Gastronomen in Mittelbaden schöpfen wieder Zuversicht

Baden-Baden (tas) – Die Stimmung bei Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben hellt sich auf, von einem normalen Geschäft ist die Branche auch nach den Corona-Lockerung aber noch weit entfernt.

Lecker Essen im Biergarten: Viele Betriebe fahren derzeit noch nicht mit voller Auslastung. Foto: Christophe Gateau/dpa

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Lecker Essen im Biergarten: Viele Betriebe fahren derzeit noch nicht mit voller Auslastung. Foto: Christophe Gateau/dpa

„Wir sind uns sicher, dass Baden-Baden wieder die Rolle im Tourismus spielen wird, die der Stadt gebührt.“ Das sagt Hans Schindler, der Erste Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Stadtkreis Baden-Baden, stellvertretend für eine ganze Branche. „Wir sind auf jeden Fall Feuer und Flamme.“

An Optimismus mangelt es Schindler nicht, auch wenn er in einem Bereich arbeitet, der wie nur wenige andere unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten hat – und bis heute leidet. Das zeigen auch die Zahlen einer aktuellen Dehoga-Umfrage. Derzufolge verzeichneten die Hotels und Restaurants in der Republik im Juni durchschnittliche Umsatzeinbußen von 35,7 Prozent im Vergleich zum identischen Zeitraum zwei Jahre zuvor.

Immerhin hat sich die Situation zuletzt spürbar verbessert, nach dem stufenweisen Neustart im Mai lagen die Einnahmeeinbußen noch bei knapp 68 Prozent im Vergleich zu 2019. Zudem sahen bei der damaligen Umfrage rund 61 Prozent der Unternehmer aufgrund von Corona-Auflagen nur schwer eine Perspektive, rentabel wirtschaften zu können. Die existenzielle Not sei weiterhin groß. Auch wenn sich die Zahl der Betriebe, die um ihre Existenz bangen, von 75,5 Prozent im Januar 2021 auf 45,6 Prozent im Mai deutlich reduziert habe.

„Wer schon mit dem Rücken zur Wand in die Krise gegangen ist, der wird es weiterhin schwer haben, zu überleben“, sagt Gastronom Schindler im BT-Gespräch. Wer sich Reserven zurücklegen konnte, werde durchkommen. „Einige Unternehmer mussten allerdings an ihre Altersvorsorge ran, um den Betrieb am Leben zu halten.“ Und auch geplante Investitionen würden erst einmal auf Eis gelegt. Solange die Gastrobetriebe aufgrund von Abstandsregelungen nicht mit voller Kapazität arbeiten könnten, werde sich die Lage auch nicht so einfach verbessern lassen.

Öffnungsschritte später vollzogen


Dass die Übernachtungsbetriebe einem massiven Umsatzverlust hinterherlaufen, zeigen auch die Zahlen des Statistischen Landesamts. Während die Hotels und Pensionen im Landkreis Rastatt im Jahr 2019 noch mehr als 600.000 Übernachtungen verbuchen konnten, hat sich diese Zahl 2020 fast halbiert. Ebenso im Stadtkreis Baden-Baden. Hier brach die Zahl im selben Zeitraum von mehr als einer Million auf etwa 520.000 Übernachtungen ein.

Es liegt auch auf der Hand, dass die Erholung in Baden-Baden nun langsamer anlaufen dürfte als in anderen touristischen Gebieten in Baden-Württemberg. Das Geschäft in der Kurstadt ist stark durch Kongresse und Kulturveranstaltungen geprägt, hier wurden die ersten Öffnungensschritte vergleichsweise spät vollzogen. „Die Übernachtungsbetriebe meiner Kollegen im Hochschwarzwald oder am Bodensee sind praktisch ausgebucht“, sagt Schindler, der das Gasthaus Auerhahn in Geroldsau betreibt. „Wir sind dagegen noch unglaublich weit weg von den Zahlen, die wir um diese Jahreszeit normalerweise schreiben.“

Doch bei Schindler und den anderen Hoteliers im Baden-Badener Einzugsbereich steigt mit der Wiedereröffnung von Festspielhaus, der Thermen oder dem anstehenden Oldtimermeeting die Stimmung. „Wir merken eine stetige Zunahme bei den Buchungen.“

„Das wird Zeit brauchen“


Im Aufschwung kämpfen die Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe aber noch mit einem weiteren Problem: dem Fachkräftemangel. Denn in der Hochphase der Pandemie mit den monatelangen Lockdowns haben sich nicht nur Aushilfskräfte beruflich umorientiert. Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie im April um rund 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum zwei Jahre zuvor zurück. Köche und Servicekräfte zu finden, war bereits vor der Pandemie schwierig, jetzt ist der Arbeitsmarkt hier geradezu leergefegt.

Auch Schindler ist auf der Suche nach Fachkräften in der Küche, „doch es ist niemand zu bekommen“. Der Dehoga-Vorsitzende rechnet auch für 2022 noch nicht damit, die alten Zahlen von vor der Corona-Krise erreichen zu können. „Bis alles wieder normal läuft und seine geregelten Wege geht, das wird Zeit brauchen.“


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