Gastronomen sehen Regeln kritisch

Stuttgart/Baden-Baden/Rastatt/Bühl (sga/fk/dm) – Baden-Württemberg verhängt besonders scharfe Corona-Regeln. Besonders die Gastronomen befürchten daher schwere Einbußen.

Betreiber von Cafés und Restaurants befürchten, dass mit den 2G-plus-Bestimmungen in Zukunft viele Tische leer bleiben. Foto: Sarah Gallenberger

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Betreiber von Cafés und Restaurants befürchten, dass mit den 2G-plus-Bestimmungen in Zukunft viele Tische leer bleiben. Foto: Sarah Gallenberger

Frank Schweikart ist schockiert. Der Betreiber vom Hamilton in Baden-Baden dachte, „der Kelch geht an uns vorbei“. Doch am Freitagmorgen kommt dann doch die schlechte Nachricht: Zugang zur Gastronomie ist ab Samstag nur unter Einhaltung der 2G-plus-Regel erlaubt. Auch Geimpfte und Genesene brauchen also einen Test für den Besuch im Restaurant – so schreiben es die am Freitag veröffentlichten Regularien des Landes Baden-Württemberg fest.

Am Abend bietet sich dann aber ein kleiner Hoffnungsschimmer: Für Menschen mit Booster-Impfung soll die Regel nicht gelten. Die große Mehrheit ist das aber aktuell freilich noch nicht.
Am Freitagnachmittag ist das Unverständnis unter den Interessensvertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) groß. Niemand weiß genau, was gilt. „Ein Lockdown durch die Hintertür“ seien die neuen Regeln für die Gastronomie, sind sich der Baden-Badener Dehoga-Chef Hans Schindler und sein Bühler Pendant Jürgen Kohler sogar im Wortlaut einig. „Das ist doch klar. Der Aufwand, einen Test zu machen, hält viele vom Restaurantbesuch ab. Das ist für uns tödlich“, sagt Schindler, der durchaus Verständnis hat, dass angesichts der Pandemiewelle Maßnahmen getroffen werden müssten. „Aber das ist keine gute Lösung.“

Für Kohler wäre ein zeitlich befristeter „Komplett-Lockdown“ fast die bessere Lösung, sagt er. Denn jetzt müsse die Gastrobranche durch die Testregelungen starke Umsatzeinbußen einkalkulieren, da die Lokale aber prinzipiell offen hätten, gebe es keine finanziellen Hilfen. „Das wird manch einen die Existenz kosten.“ Die am Freitagabend verkündete Befreiung für Menschen mit Booster-Impfung ist für ihn aktuell kein gewinnbringender Lösungsansatz. „Das bringt uns in den kommenden Wochen und speziell im Dezember noch nichts“, sagt er. Zu wenig Menschen seien „geboostert“.

Cafés trifft es besonders hart

Besonders hart trifft es den Dehoga-Chefs zufolge die Cafés in den Innenstädten, die von Laufkundschaft lebten. Jene gastronomischen Einrichtungen, in die „man mal auf die Schnelle spontan auf einen Kaffee geht. Das macht man natürlich eher weniger, wenn man vorher einen Test machen muss.“ Eine Sorge, die auch Hamilton-Gastronom Schweikart umtreibt. Normalerweise sind die Tische des Restaurants in der Stadtmitte nahezu vollständig belegt. Doch normal ist seit Monaten relativ: „Mit jeder Woche haben wir weniger Kunden. Wir sind hier ein Treffpunkt für Spontanbesuche“, bedauert Schweikart die Situation, in der er und viele andere Gastronomen sich derzeit befinden. Der Weihnachtsmarkt habe zwar zuletzt für „etwas mehr Leben in der Bude“ gesorgt, „aber das hat sich ja jetzt auch erledigt“.

An Verständnis für die Maßnahmen mangelt es dem Betreiber zwar nicht, aber auch er pflichtet den Dehoga-Chefs bei: „Man hätte schon vor vier Wochen einen radikalen Lockdown machen können.“ Das ewige Hin und Her sei für ihn nichts anderes als ein „Gewürge“. Die Deutschen hätten es mit „wahnsinnig viel Bürokratie“ zu tun, „wofür man uns im Ausland mittlerweile nur noch auslacht“. Am Ende bleibt Schweikart nur noch Frust: „Wie viel weniger Umsatz soll ich noch machen?“

Ähnlich sieht das naturgemäß auch Frank Hildenbrand, der in Niederbühl das Schnick-Schnack betreibt und Rastatter Dehoga-Chef ist: „Wir wissen noch nicht, wie wir über die Runden kommen“, sagt er. Schon zuletzt sei das Geschäft um 50 Prozent rückläufig gewesen. „Das wird jetzt wohl noch mehr werden.“

„Politik ist planlos“

Angesichts dieses Damoklesschwerts fehlen den sonst nie um markige Statements verlegenen Dehoga-Spitzen fast die Worte. „Planlos“ ist das Vorgehen der Politik für Kohler, „eine Katastrophe“ für Schindler. Die Politik arbeite an der Realität vorbei, sei praxisfern und habe keine Ahnung, meinen beide. Noch gibt der Dehoga die Hoffnung aber nicht auf, dass man in Gesprächen das Land wieder dazu bewegen könnte, die am Freitagmorgen verkündete 2G-Plus-Regel zurückzunehmen. „Wir sind dran und ich bin guter Dinge, dass das klappen könnte“, gibt sich Kohler kämpferisch.

Die Hoffnungen der Gastronomen ruhen jedenfalls auf dem Verband. Denn es sind nicht nur die ausbleibenden Kunden, die keine Lust hätten, einen Test zu machen. Es ist auch die Kontrolle von Impf- und Testnachweis. „Bis dann der Cappuccino auf dem Tisch steht, kann es etwas dauern“, schüttelt Giuseppe Romano, Inhaber der gleichnamigen Pizzeria in der Baden-Badener Innenstadt, den Kopf.


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