Gausbacher Friedensweg eingeweiht

Forbach (vgk) – Der Friedensweg in der Gausbacher Kirche Seliger Sankt Bernhard von Baden wurde am Samstag mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.

Pfarrer Thomas Holler erhält bei der Friedenweg-Einweihung von Antje Wurz die Leader-Plakette. Foto: Veronika Gareus-Kugel

© vgk

Pfarrer Thomas Holler erhält bei der Friedenweg-Einweihung von Antje Wurz die Leader-Plakette. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Er ist ein flammender Appell für Frieden und Gerechtigkeit und gegen Hass und Ausgrenzung in der Welt ebenso wie in der dörflichen Gemeinschaft.

Anlässlich der Einweihung am Jahrestag der Kirchenweihe sagte ein sichtlicher ergriffener Achim Rietz, der ehemalige Gausbacher Ortsvorsteher, dass es ihm ein Bedürfnis gewesen sei, den sieben während der Nazi-Herrschaft aus dem Dorf verschwundenen Personen ein Gesicht geben zu können. Den Ausschlag dafür hatten seine Recherchen zur Geschichte der Gemeinde Gausbach im Dritten Reich und dem von ihm verfassten Buch mit dem Titel „Aufbruch in eine neue Zeit – Dachten wir“ gegeben.

Zeichen gegen Populismmus und Extremismus

Die große Resonanz in der Bevölkerung ließ das Bedürfnis im Pfarrgemeinderat wachsen, ein deutliches Zeichen gegen Populismus und Extremismus zu setzen sowie gegen einen geschichtsvergessenen Nationalismus, betonte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Klaus Mungenast. Er zeigte sich verwundert darüber, dass dieses Gedankengut immer noch existent sei.

Die für diese Opfer errichteten Denkmäler sind nicht nur historische Erinnerungen an den Krieg, sondern auch auf die zivilen Opfer zu erweitern, skizzierte Pfarrer Thomas Holler die Entstehungsgeschichte des Friedensprojekts. Der Granitblock vor dem Gausbacher Gotteshaus mit mehreren Kreuzen, aus dessen Mitte ein kleiner Brunnen sprudelt, erinnert an die Opfer des Krieges – „ein Symbol des Lebens im Angesicht des Todes“, wie Holler ausführte. Errichtet wurde das Denkmal in der Nachkriegszeit auf Initiative der Firma Reif in Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde sowie der politischen Gemeinde.

Dieses Denkmal ergänzt eine Bodenplatte mit eingravierten Schriften zur Erinnerung an die militärischen Opfer der Kriege und an die zivilen Leidtragenden der NS-Diktatur. Daran anknüpfend erinnert in der Vorhalle der Kirche eine Gedenkwand an gefallene und vermisste Soldaten der beiden Weltkriege und an zivile Opfer der NS-Diktatur. Zitiert wird Artikel eins des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Weitere Elemente sind die Zehn Gebote des Alten Testaments, das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe sowie die Seligpreisung der Bergpredigt.

Dunkles Kapitel deutscher Geschichte

An den Wandflächen der beiden Treppenhäuser sind auswechselbare Bildmotive zum Thema Frieden angebracht. Aktuell ist die Präsentation zu Bischof Clemens August Kardinal von Galen, einem Kämpfer gegen Euthanasie und Staatsterror während der Nazidiktatur zu sehen. Die Bildtafeln im Treppenhaus widmen sich Begriffen wie Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe und Freiheit, die Papst Johannes XXIII. zur Zeit des Kalten Krieges als Säulen des Friedens proklamierte. Die Friedenstaube, zusammengesetzt aus dem Wort Frieden, hängt am Eingang zum Gottesdienstraum.

Das Projekt sei der adäquate Umgang mit einem der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte in einer Zeit, in der Intoleranz und nationalsozialistisches Gedankengut wieder um sich greifen würden. Deshalb freue man sich, dass Leader, ein europäisches Förderprogramm, die Entstehung des Friedenswegs finanziell unterstützen konnte, sagte Geschäftsführerin Antje Wurz.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Oktober 2021, 16:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.