Gast im eigenen Stadion

Sandhausen (mb) – Am Freitagabend kommen sich die Zweitliga-Kicker des SV Sandhausen wie im Auswärtsspiel vor: Der Dorfverein erwartet einen Fan-Ansturm der zahreichen Schalke-Fans.

Die Schalke-Fans sorgen am Freitagabend für Heimspiel-Atmosphäre. Foto: Thomas Frey/dpa

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Die Schalke-Fans sorgen am Freitagabend für Heimspiel-Atmosphäre. Foto: Thomas Frey/dpa

Ein Auswärtsspiel im eigenen Stadion ist für den SV Sandhausen nichts Neues. Diesmal könnte das 15.500-Seelen-Dorf aber sein königsblaues Wunder erleben. Wie gut sind Gemeinde, Polizei und Club auf den Schalker Fan-Ansturm vorbereitet? Glaubt man dem Bürgermeister, dann ist Sandhausen bereit.
„In unserer Gemeinde haben wir mit der Austragung großer Sportereignisse inzwischen Erfahrung“, sagt Hakan Günes. Eigentlich ist es ja nur ein Fußballspiel, das am Freitagabend in dem 15.500-Seelen-Dorf im Rhein-Neckar-Kreis ansteht – genau genommen das 338., das der SV Sandhausen im Unterhaus austrägt. Doch das, was sich beim allerersten Liga-Gastspiel der Schalker im BWT-Stadion am Hardtwald und drumherum abspielen wird, hat mit dem meist grauen Zweitliga-Alltag, den die SVS-Fans sonst geboten bekommen, wenig zu tun.

Tausende von Fußball-Touristen aus Gelsenkirchen haben ihr Kommen angekündigt, um ihr Team zur Bundesliga-Rückkehr zu brüllen. Mit einem Sieg würde der Tabellenzweite einen großen Schritt in Richtung Aufstieg machen. Bei einer Niederlage, die den Gastgebern den sicheren Klassenverbleib bescheren würde, müssten die Knappen zwei Spieltage vor Schluss wieder mächtig zittern. Die 2.400 Gästekarten, die von Sandhausen in den Ruhrpott gegangen waren, sind längst vergriffen. Und auch in den neutralen Blöcken des Stadions, in dem der SVS rund 12.000 Zuschauer erwartet, wird Königsblau regieren. In den vergangenen Tagen machte die Zahl 10.000 die Runde, das Online-Portal „Der Westen“ prophezeite sogar Bilder wie kürzlich in Barcelona. Vor zwei Wochen hatten um die 25.000 Eintracht-Fans das Camp Nou erobert.

Glaubt man der Polizei Mannheim, dann drohen in Sandhausen keine Frankfurter Verhältnisse. Mit 5.000 bis 7.000 Schalke-Fans rechnen die Ordnungshüter. Und dass viele S04-Anhänger ohne Ticket den rund 350 Kilometer weiten Weg ins Badische auf sich nehmen werden, glaubt Pressesprecher Norbert Schätzle nicht. Ganz so sicher scheint man sich in dieser Hinsicht bei Schalke 04 nicht zu sein. Auf ihrer Webseite haben die Knappen jedenfalls den Hinweis platziert, man rate „von einer Anreise ohne Eintrittskarte dringend“ ab. Zu den Heimblöcken, für die laut SVS-Pressesprecher Markus Beer noch Karten erhältlich sind, haben Gästefans keinen Zutritt.

Kein Hochrisiko-Spiel

Bei der Polizei hat man derweil in erster Linie die Verkehrssituation im Blick. Aus dem Ruhrpott werden zahlreiche Busse erwartet, wohingegen S04-Fans aus dem Umland eher mit der Bahn und anschließend mit Shuttles zum Stadion kommen. Wie viele Beamte rund um das Spiel im Dienst sein werden, verrät Schätzle nicht. Nur so viel: Man habe genügend Kräfte und mehr als bei sonstigen Zweitliga-Spielen im Einsatz. Dass sich bei den Schalker Gästen im Falle einer Niederlage Frust breitmachen könnte, zieht die Polizei mit ins Kalkül. Mit einem Hochrisiko-Spiel habe die Partie allerdings nichts zu tun. „Schalke gegen Dortmund ist da eine ganz andere Baustelle“, weiß Schätzle.

Nichts Ungewöhnliches ist es für die Sandhäuser jedenfalls, im eigenen Stadion gewissermaßen ein Auswärtsspiel zu bestreiten. Die Fanszene des SVS ist zahlenmäßig überschaubar und lässt dem jeweiligen Gast Raum, optisch wie akustisch eigene Akzente zu setzen. Mitte August war das Stadion am Hardtwald beim 0:0 fest in KSC-Hand gewesen.

Ob Gästefans in absehbarer Zukunft ein anderes Ziel ansteuern müssen, ist noch offen. Der Gemeinderat Sandhausen erteilte am Montag den Neubau-Plänen des SVS eine Absage. Der Verein um Präsident Jürgen Machmeier muss nun ausloten, ob er die in die Jahre gekommene Arena an Ort und Stelle umbaut oder ob er doch noch eine Möglichkeit findet, den geplanten Neubau zu realisieren. Machmeier hatte im Zuge der Stadion-Debatte sogar einen Umzug in eine andere Gemeinde ins Spiel gebracht. Sollte es so weit kommen, würde im beschaulichen Sandhausen auch am Wochenende wieder Ruhe einkehren.

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Von Marius Bücher

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Erstellt:
29. April 2022, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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