Geben und Nehmen im Einklang

Gaggenau (er) – Kerstin Olieschar aus Selbach hat mit Marlies Teutemacher aus Gernsbach und Susanne Schirmeyer aus Sulzbach den Verein „Tausch-Netzwerk Geben und Nehmen Murgtal/Baden“ gegründet.

Essigsorten, Kräutersalze, Pralinen oder Schokolade: Kerstin Olieschar aus Selbach mit einer Auswahl an selbst gemachten Produkten. Foto: Elke Rohwer

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Essigsorten, Kräutersalze, Pralinen oder Schokolade: Kerstin Olieschar aus Selbach mit einer Auswahl an selbst gemachten Produkten. Foto: Elke Rohwer

Im Gespräch mit der Initiatorin wird deutlich, wie sehr sie für die Philosophie des Tauschnetzwerks brennt. „Alles fing damit an, dass wir Drei zuvor den einen oder anderen Tauschring kennengelernt hatten. Schon bald stellten wir aber fest, dass wir uns mit deren Zielen und Aktivitäten nicht identifizieren konnten. So haben wir unser eigenes Tausch-Netzwerk gegründet“, blickt Kerstin Olieschar zurück. Das Tausch-Netzwerk basiert auf Nachbarschaftshilfe und der Loslösung vom Geldsystem. Geben und Nehmen sollen im Einklang zu einander stehen.

„Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung erfolgen meist durch eigener Hände Arbeit, zum Beispiel durch Essbares oder durch Rat und Tat. Unser großes Ziel ist es, die Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ins Zentrum unseres Wirkens zu stellen“, erklärt sie: „Wenn meine Enkel mich irgendwann einmal fragen: ,Oma, was hast du für den Erhalt unseres Planeten getan?‘ Dann werde ich ihnen von unserem Tausch-Netzwerk erzählen und von meinen Bestrebungen, den täglichen Kaufwahnsinn im Internet und in den Discountern zumindest etwas zu bremsen. Denn bevor ich etwas kaufen gehe, schaue ich erst einmal nach, ob ich die betreffende Sache nicht auch über das Tausch-Netzwerk beziehen kann.“

Mitglieder zwischen Karlsruhe und Forbach

Auf ihrer Homepage können sich Interessierte über die Satzung, die Philosophie des Netzwerks und die Tauschregeln informieren sowie in der Rubrik Marktzeitung tagesaktuelle Angebote entdecken. Hier bietet sich eine beachtliche Vielfalt an alternativen Haushaltsmitteln und Körperpflegemitteln sowie Dienstleistungen, die von Garten- und Näharbeiten bis hin zur Unterstützung bei Büro- und Schreibarbeiten reichen.

Austausch und gegenseitige Unterstützung werden beim Netzwerk großgeschrieben. So hält Susanne Schirmeyer unter anderem Tees und Tinkturen bereit, während Kerstin Olieschar neben Essigsorten auch Kräutersalze, Pralinen und Schokolade anbietet – alles selbst gemacht, versteht sich. „Im Tausch-Netzwerk pflegen wir den aktiven Tausch. Dafür braucht es Mitglieder, die Lust haben, miteinander zu handeln und einen offenen, direkten und sozial verträglichen Austausch untereinander zu pflegen. Je ausgeglichener das Geben und Nehmen unter den Teilnehmern ist, desto besser funktioniert das Netzwerk.“

Jedes Mitglied, jede Familie führt ein sogenanntes Talente-Konto, denn die Einheit, in der die Gegenstände oder Dienstleistungen miteinander getauscht werden, ist das Talent. 20 Talente ist zum Beispiel der Richtwert für eine Stunde Dienstleistung. „Ich könnte im Tausch-Netzwerk anbieten, dass ich einen Käsekuchen backe. Für meine Mühe und das Material veranschlage ich 30 Talente. Dann kann sich jemand melden, der gern einen Käsekuchen von mir haben möchte. Und dann wird ausgehandelt, was er mir dafür anbieten kann“, erläutert Kerstin Olieschar das Prinzip des Direkttauschs.

Derzeit verfügt das „Tausch-Netzwerk Geben und Nehmen Murgtal / Baden“ über elf Mitglieder zwischen Karlsruhe und Forbach. Interessierte sind jederzeit willkommen. „Wer sich erst einmal mit der Philosophie auseinandergesetzt hat und bereit ist, sich darauf einzulassen, wird feststellen, dass das Tauschen von Mensch zu Mensch überraschend einfach ist. Ich habe nichts zum Anbieten, gibt es nicht, denn jeder hat etwas oder kann etwas, das andere interessiert.“

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Erstellt:
14. Mai 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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