Gastronomie: Sorgen vor dem Winter

Baden-Baden (hez) – Kritisch ist die Lage weiterhin im Hotel- und Gaststättenbereich. Mit Sorgen blicken die Gastronomen in Richtung kältere Jahreszeit.

Da viele Gäste die Innenräume scheuen, setzen zahlreiche Lokale und Restaurants auf die Außenbewirtung. Foto: Ronald Zak/dpa

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Da viele Gäste die Innenräume scheuen, setzen zahlreiche Lokale und Restaurants auf die Außenbewirtung. Foto: Ronald Zak/dpa

Gut besetzte Tische im Freien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hoteliers und Gastronomen in dieser Corona-Zeit mit großen Belastungen zu kämpfen haben. Mit Sorgen erwarten vor allem die Gaststätten die bald beginnende kältere Jahreszeit. „Einen zweiten Lockdown überlebt die Branche nicht“, betont Markus Fricke, Geschäftsführer der Baden-Badener Geschäftsstelle des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), die für einen Bereich von der Kurstadt bis nach Offenburg, Freudenstadt, Wolfach und Rastatt zuständig ist. Momentan stelle sich die Lage bei den Übernachtungsbetrieben sehr unterschiedlich dar.

Bei den Ferienhotels sei es besonders im Bereich von Freudenstadt „erstaunlich gut gelaufen“. Doch ansonsten könne man die Lage keineswegs als rosig ansehen. In Baden-Baden zum Beispiel „ist mancher Hotelier froh, wenn eine Auslastung von 30 Prozent erreicht wird“. Dies liege vor allem am Fehlen von Kongressen und sonstigen Veranstaltungen wie etwa Konzerte im Festspielhaus. Die Iffezheimer Pferderennen würden ebenso als Gäste- und Umsatzbringer in diesem Jahr nicht dienen können.

Auch im weiteren Umland gebe es kein einheitliches Bild, so Fricke. Einige wenige Häuser freuten sich über Vollbelegung, während auf der anderen Seite ein neu eröffnetes Haus im Landkreis Rastatt im August eine Auslastung von nur fünf Prozent verzeichnet habe.

Der Dehoga-Geschäftsführer macht im BT-Gespräch auch auf ein ganz praktisches Problem aufmerksam, das eine große Belastung für die Hoteliers darstelle. Diese hätten nämlich zu prüfen, ob ein Hotelgast aus einem Risikogebiet kommt. Sei dies der Fall, müssten diese Gäste eigentlich in die Quarantäne. Doch wo? Fünf Tage im Hotelzimmer, wenn nur für drei Tage bezahlt wird? In der städtischen Quarantäneunterkunft im Heitzenacker?

In letzterem Fall wären die Baden-Baden-Besucher wohl kaum begeistert, meint Fricke, fügt aber hinzu: „Wir können sie ja auch nicht unter die Oosbrücken legen.“ Leute einfach auf die Straße zu schicken, wäre auch für den Tourismus-Standort Baden-Baden nicht gerade ruffördernd. Bei einer Lösung für dieses Problem habe man von der Stadt bis zum Regierungspräsidium bislang keine Hilfe bekommen.

Grundsätzlich, so der Geschäftsführer, müsse man schon sagen, dass es in der Hotellerie ohne das Kurzarbeitergeld einen Flächenbrand gegeben hätte.

Für die Gaststätten kommt es momentan darauf an, die Gäste im Freien bedienen zu können – und dies möglichst noch lange. Wer keine Außenbewirtung anbieten kann, hat es laut Fricke sehr schwer, denn die Gäste haben aufgrund der Corona-Pandemie „Angst vor Innenräumen“.

So manche Betriebe hätten ihre Außenflächen erweitern können. Allerdings sei es dann nicht immer so einfach, alle Gäste draußen zu bedienen, zumal sich auch die Personalsituation im Gastgewerbe nicht verbessert habe.

Höhere Kosten durch Heizpilze

Den nächsten Monaten sieht man bei der Gastronomie nicht unbedingt mit großem Optimismus entgegen. So weiß man nicht, ob sich die allgemeine Abneigung der Gäste gegen Innenräume von Gaststätten ein wenig legen wird. Als Problem sieht Fricke auch die Notwendigkeit der regelmäßigen Quer-Belüftung der Gaststätten an. Wie solle man die Fenster bei Nieselregen und Wind weit aufsperren? Dies lasse auch den Energieverbrauch ansteigen.

Daher setzen die Betriebe – so weit möglich – auf eine möglichst lange Zeit der Außenbewirtung, um sich ein finanzielles Puffer für besonders kalte Zeiten zu erwirtschaften. Dazu ist auch der verstärkte Einsatz von Heizpilzen erforderlich, was wiederum die laufenden Kosten erhöht.

Wichtige Einnahmequellen für die Branche sind traditionell die Weihnachtsfeiern besonders von Firmen und Vereinen. Aber auch da tun sich Hindernisse auf. Welcher Betrieb könne schon 50 bis 60 Leute aufnehmen unter Einhaltung der Abstandsvorschriften, fragt sich Markus Fricke.

Er spricht auch von den starken finanziellen Belastungen für die Gastronomen. Sicherlich seien zuletzt einige Ausgaben (Steuer, Verbrauchskosten) gestundet worden, aber einmal müsse man ja bezahlen. Erfreulich seien in dieser Situation der „gute Austausch“ mit der Stadtverwaltung und natürlich die staatliche Förderung. Aber: „Wir haben das Ende des Tunnels noch lange nicht erreicht.“

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Erstellt:
4. September 2020, 17:25 Uhr
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