog und einen großen Anhänger zur Verfügung.

Spenden noch bis Montag möglich

Benötigt werden unter anderem Heizgeräte, Campingkocher, Werkzeuge, Zelte, Verlängerungskabel, Klapp- und Feldbetten, Mund-Nasen-Masken, Einmalhandschuhe, Verbandsmaterial, rezeptfreie Arzneimittel wie Aspirin, Hygieneartikel, Windeln, und Babynahrung. Wer sich mit einer Spende beteiligen möchte, kann sich auf Facebook mit Martina Hrkac in Verbindung setzen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.