Gaggenauer pilgern in Scharen auf den Maimarkt

Gaggenau (BT/BNN) – Nach zwei Jahren Corona ist Gaggenau in Feierlaune und der Maimarkt ist bei Sonnenschein rammelvoll. Besucher und Beschicker eint die Freude über das Gefühl der Normalität.

Zeit, dass sich was dreht: Besucher und Marktbeschicker freuen sich darüber, dass nach harten Corona-Beschränkungen Feste wieder möglich sind. Foto: Hartmut Metz

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Zeit, dass sich was dreht: Besucher und Marktbeschicker freuen sich darüber, dass nach harten Corona-Beschränkungen Feste wieder möglich sind. Foto: Hartmut Metz

„Die Schlange reißt nicht ab!“, stellt Thorsten Riedinger grinsend fest. Der Vorsitzende des Musikvereins Sulzbach kommt im Festzelt nicht nur mit seinen Mitgliedern ins Schwitzen, weil die Sonne über dem Maimarkt auf dem Gaggenauer Annemasseplatz strahlt. Die knapp 20 Helfer des 102 Jahre alten Vereins kommen kaum nach mit der Auslieferung von Curry- und Bratwurst. Auf die Portion Pommes müssen die hungrigen Mäuler fast eine Viertelstunde warten.

„Die Leute sind alle ausgehungert“, sagt Riedinger und meint dabei nicht nur das Angebot des MV Sulzbach, sonder auch das Dürsten nach Geselligkeit und gemeinsamem Spaß, der wegen Corona zwei Jahre lang fehlte. „Wir sind sehr zufrieden, ja außerordentlich zufrieden“, bekennt Riedinger und freut sich, dass seine Musiker weiter einsatzbereit sind, denn „meinem Eindruck nach gibt es nach der langen Corona-Pause kaum noch Angebote von Gaggenauer Vereinen, hauptsächlich sind Marktbeschicker da“. Die Sulzbacher profitieren davon, ihr Zelt ist am Wochenende rammelvoll. „Die Leute wollen wieder raus“, konstatiert der Vereinsboss, bevor er wieder an die Theke eilt, um Getränke auszugeben.

Beim Fahrgeschäft „Hiphop Fly“ geht es hoch hinaus. Foto: Hartmut Metz

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Beim Fahrgeschäft „Hiphop Fly“ geht es hoch hinaus. Foto: Hartmut Metz

Auch die Profis auf dem Maimarkt sind glücklich darüber, dass wieder etwas geht und die Kundschaft strömt. „Man merkt, dass die Menschen das vermisst haben“, findet Romano Lagerin, dessen Hiphop Fly die Wagemutigen in die Luft schleudert und wild dreht, sodass die Insassen johlen. „Positiv überrascht“ zeigt sich Keanu Spindler bei seinem Debüt auf dem Maimarkt. „Die Gaggenauer sind ein nettes Publikum. Der Platz hier ist schön“, freut sich der Losverkäufer aus Frankfurt über den Andrang „vieler Familien“, die mit ihrem Nachwuchs eines der Lamas oder andere Kuscheltiere gewinnen wollen. „Die Leute wollen nach zwei Jahren nicht mehr eingesperrt sein“, ahnt Spindler.

Auf dem Maimarkt, der noch bis einschließlich Montag kunterbunte Akzente setzt, konnte auch zum Muttertag jeder nach seiner Fasson das Wochenende zelebrieren. Der Zuspruch, den Händler, Krämer und Schausteller erfuhren, war mächtig. Bei Sonnenschein, Bier und Bratwurst war die Stimmung am Sonntag so gut wie das strahlende Wetter. Eine Gaggenauerin freute sich „über das wohltuende Stück Normalität nach so langen Corona-Einschränkungen“. Gut gelaunt schaute sie ihrem kleinen Sohn zu, der auf einem Kinderkarussell sichtlich Spaß hatte. Diese gute Laune schienen die meisten der Besucher zu teilen. „Heute ist ja Top-Wetter dafür“, blickte ein Gaggenauer in den Himmel. Lange habe ein Fest von dieser Größe nicht mehr stattfinden können, bedauerte er. Umso mehr freute es ihn, am Sonntag mit seiner Frau entspannt den Trubel zu genießen.

Von Bratwurst über Gebackenes und Gebranntes alles dabei

Klare Sieger waren am Samstagabend alle Beschicker, die das zu bieten hatten, was lange vermisst wurde. Die klassischen Fest-Leckereien – von der Bratwurst über Gebackenes und Gebranntes bis hin zu Fisch in allen Varianten – sorgten dafür, dass die Besucher artig in der Schlange standen. Die Angst vor Ansteckung schien auf dem Annemasseplatz keine Rolle mehr zu spielen.

Während im Kettenkarussell immer wieder das Fliegerlied dazu ermunterte, die Hände in die Höhe zu recken und die typischen Moves zu machen, konnten sich die Besucher wenige Meter weiter für bare Münze auch auf allerlei andere Weise herumwirbeln lassen. Wem das gar zu bedenklich erschien, der vermochte sein Geschick im gläsernen Irrgarten zu probieren. Und wer derlei Vergnügen nicht schätzt, der konnte sich auf dem Krämermarkt unterweisen lassen, etwa in der Kunst des Tomaten- und Käseschneidens oder im richtigen Würzen. Denn auch allerlei getrocknete Kräuter, Schmuck, Feinwerkzeuge und Wäsche sind die Must-haves eines solchen Events, das auch viel Raum für zur Schau gestellte Statements gibt. Flaggen wie die schwarz-gelbe Baden-Württemberg-Ausfertigung, spontane Piercings oder Tattoos für Anfänger, die nach einer gewissen Zeit einfach wieder verschwinden, machten das Bild rund. Vielfach angebotene T-Shirts mit markig-witzigen Aufdrucken verkündeten „Ich bin kein Klugscheißer. Ich weiß es wirklich besser“. Ein Klugscheißer muss man aber nicht sein, um zu erkennen, dass sich alle über den Maimarkt freuten.

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Erstellt:
8. Mai 2022, 18:02 Uhr
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