Gartenhütten-Thematik weitet sich aus

Durmersheim (HH) – Der Sturm der Entrüstung, der im Frühsommer durch Kleingärten in Durmersheim wehte, scheint ein wenig abgeflaut. Einige Nutzer haben zudem aufgeräumt.

Entrümpelung: Beim Lokaltermin im Landschaftsschutzgebiet „Reitäcker“ stoßen Bürgermeister und Gemeinderäte auf einen Schuttcontainer, voll mit Abräummaterial. Foto: Helmut Heck

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Entrümpelung: Beim Lokaltermin im Landschaftsschutzgebiet „Reitäcker“ stoßen Bürgermeister und Gemeinderäte auf einen Schuttcontainer, voll mit Abräummaterial. Foto: Helmut Heck

Grund der Aufregung war behördliches Vorgehen gegen zu groß geratene Gartenhütten, nicht erlaubte Einzäunungen, unzulässige Freizeitnutzungen (das BT berichtete). Die mittlerweile vom Landratsamt getroffenen Entscheidungen sind offenbar nicht so harsch ausgefallen wie befürchtet.

Im Juni hatte das BT über die Abbruchverfügung für ein Holzhäuschen berichtet, das im Garten eines betagten Ehepaars steht. Er liegt hinter dem Gemeinde-Bauhof im Gewann „Reitäcker“, das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Ein Enkel der über 80 Jahre alten Eheleute setzte sich gegen die amtliche Anordnung zur Wehr. Was er nun dem BT mitteilte, lässt darauf schließen, dass das Landratsamt einige Forderungen abgemildert hat. Die Gartenhütte dürfe stehen bleiben, so der junge Mann. Ein mit Steinplatten befestigter Weg, der ebenfalls moniert worden war, könne belassen, eine Pflasterfläche an anderer Stelle müsse verkleinert werden. Die verlangte Beseitigung der Garteneinzäunung sei von der Behörde auf das verwendeten Maschendrahtgeflecht beschränkt worden. Pfosten und Spanndrähte dürften bleiben, damit eine Bepflanzung daran hochwachsen könne. Gartennachbarn hätten ähnliche Bescheide erhalten.

Reaktion auf Behördenbriefe deutlich sichtbar

In dem Kleingartengebiet nördlich des Bauhofs, das an den Federbach grenzt, gab es aber auch Nutzer, die auf die im Frühjahr verschickten Behördenbriefe mit Aufräumen reagierten. Das war bei einer Begehung mit Bürgermeister Andreas Augustin und Vertretern der Gemeinderatsfraktionen festzustellen, die kurz vor den Sommerferien stattfand. Wer das Landschaftsschutzgebiet durchstreife, begreife schnell seinen Wert für Fauna und Flora, stellte Augustin fest. Bei dem knapp einstündigen Ortstermin stieß man auf zahlreiche Störfaktoren. Von Pflanzen überwucherte Rasenmäher und andere Gerätschaften gehörten ebenso dazu wie Pflastersteine in großen Mengen. An einer Stelle wartete ein mit allerhand Materialien voll beladener Schuttcontainer auf seine Abholung. An einer Streuobstwiese war eine Einzäunung abgebaut und durch rot-weißes Absperrband ersetzt worden. Diese Art der Abgrenzung sei seiner Einschätzung nach erlaubt, meinte Augustin. Ein Ratsmitglied empfand das Plastikband zumindest in optischer Hinsicht als die schlechtere Lösung.

Einige rechtliche Fragen noch zu klären

Der Ortstermin beschränkte sich auf den westlich des Federbachs liegenden, aus Privatgrundstücken bestehenden Teil des Schutzgebiets „Reitäcker“. Dieses setzt sich jedoch auf der anderen Seite des Gewässers entlang der nördlichen Grenzstraße mit einem weiteren Kleingartenbereich fort. Die dortigen Parzellen haben zwei Besonderheiten. Sie gehören der Gemeinde, die Verpächterin ist. Und sie liegen im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, seien daher als „Innenbereich“ zu beurteilen, erklärte Augustin den entscheidenden Unterschied.

Trotzdem ist fraglich, ob in den Gärten an der Grenzstraße alles rechtens ist. Denn auch die kommunalen Schrebergärten verfügen fast ausnahmslos über Einzäunungen und Hütten von mitunter beträchtlicher Größe. Noch auffälligere bauliche Gestaltungselemente fallen in der Kleingartenkolonie auf, die am südlichen Ende der Weißenburger Straße unweit der Hochhäuser liegt. Es handelt sich ebenfalls um Pachtgärten der Gemeinde. Das Areal mit dem Gewannnamen „Bassert“ sei ebenfalls Teil eines Bebauungsplans, allerdings kein Schutzgebiet, ließ Augustin wissen.

Eine Überprüfung der Pachtverträge habe ergeben, dass diese mit den Festsetzungen des Bebauungsplans „nicht übereinstimmen“. Die Abweichungen beziehen sich der Auskunft zufolge unter anderem auf Zäune und die Größe der Hütten. Auf BT-Anfrage erklärte Augustin, man werde nun auch bei den verpachteten Gärten alles überprüfen und Pachtverträge entsprechend anpassen. Die Beratung erfolge wahrscheinlich im Verwaltungsausschuss.

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Helmut Heck

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Erstellt:
26. August 2021, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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