Gefräßiges Maul mit Kippvorrichtung

Ötigheim (sl) – Eine Venusfliegenfalle ist der Star im Musical „Der Kleine Horrorladen“ auf der Freilichtbühne. Die Volksschauspiele Ötigheim fahren dafür ausgeklügelte Requisiten auf.

Regisseur Stefan Haufe demonstriert die fleischfressende Pflanze „Audrey II“, hier in drei verschiedenen Größen. Foto: Frank Vetter

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Regisseur Stefan Haufe demonstriert die fleischfressende Pflanze „Audrey II“, hier in drei verschiedenen Größen. Foto: Frank Vetter

Die Ötigheimer Version von „Audrey II“ ist schon vor der Premiere von „Der kleine Horrorladen“ auf der Freilichtbühne eine Instagram- und Youtube-Berühmtheit. Das Rote Kreuz und die Volksschauspiele werben über die Onlinekanäle mit einem witzigen Video der blutrünstigen Pflanze aus dem Musical und Darsteller Alexander Grünbacher für ihre nächste Blutspendeaktion im Telldorf am 11. Juni in der Mehrzweckhalle und beweisen damit, Humor – wenn der auch etwas schwarz ist.

Denn im Musical, das ab 18. Juni über die Freilichtbühne der Volksschauspiele gehen soll, wird die Pflanze ja mit dem ganz besonderen Saft am Leben erhalten. Zunächst genügen ein paar Tropfen aus der Fingerkuppe von Hauptfigur und Blumenhändler Seymour, bald muss es mehr sein, und irgendwann verschwindet ein ganzer Zahnarzt spurlos…

Dem skurrilen Gewächs scheint diese Diät gut zu bekommen, denn es gedeiht zu beträchtlicher Größe. Deshalb haben die Werkstätten der Volksschauspiele hinter den Kulissen „Audrey II“ auch in vier Größen hergestellt – und dabei viel Kreativität bewiesen.

In Strömen gießen sollte es nicht

Es kursieren im Internet einige Bauanleitungen für „Audrey II“, berichtet Regisseur Stefan Haufe. Die Theatermacher profitieren hierbei davon, dass „Der kleine Horrorladen“ in den USA eines der beliebtesten Sujets für Schulaufführungen ist. Doch beim Bau dieser außergewöhnlichen Requisiten habe sich dann doch herausgestellt, dass die Kollegen von der anderen Seite des Atlantiks machen Kniff nicht verraten haben. Ein biegsames Kunststoffgerüst bildet Audreys „Skelett“, eine gefärbte Gummihaut überspannt den Korpus. Das macht unempfindlich gegen ein paar Regentropfen. „In Strömen gießen sollte es aber nicht“, hofft Haufe.

Wichtig war vor allem, dass die Pflanze in all ihren verschiedenen Entwicklungsstadien gut zu bewegen ist. Sei es als festmontierte kleine Handpuppe auf dem Tresen von Seymours Blumenladen, sei es als schon deutlich größerer zum auf den Arm nehmen oder als Ganzkörperanzug, der sitzend auf einer Art drehbarem Barhocker bespielt wird. Das Ultimo ist dann eine von hinten zu bedienend regelrechte Bühnenmaschinerie mit Kippvorrichtung im Schlund, was das Verschlingen ganzer Darsteller in einem Happs erlaubt.

Eine Pflanze, die sogar singen kann

Dem gefährlich bezahnten Maul des Ungeheuers mussten die Macher da schon ganz besondere Aufmerksamkeit widmen, denn das Monster frisst nicht nur, es spricht und singt sogar. Schließlich handelt es sich um ein Musical. Die Stimme von „Audrey II“ (Nicole Kern beziehungsweise Maximilian Tüg) kommt dabei aus dem Off. Bewegt wird sie von den Puppenspielern Andreas Herzog und Daniel Neu. Die kommen schon bei den Proben vor allem in der Ganzkörperversion ganz schön ins Schwitzen. „Vielleicht kann man noch einen kleinen innen liegenden Ventilator einbauen“, überlegt Haufe. Bleibt zu hoffen, dass es an den Aufführungsabenden nicht allzu heiß wird. Denn auch die Beine der Akteure stecken in langen, wurzelartigen Wurmfortsätzen. Und Audreys Oberkiefer drückt ganz schön im Nacken. Zuvor, als „Audrey II“ noch ganz klein ist, müssen die Puppenspieler lange Zeit mit angezogenen Knien im Ladentresen verharren, von wo aus die Handpuppe, die als Topfpflanze auf dem Ladentisch steht, bedient wird.

Wegen Corona sind in diesem Jahr alle Rollen bei den Aufführungen der Volksschauspiele doppelt besetzt, auch die Proben laufen zweigleisig. Falls jemand in Quarantäne muss oder gar erkrankt, soll nicht der ganze Spielplan auf der Kippe stehen. Eintrittskarten gibt es im Internet oder unter (0 72 22) 96 87 90.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
3. Juni 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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