Gegenwind für Rheinauenprojekt

Rastatt (ema) – Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Freiburg äußert sich sehr kritisch zu den Plänen für ein Projekt zur Belebung der Rheinauen bei Rastatt.

Renaturierter Abschnitt des Rheinufers unterhalb der Fähre Plittersdorf.Foto: F. Vetter

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Renaturierter Abschnitt des Rheinufers unterhalb der Fähre Plittersdorf.Foto: F. Vetter

Ihr Projekt zur Belebung der Rheinauen können die Stadt Rastatt und das Aueninstitut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) möglicherweise begraben, bevor es überhaupt richtig Lebenskraft entwickelt. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) sieht das Vorhaben äußerst kritisch und sieht keine Perspektive für eine Genehmigung.
Als KIT-Projektleiter Christian Damm Mitte Februar einen Zwischenbericht für eine Machbarkeitsstudie im Gemeinderat präsentierte, war am Ratstisch das Wohlwollen mit Händen zu greifen. Das KIT-Aueninstitut hatte Anfang 2019 den Auftrag erhalten, in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Wasserbau und einem Ingenieurbüro die Machbarkeitsstudie zu erstellen. Untersucht werden Optionen zur Verbesserung bestehender Anschlüsse des Rheins zur angrenzenden Aue.

Ziel ist es, die Durchströmung der Rheinaue zu optimieren und dabei auch neue Seitengewässer zu schaffen. Damit soll die fortschreitende Auflandung der Aue eingedämmt und im Idealfall sogar abgebaut werden. Diesen Prozess fassen die Verantwortlichen unter dem Schlagwort „Redynamisierung der Rastatter Rheinaue“ zusammen.

„Unabwägbare Folgekosten“

Dass mit erheblichem Widerstand des WSA zu rechnen ist, ließ der KIT-Vertreter in der Gemeinderatssitzung nicht unerwähnt. Zur Sprache kam auch, um was gerungen wird und was das Projekt zum Scheitern bringen könnte: Es ist ein Streit ums Wasser.

Jörg Vogel, Leiter des WSA Oberrhein, macht aus seiner Ablehnung des Projekts keinen Hehl. Er sieht seinen Auftrag sogar darin, „den Ist-Zustand zu verteidigen“. Der Amtschef will gar nicht verkennen, dass die Auflandung der Rheinauen ein Problem ist. Allerdings zieht er in Zweifel, dass das angedachte Projekt zum Ziel führt. Die Entschlammung der Auen gelinge letztlich nur, wenn man so viel Wasser „durchjagt“, dass ein weiterer Hauptstrom entsteht. Das würde aber Auswirkungen auf die Dammsicherung haben. Dass der Rhein Schwebstoffe mit sich führt, liege in der Natur der Sache, meint Vogel: „Das ist ein Preis des fixierten Flussbettes.“

Seine Hauptsorge gilt aber den „unabwägbaren Folgekosten“ des Projekts, die zu volkswirtschaftlichen Schäden führen könnten. Käme es beispielsweise durch das Abzapfen des Wassers zu einer Absenkung des Wasserspiegels um 30 Zentimeter, würde das bei den Frachtschiffen zu einem Kapazitätsverlust von 300 Tonnen pro Schiff und Fahrt führen, rechnet Vogel vor. Beeinträchtigungen fürchtet er auch bei der Geschiebezugabe. Seit 1978 wird unterhalb der Staustufe Iffezheim ein Sand-Kies-Gemisch in den Rhein geschüttet, um einer Erosion des Flussbetts und damit einer Absenkung des Wasserspiegels entgegenzuwirken.

Das von KIT-Projektleiter Stamm genannte Argument, dass die Aue nur bei einem Hochwasser geflutet werde, weist Vogel zurück. Er erwartet, dass das Wasser schon bei einem nur erhöhten Wasserstand verloren gehe. Alles in allem rechnet der Amtsleiter deshalb mit einer „drastischen Verschlechterung“ des Zustands. „So finden wir keinen Kompromiss“, erklärt der Behördenleiter, der sich gleichwohl für weitere Gespräche offen zeigen will.

Anfreunden kann sich Vogel dagegen mit Projekten zur Renaturierung des Rheinufers. Mit einem Pilotprojekt an einem 250 Meter langen Uferabschnitt bei Plittersdorf habe man vor einigen Jahren gute Erfahrungen gesammelt. Vorteil solcher Maßnahmen: So lange die Buhnen, also die Steinschüttungen im Flussbett, funktionieren, sei das Ufer nicht so entscheidend für die Schifffahrt, erklärt Vogel. Allerdings stünden oft eigentumsrechtliche Fragen solchen Projekten entgegen. Gleichwohl könne sich das WSA mit solchen Ufer-Renaturierungen gut arrangieren, betont der Amtsleiter und verweist auf das Förderprogramm „Blaues Band“ des Bundesamts für Naturschutz, das solche Projekte in den Auen unterstütze.


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