Ganz großer Gemüsekindergarten

Baden-Baden (fh) – Es sind die kleinen Momentaufnahmen des Lebens: Kurioses, Schönes, Ärgerliches. „Lebensnah“ schreibt diese Woche Fiona Herdrich über exponentielles Wachstum und grüne Daumen.

Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

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Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

Eigenes Gemüse wie aus dem Garten – das wäre schön. Auch ohne geeignete Grünfläche rund ums Haus, träumen wir zuversichtlich im grauen Winter von einem Selbstversorgerbalkon mitten in der Stadt auf dem wir im Sommer Tomaten, Paprika, Gurken und noch mehr ernten werden. Gut, viel Platz ist da nicht, und Licht eigentlich auch nicht – der Balkon ist eher klein und nach Norden ausgerichtet. Aber wird schon schief gehen.

Anfang Februar: Wir bestellen sogleich Gemüsesamen. Um alles andere kümmern wir uns später (bis dahin haben ja sicher die Geschäfte wieder offen, sind wir damals zuversichtlich überzeugt). Im Warenkorb landet dann aber doch erst mal nur Tomaten- und Paprikasaat – Gurken sind wohl knapp wie einst Klopapier – außerdem Anzuchterde, mit der wir total nachhaltig zwei Eierkartons füllen. Als dann aber nur jeweils zwischen fünf und 15 Samenkörner aus den so gar nicht nachhaltigen Päckchen purzeln, bin ich schon etwas enttäuscht. Was, wenn die alle nicht aufgehen?

Mitte Februar: Meine Anzucht-Eierkartons am Fenster kann ich von meinem Heimarbeitsplatz aus gut sehen. Im Tomatenkarton reckt auch schon das ein oder andere zarte Pflänzchen sein Köpfchen Richtung Wintersonne. Ich bin überzeugt: Die Paprika ist tot. Es lebe die Tomate.

Ende Februar: Aaaaah! Wie kommen über Nacht 20 kleine Triebe in die Paprikaaufzuchtstation? So viele Samen waren das doch gar nicht! Ist das irgendeine Mutation? Exponentielles Wachstum? Möglicherweise ansteckend?

Anfang März: Mal ehrlich: Damit, dass alle Samen aufgehen, haben wir nicht gerechnet. Worin sollen wir die Triebe bitte jetzt vereinzeln? Plastiktöpfe zu kaufen, ist aus umweltgründen keine Option. Also Recyceln, was das Zeug hält: Milchkartons, Joghurtbecher, Altglas. In der Familie finden sich dann noch Spender alter Blumentöpfe. Falls jemand außerdem seinen grünen Daumen vermisst, ich weiß nicht mehr, von wo wir den her haben.

Ende März: Mittlerweile ist mein Pflanzenkindergarten ganz schön ins Kraut geschossen und nimmt bereits einen großen Teil meines Heimbüros ein. Der Rest musste aus Mangel an Sonnenplätzen in den Flur umziehen. Immer wieder keimen in einzelnen Paprikatöpfchen noch weitere mysteriöse zarte Pflänzchen auf. Wo die alle hin sollen auf unserem winzigen Nordbalkon – darum kümmern wir uns später.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Fiona Herdrich

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Erstellt:
5. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

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