Gebrauchte Gebisse unverkäuflich

Gaggenau (ham) – Die Versteigerungen von Fundsachen in der Gaggenauer Jahnhalle gehen verloren – stattdessen verhökert das Bürgerbüro diese künftig online über ihre Webseite.

Sabrina Koch kümmert sich als Mitarbeiterin beim Gaggenauer Bürgerbüro um die Fundsachen. Vor allem die Räder sind oft gut erhalten. Foto: Stadt Gaggenau/Angelika Schmied

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Sabrina Koch kümmert sich als Mitarbeiterin beim Gaggenauer Bürgerbüro um die Fundsachen. Vor allem die Räder sind oft gut erhalten. Foto: Stadt Gaggenau/Angelika Schmied

Ewig auf ein Fahrrad beim Händler warten? Wer sich trotz der Lieferschwierigkeiten gleich abstrampeln will und keinen vollkommen neuwertigen Drahtesel braucht, findet nun bei der Stadt Gaggenau eine äußerst preiswerte Alternative: Das Fundbüro bietet seit dieser Woche Fundsachen online zum Verkauf an (siehe „Zum Thema“). Neben einem Elektroroller fanden sich gestern auf der Webseite vor allem 14 Fahrräder.
Die Preise, die unter den Fahrrad-Bildern stehen, liegen zwischen 30 und 80 Euro. „Vom Mountainbike über Cityräder bis Trekkingräder für Kinder wie Erwachsene ist wirklich alles dabei. Nur ganz kleine Kinderräder nicht“, zählt die Stadt den Fundus auf, der seit sechs Monaten nicht abgeholt wurde und deshalb zu Geld gemacht werden soll. Manche Zweiräder wirken in der Online-Galerie noch recht neu, andere sind eher für Bastler interessant, etwa ein E-Bike, bei dem der Akku fehlt.

Bisher versteigerte die Stadt die Fundstücke von Zeit zu Zeit in der Jahnhalle durch Engelbert Lang. Bei den Versteigerungen flossen zwischen 500 und 800 Euro in den Stadtsäckel. Wurden die Schnäppchen früher etwa alle zwei Jahre so an den Mann gebracht, fand die letzte Versteigerung wegen Corona 2018 statt. Mit dem neuen Online-Angebot will die Kommune „flexibler“ die „Asservatenkammer“ leeren. „Wir können so immer wieder neue Räder einstellen“, begründet das zuständige Bürgerbüro den Wandel und ergänzt, „vor allem war der Aufwand für Versteigerungen auch immer sehr hoch. Es musste alles aus den Räumen herausgeholt werden, transportiert und wieder zurücktransportiert werden.“ Jetzt können interessierte Käufer erst auf der Webseite schauen und dann vor Ort den Gegenstand genauer inspizieren.

Fundbüro wartet halbes Jahr auf Besitzer

Zunächst liegt das Bestreben des Fundbüros jedoch darin, den Besitz dem Eigentümer zurückzugeben. Letzterer muss einen Nachweis erbringen, dass ihm die Sache gehört. Gelingt das nicht oder meldet sich keiner binnen der halbjährigen Aufbewahrungsfrist, geht es an die sachgerechte Verwertung: Brillen reicht die Stadt an einen Optiker weiter; Handys wandern dank „Gorilla“, einer Aktion des Arbeitskreises Umwelt, in den Sammelbehälter im Rathaus; gut erhaltene Kleidung landet in Sammlungen; Schlüssel werden fachgerecht entsorgt.

Fühlt man dem Kuriositätenkabinett, das zuweilen lagert, genauer auf den Zahn, ist man nahe dran an der ungewöhnlichsten Fundsache in Gaggenau: Es würden „immer mal wieder Gebisse abgegeben“, berichtet Stadtsprecherin Judith Feuerer. Ungewöhnlich ist beim Zahnersatz zweierlei: Zum einen, dass dieser überhaupt verloren geht. Der Verlust sollte ja spätestens auffallen, wenn man den Mund wieder aufmacht, sei es zum Reden oder Essen. Zum anderen, dass die Gebisse nicht mehr abgeholt werden. Vielleicht ist es den Zahnlosen peinlich, ausgerechnet im Fundbüro nachzuhaken? Sich als Besitzer auszuweisen, wäre dabei sehr leicht: Reinschieben und es passt – oder man hat daran zu kauen, wenn nicht ...

Pandemie-Verlustebei Hörgeräten

Mögen die Gebisse während der Fastnacht im Rausch vermehrt verschwinden, sind auch die Auswirkungen durch die Corona-Zeit für das Fundbüro kurios: Seit der Pandemie werden vermehrt Hörgeräte abgegeben! Auch wenn es sich weniger verrückt als die Gebissverluste anhört, fragt man sich doch, ob man sich da nicht verhört hat? Nein! „Vermutlich hängt es mit dem Maskentragen zusammen“, glaubt Feuerer, dass bei dem ständigen Auf und Ab der Ohrenbänder auch so manches Hörgerät das Weite sucht und Taube hinterlässt. Verhökert die Stadt die Fundstücke, erhält der Finder keinen Lohn. Gesetzliche Regelungen zu einem zustehenden Finderlohn gibt es nämlich nicht. Großzügig zeigten sich jedoch erfahrungsgemäß Besitzer von Geldbeuteln, weiß Feuerer. „Die sind heilfroh, wenn sie ihre ganzen Papiere zurückbekommen, und geben eigentlich immer was.“ Dann macht sich Ehrlichkeit für den Finder doch bezahlt.


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