Gegen Müll am Kaltenbronn ist der Staat machtlos

Gernsbach (kos) – Der Staatswald am Kaltenbronn wird zunehmend vermüllt. Auffällig sind vor allem die vielen Beutel mit Hundekot. Dem Waldbesitzer bleibt aber nur noch der Appell zu mehr Rücksicht.

Achtlos entsorgt: Seit Beginn der Pandemie wird das Müllproblem im Staatswald am Kaltenbronn immer sichtbarer. Effektiv dagegen vorgehen kann der Waldbesitzer aber wenig. Foto: Thomas Reiter

© pr

Achtlos entsorgt: Seit Beginn der Pandemie wird das Müllproblem im Staatswald am Kaltenbronn immer sichtbarer. Effektiv dagegen vorgehen kann der Waldbesitzer aber wenig. Foto: Thomas Reiter

Mit dem gedanklichen Abschalten vom Alltag wirbt das Infozentrum am Kaltenbronn für die malerische Naturlandschaft im Schwarzwald. Der sich zunehmend türmende Müll macht dem aber schnell ein Strich durch die Rechnung, wie ein BT-Leser bezeugt. Wirklich gegenzusteuern, ist aber leichter gesagt als getan.

„So schlimm, wie es in diesem Jahr ist, war es noch nie“, beklagt sich Thomas Reiter. Er ist sauer. Vor allem auf jene Hundebesitzer, die die Beutel mit dem Kot ihres hochgeschätzten Vierbeiners einfach am Wegesrand wegschmeißen. Seit fast 30 Jahren kommt er nach eigener Aussage regelmäßig zum Wandern und Erholen in die Natur auf dem Kaltenbronn. Was er dort aber immer wieder entdeckt, sind vermüllte Waldhütten, Berge mit leeren Bierflaschen, Toilettengänge von Wanderern hinter den Hütten und schier unzählige Beutel mit den Hinterlassenschaften von Hunden.

Kein buntes Frühlingsblühen: Ein alter Baumstamm wird als Mülleimer missbraucht. Foto: Thomas Reiter

© pr

Kein buntes Frühlingsblühen: Ein alter Baumstamm wird als Mülleimer missbraucht. Foto: Thomas Reiter

„Es kann doch nicht wahr sein“, ärgert sich Reiter. Dass das Problem nicht neu ist, weiß er. Aber: „Durch Corona drängt es immer mehr Menschen in die Natur.“ Die Folge ist, dass immer mehr Menschen wandern gehen, die sich kaum für Naturschutz interessieren, wie er sagt. Außerdem: „Wenn es jemand sieht, schaut er bewusst weg.“ In die Pflicht nimmt er vor allem den Waldbesitzer, Forst Baden-Württemberg (BW). Kristina Schreier, die Leiterin des Infozentrums, bestätigt die zunehmenden Verschmutzungen, die „in den letzten beiden Corona-Jahren nochmals extremer wurden“, wie sie beobachtet. Ihre Mitarbeiter würden zwar regelmäßig einen Teil des Mülls einsammeln, zuständig sei aber letztlich Forst BW.

Corona dramatisiert Müllproblem

Dem Vorwurf, dass sich der Waldbesitzer bei der Verfolgung einen schlanken Fuß macht, widerspricht Arne Glückstein, Leiter der Waldnaturschutz-Abteilung bei Forst BW. Denn: „Wenn ich die Lösung wüsste, würden wir das schon umsetzen“, erklärt er mit Nachdruck. Den Ärger über dreckige Wege und Hütten am Kaltenbronn teilt er und spricht dabei von Egoismus, Verantwortungslosigkeit und Oberflächlichkeit der Umweltsünder. Um dieser Vermüllung effektiv etwas entgegenzusetzen, „bräuchte ich ein bis zwei Ranger im Dauereinsatz, die das Gebiet beaufsichtigen und auch Verstöße ahnden können“, betont er auf Nachfrage dieser Zeitung. Aber: Das Personal gibt es schlichtweg nicht.

Forst BW moniert Personalmangel

Dem Infozentrum geht es genauso. Da es sich beim Staatswald am Kaltenbronn um eine große Fläche handelt, könne das zahlenmäßig überschaubare Personal kaum für Müllkontrollen eingesetzt werden, sagt Glückstein. Daher müsse man im Forst unter anderem auf die Helfer des Infozentrums zurückgreifen, die während ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) regelmäßig die Wege reinigen. Diese sind mitunter wöchentlich unterwegs, informiert Schreier. Sie sagt aber auch: „Bestimmt könnte man durch mehr Kontrollen die Vermüllung eindämmen. Aber das Personal gibt es nicht.“

Auf die Frage, ob mehr Mülleimer helfen könnten, zeigt sich Glückstein skeptisch: Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich auch bei mehr Eimern die Müllberge darum ausbreiten würden. Letztlich bleibe den Verantwortlichen von Forst BW und Infozentrum nur noch der eindringliche Appell an Wanderer übrig, um den Verschmutzungen gegenzusteuern, erklären Schreier und Glückstein unisono. Letzterer erklärt zudem, es gehe nicht allein um Zuständigkeiten beim Müllentsorgen, sondern um mehr Rücksicht aller auf Naturschutz und das Gemeinwohl.

Kommentar: Ohne Strafen geht es offenbar nicht

BT-Volontär Konstantin Stoll kommentiert: Es könnte eigentlich so schön sein in der Natur. Gerade im Naturschutzgebiet am Kaltenbronn – bis man zum Slalom durch Müllberge und Hundehaufen ansetzen muss. Und damit ist man wieder bei der nur eigentlich so schönen Natur. Gerade während Corona hat es Viele nach draußen gezogen. Dies hat das schon vorher bekannte Müllproblem dramatisiert. Die Ohnmacht des Waldbesitzers, gegen Umweltsünder und rücksichtslose Hundebesitzer vorzugehen, kann mit Blick in die Zukunft kein Dauerzustand bleiben. Dass es angesichts der Klimakrise überhaupt notwendig ist, Menschen darauf hinweisen zu müssen, ihren Müll nicht im Wald liegen zu lassen, gleicht einem Armutszeugnis für zu viele in der Gesellschaft. So wird abermals deutlich, dass Klima- und Umweltschutz nur mit einem Beitrag aller Bürger gelingen kann. In so fragilen Ökosystemen wie dem Hochmoor oder dem Staatswald sind alle angehalten, daraus keine stinkenden Müllhalden entstehen zu lassen. Besonders zu nennen sind Hundebesitzer. Natürlich darf man nicht alle pauschal als rücksichtslos und umweltverschandelnd dämonisieren. Die Vielzahl der Hundebeutel muss aber zu denken geben. Wenn nötig, muss man dann auch mit Sanktionen Hundehalter sprichwörtlich an die Leine nehmen. Den größten Mist hinterlassen schließlich nicht die Vierbeiner, sondern deren Besitzer, von denen sich viele scheinbar zu schade sind, ihren Müll bis zum nächsten Eimer zu tragen. Ohne Strafen, die weh tun, geht es offenbar nicht.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

Zum Artikel

Erstellt:
5. Mai 2022, 05:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.