Gastro-Öffnung in Baden-Baden noch vor Pfingsten?

Baden-Baden (fk/lsw) – Bleiben die Inzidenzzahlen unter der Marke von 100, können im Stadtkreis Baden-Baden Gastronomen und auch Freibäder wohl ab Mitte kommender Woche wieder ihre Pforten öffnen.

Liegt die Inzidenz mehr als fünf Tage unter 100, können Gastronomen und Freibäder im Land wieder ihre Pforten öffnen. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archiv

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Liegt die Inzidenz mehr als fünf Tage unter 100, können Gastronomen und Freibäder im Land wieder ihre Pforten öffnen. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Archiv

Baden-Württemberg will schon von Samstag an unter bestimmten Bedingungen die Corona-Regeln in der Gastronomie, im Tourismus und in der Freizeit lockern. Liegen die Corona-Zahlen in den Kreisen fünf Tage in Folge unter einer Inzidenz von 100, darf zum Beispiel die Außen- und Innengastronomie zwischen 6 Uhr und 21 Uhr mit Hygieneauflagen und Testkonzepten wieder öffnen, hieß es aus Regierungskreisen in Stuttgart.
Baden-Württemberg sei bei der Öffnung der Innengastronomie bundesweiter Vorreiter, hieß es. Damit beendet die grün-schwarze Regierung die sieben Monate lange Zwangspause für die Gaststätten.

Baden-Baden hofft auf Öffnung vor Pfingsten

Im Südwesten liegen derzeit zwölf Kreise unter 100 Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen – darunter Baden-Baden. Allerdings war das in Baden-Baden erst an zwei Tagen der Fall und noch nicht wie erforderlich an fünf Tagen in Folge. Dennoch sieht die Stadt die Entwicklung sehr positiv. „Wenn die Zahlen so bleiben, können wir voraussichtlich ab Mitte kommender Woche die Gastronomie unter den gegebenen Auflagen öffnen und auch die anderen Erleichterungen umsetzen. Das würde der Stadt sehr guttun, es kommt wieder Leben in die Stadt“, sagte Stadtpressesprecher Roland Seiter am Donnerstag auf BT-Nachfrage. Wie BT-Recherchen ergaben, zählen diesmal auch tatsächlich alle Wochentage zum Erreichen der Fünf-Tages-Inzidenzgrenze und nicht wie bisher bei anderen Regelungen nur Werktage. Das bestätigte auch der Baden-Badener Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Hans Schindler. Er rechnet daher ebenfalls mit einer Öffnung Mitte kommender Woche, wenn die Inzidenz unter 100 bleibe. Allerdings stand die entsprechende Corona-Verordung des Landes am Donnerstag zunächst noch aus.

Gerade Baden-Baden, so ergänzte Oberbürgermeisterin Margret Mergen, sei eine Stadt, die von Besuchern und Tourismus lebe, „das gehört zum Baden-Badener Lebensgefühl“. Sie begrüße die neuen Regelungen sehr und hoffe, dass in Baden-Baden eine Öffnung vor Pfingsten möglich sei.

Der Plan der Regierung sieht weiter vor, in den Kreisen mit niedrigen Inzidenzen Hotels und Pensionen wieder öffnen zu lassen – auch Ferienwohnungen dürfen wieder vermietet werden. Kulturveranstaltungen wie Theater, Opern, Konzerte und Kino sind im Freien in den Regionen unter 100 wieder möglich. Galerien, Museen und Gedenkstätten dürfen dort auch wieder öffnen – genauso wie Bibliotheken und Archive.

Auch Freibäder können öffnen

Und es gibt auch eine besonders gute Nachricht für Familien mit Kindern in Kreisen mit einer Inzidenz unter 100: Freibäder dürfen wieder Badegäste empfangen. Außerdem kann man wieder Minigolf spielen, Hochseilgärten und Bootsverleihe dürfen wieder öffnen – allerdings jeweils nur für kleine Gruppen. Sportanlagen, auf denen im Freien kontaktarmer Freizeit- und Amateursport betrieben werden kann, dürfen auch wieder genutzt werden. Zoos und botanische Gärten können im Außen- und Innenbereich aufmachen. Auch Musik- und Kunstschulen dürfen wieder kleine Gruppen von Schülern empfangen.

Für den Einzelhandel gibt es auch eine Änderung: Bei „Click&Meet“ können statt einem Kunden pro 40 Quadratmeter zwei Kunden ohne vorherige Terminbuchung hereingelassen werden – sie müssen aber getestet sein.

Der Dehoga hatte schon läuten gehört, dass die Auflagen gelockert werden sollen. „Das ist eine Supernachricht, wir brauchen aber dringend die Spielregeln“, sagte Tobias Zwiener von der Dehoga.

Die Gesundheitsämter können ab heute feststellen, ob die Marke von 100 an fünf Tagen hintereinander unterschritten wurde. Wenn sie grünes Licht geben, können die Gastronomen am Samstag an den Start gehen.

Auch Ortenaukreis unter 100

Infrage für baldige Öffnungen kommen neben dem Stadtkreis Baden-Baden (79,7) die Kreise Main-Tauber (45,3), Emmendingen (51,1), Breisgau-Hochschwarzwald (49,3), Heidelberg (57,6), Freiburg (74,8), Konstanz (63,2), Ortenau (86,8), Rhein-Neckar (77,5), Freudenstadt (90,5) sowie Böblingen (95,2).

Gäste müssen laut Dehoga einen Schnelltest oder den Nachweis einer mindestens zwei Wochen zurückliegenden vollen Impfung oder einer Genesung mitbringen. Weiter gelten die üblichen Regeln zur Hygiene und zur Kontaktnachverfolgung.

Vor dem Öffnen sind die Gastronomen noch mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert: Wie viele Mitarbeiter wollen und können sie einstellen, wie viel Ware bestellen und welches vielleicht abgespecktes kulinarisches Angebot offerieren? „Sie müssen sich vorsichtig herantasten“, meinte Zwiener. Schnellschüsse verbieten sich auch, weil nach drei Tagen Überschreiten der 100-er-Marke alle wieder dichtmachen müssen. Die Branche mit 30.000 Betrieben im Südwesten, davon 6.000 Beherbergungsbetriebe, hatte vor Corona einen Jahresumsatz von 12,5 Milliarden Euro. Sie beschäftigte 140.000 sozialversicherte Menschen, 150.000 Geringverdiener sowie 35.000 Angehörige in Familienbetrieben.


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