Gausbacher Landschaftspfleger vor ungewisser Zukunft

Forbach (stj) – Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Freiburg hat Tierhalter Christian Striebich darüber informiert, dass sein wolfabweisender Zaun einige Mängel aufgewiesen habe.

Vielerorts im Murgtal (hier ein Foto aus Baiersbronn-Schwarzenberg) äußern sich die Landschaftspfleger kritisch, was den Umgang mit dem Wolf anbelangt. Foto: Stephan Juch

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Vielerorts im Murgtal (hier ein Foto aus Baiersbronn-Schwarzenberg) äußern sich die Landschaftspfleger kritisch, was den Umgang mit dem Wolf anbelangt. Foto: Stephan Juch

„Irgendwo ist es ein Witz!“ Christian Striebich hält mit dem, was er von dem Schreiben aus Freiburg hält, nicht hinterm Berg. In einer zwölfseitigen Abhandlung hat die FVA die Zaunsituation des Gausbacher Landschaftspflegers beschrieben. Fazit: „Der Tierhalter ist engagiert und daran interessiert, Herdenschutz umzusetzen. Seine Zäune sind weitestgehend vorbildlich aufgebaut und gepflegt.“ Der Grundschutz vor dem Wolf sei dennoch nicht erfüllt, eine Entschädigung für die am 27. November gerissenen Nutztiere allenfalls auf Kulanz zu gewähren.

Striebich macht im BT-Gespräch deutlich, dass es ihm nicht ums Geld geht. Das könne man mit der von Idealismus geprägten Arbeit, die er seit Jahren im Murgtal leistet, ohnehin nicht verdienen. Vielmehr gehe es ihm um seine Tiere, die ihm und seiner Familie am Herz liegen, mit denen sie viel Zeit im Stall und in der freien Natur verbringen. „Das war nicht irgendeine Ziege, das war die Ziege“, nennt der Gausbacher ein emotionales Beispiel von dem neuerlichen Verlust, den ihm der Wolfsrüde GW852m an jenem Samstag bescherte, als ihm neben der Ziege noch zwei Schafe zum Opfer gefallen waren.

Tiere mit der Flasche aufgezogen

Striebich hat schon Tiere mit der Flasche aufgezogen. Da bekommt das Wort Schutz noch mal eine ganz andere Bedeutung. Doch diesen sieht er aktuell mehr denn je gefährdet – genauso wie die Tierhaltung im Murgtal zur Landschaftspflege insgesamt. „Es ist hier bei uns extrem schwierig, so exakt einen Zaun zu bauen, dass man die Vorgaben der FVA erfüllt. Ich finde es fast unmöglich.“ Für den Landschaftspfleger gebe es jetzt nur noch eine Möglichkeit: „Es kommt eine Firma, die den Zaun aufbaut. Wir machen es nicht mehr“, zeigt sich Striebich frustriert.

Die FVA benennt in ihrem Schreiben, das den Tierhalter zeitgleich mit der Bestätigung erreicht, dass der Wolf seine Tiere gerissen hat, sieben Schwachstellen, die das zwei Hektar große Weidegebiet in Gausbach umgeben. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Lücken im Weidenetz, wo die stromführenden Litzen vorgegebene Abstände nicht hundertprozentig einhalten. So finde der Wolf Durchschlupfmöglichkeiten, etwa wenn die unterste Litze 25 bis 30 Zentimeter über dem Boden ist – statt der in der Amtsstube festgeschriebenen 20 Zentimeter. Die Experten sind der Meinung, dass der Wolf dort „ohne Kontakt mit stromführenden Elementen auf die Weide gelangen kann“. Daher sei der Grundschutz nicht erfüllt.

Striebich glaubt indes nicht, dass das Raubtier um den Zaun rumrennt und sich genau diese 30 Zentimeter aussucht, um durchzuschlüpfen. Zumal an einer Stelle an der Hackenstraße, die von der FVA moniert wird, eine LED-Lampe hängt, die den Bereich die ganze Nacht hell erleuchtet. Dass der eher menschenscheue Wolf durchs Wohngebiet streift, um auf eine Weide zu gelangen, hält Striebich für ein Märchen. Er geht eher davon aus, dass GW852m gelernt hat und den Elektro-Zaun überspringt. Sicher sein könne man sich diesbezüglich nicht.

Für Filmaufnahmen gut genug, für den Wolf nicht

Allerdings ist sich der Tierhalter sicher, dass der Wolf wieder kommt. Unter diesen Voraussetzungen kündigt der engagierte Gausbacher an, die Landschaftspflege notfalls einzustellen, wenn seine Verträge in vier Jahren auslaufen. „Wir haben alles getan, wir haben den Zaun so umgebaut, wie die es wollten“, blickt Striebich auf das Jahr 2019 zurück. Damals, nach dem ersten Wolfsriss in seiner Herde, hatte es eine entsprechende Beratung durch die FVA gegeben, woraufhin mit Unterstützung des Landschaftserhaltungsverbands Rastatt, eines örtlichen Vereins und engagierten Dorfbewohnern ein wolfabweisender Zaun errichtet wurde. „Und jetzt an zehn Zentimetern so etwas aufzuhängen, was unmöglich ist in unserer Topografie, finde ich eine bodenlose Frechheit von der FVA und von der Regierung“, ärgert sich Striebich. Zumal sein Zaun von der FVA sogar für Filmaufnahmen genutzt wurde, „da eine Trassenveränderung im Nachgang der Beratung hier sehr gut umgesetzt wurde“, wie es in dem Schreiben anerkennend heißt.

Trotzdem hält die FVA den Grundschutz bei Striebichs Zaun nicht für erfüllt, die Voraussetzungen für eine Ausgleichszahlung auf Kulanz seien aber gegeben. Darauf kann der Gausbacher verzichten, wie er im BT-Gespräch betont. Ein wirksamer Schutz gegen GW852m wäre ihm lieber.


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