Galopp: Torquator Tasso gewinnt Grand Prix

Iffezheim (dpa) - Der „Galopper des Jahres“ hat sich den Sieg im 149. Großen Preis von Baden gesichert: Der vier Jahre alte Hengst Torquator Tasso setzte sich gegen Derbysieger Sisfahan durch.

Auf den letzten Metern nur noch ein Zweikampf: Torquator Tasso (rechts) setzt sich gegen Derbysieger Sisfahan durch. Fotos: Klaus-Jörg Tuchel

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Auf den letzten Metern nur noch ein Zweikampf: Torquator Tasso (rechts) setzt sich gegen Derbysieger Sisfahan durch. Fotos: Klaus-Jörg Tuchel

Marcel Weiß hatte zur Rennbeobachtung seinen gewohnten Platz in der Waage der Iffezheimer Rennbahn eingenommen, schien nach außen hin gelassen wie immer. Doch nach den knapp drei Minuten, in denen er den Großen Preis von Baden auf dem TV-Monitor beobachtet hatte, wirkte der Trainer des Siegers Torquator Tasso sichtlich gezeichnet: Deutschlands wichtigster Grand Prix war nichts für schwache Nerven.

Es fing schon beim Start an: Die Außenseiterin Pessemona blieb förmlich in ihrer Startbox kleben, ging das Rennen mit großem Rückstand und entsprechend chancenlos an. Dann war der aus Frankreich angereiste Millebosc, dessen Besitzer für die Nachnennung stolze 16.000 Euro bezahlt hatte, von seinem Jockey Adrie de Vries überhaupt nicht zu dirigieren, wurde nach 1.000 Metern angehalten. Da waren es nur noch fünf, die verblieben, Torquator Tasso war eher hinten zu sehen. „Es war ein Rennverlauf, den wir uns so eigentlich nicht vorgestellt hatten“, analysierte Weiß später, „er sollte eigentlich weiter vorne mitgehen.“

Doch Jockey Rene Piechulek hatte aufgepasst, Mitte der Zielgeraden war es nur noch ein Zweikampf. Denn der Derbysieger Sisfahan, erstmals seit seinem Triumph Anfang Juli in Hamburg wieder am Start, hatte sich im Windschatten der Konkurrenz herangepirscht. Es reichte nicht ganz: Eine Länge Vorsprung hatte der amtierende „Galopper des Jahres“ auf den Kontrahenten, der lange führende Passion and Glory aus dem Vollblut-Imperium von Scheich Mohammed al Maktoum wurde Dritter.

Und jetzt greift das Team um Torquator Tasso nach den Sternen. „Das wichtigste Ziel des Jahres ist der Prix de l’Arc de Triomphe“, hatte Mitbesitzer Peter-Michael Endres immer wieder betont, die endgültige Qualifikation gab es jetzt in Iffezheim.

Das wichtigste Galopprennen in Europa ist mit fünf Millionen Euro dotiert, es steht am 3. Oktober in Paris-Longchamp auf dem Programm. Peter-Michael Endres hätte an diesem Tag eigentlich in Düsseldorf Gastgeberpflichten, ist er doch Präsident des dortigen Reiter- und Rennvereins. Am Tag der Deutschen Einheit muss der Veranstalter nun wohl auf seinen ersten Mann verzichten.

Zusätzliches „r“ schleicht sich in Namen

Mit einer Frage wird er sich in den kommenden Wochen allerdings beschäftigen müssen: Reitet Rene Piechulek Deutschlands bestes Galopprennpferd auch in Paris? Der 34-Jährige gehört seit Jahren zur Spitze der hiesigen Jockeys, doch fehlt ihm internationale Reputation. Doch es gibt positive Signale. „Dieter Ellerbracke vom Gestüt Auenquelle hat mir gesagt, dass ich mir an dem Tag erst einmal nichts vornehmen sollte“, berichtete der aus Dessau in Sachsen-Anhalt stammende Piechulek.

Die Geschichte von Torquator Tasso begann bei der BBAG-Herbstauktion im Jahr 2018, als Helga Endres ein sehr auffälliger Fuchshengst ins Auge fiel. Eher spekulativ wurde ein Gebot von 24.000 Euro die Hand, der Hammer fiel. Damals trug das Pferd noch den Namen Tijuan Hilleshage, benannt nach dem 250 Einwohner zählenden niederländischen Ort Hilleshage, das Domizil des Züchters Paul Vandeberg, der gestern 30.000 Euro Züchterprämie kassierte. 100.000 Euro gab es für die Besitzer. Der Name gefiel den neuen Besitzern überhaupt nicht und so wurde der Hengst umgetauft, sollte eigentlich nach dem italienischen Dichter Torquato Tasso benannt werden, doch schlich sich bei der Registrierung beim Galopperdachverband ein „r“ in den Vornamen. Das Pferd hat davon nichts mitgekommen – und am schnellen Laufen hat es ihn auch nicht gehindert.


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