Geher-Duo knackt Olympia-Norm

Baden-Baden/Bühlertal (ket) – Der Plan von Carl Dohmann und Nathaniel Seiler ist aufgegangen. Bei der DM in Frankfurt knackten die beiden mittelbadischen Spitzengeher die Norm für Olympia in Tokio.

Seite an Seite: Carl Dohmann (links) und Nathaniel Seiler knacken in Frankfurt die Olympia-Norm von 3:50 Stunden. Foto: Bernd Hefter/SCL Heel

Seite an Seite: Carl Dohmann (links) und Nathaniel Seiler knacken in Frankfurt die Olympia-Norm von 3:50 Stunden. Foto: Bernd Hefter/SCL Heel

Die beiden jungen Männer hatten einen Plan – und sie zogen ihn ebenso akribisch wie gnadenlos durch. Kilometer für Kilometer, Stunde für Stunde, Seite an Seite. 50 Kilometer hatten Carl Dohmann und Nathaniel Seiler alles in allem zu gehen, nach 3:50 Stunden mussten sie ihr Tagwerk vollbracht haben. Dass der Plan, mit dem sich das erreichen wollten und den ihr Trainer Robert Ihly für sie aufgestellt hatte, ein verdammt guter war, zeigte sich an der Punktlandung: Nach 3:48,44 Stunden hatte Nathaniel Seiler vom TV Bühlertal das Ziel auf dem Frankfurter Messegelände erreicht, genau zehn Sekunden mehr (3:48,54 h) benötigte sein Trainingspartner Carl Dohmann vom SCL Heel Baden-Baden.

Damit mussten die beiden mittelbadischen Spitzengeher am Samstag zwar Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) den Vortritt und auch den deutschen Meistertitel über 50 Kilometer überlassen, verschmerzen konnten sie das beide allemal. Zum einen hatte Hilbert sich mit seiner sensationellen Zeit von 3:43,44 Stunden direkt in die allervorderste Geher-Weltspitze katapultiert. Zum anderen hatten ja auch Seiler und Dohmann ihr Ziel erreicht und die Olympia-Norm von 3:50 Stunden geknackt. Soll heißen: Dohmann hat mit der nun erfüllten Norm und seinem siebten Platz bei der letzten Weltmeisterschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio, so sie stattfinden, sicher, Seiler darf zumindest weiterhin auf eine Teilnahme hoffen.

Seiler muss noch bangen

Drei DLV-Geher dürfen in Tokio schließlich über 50 Kilometer an den Start gehen, just auf Platz drei steht Seiler mit seiner am Samstag aufgestellten persönlichen Bestleistung im DLV-Ranking. Vierter Kandidat ist der Erfurter Carl Junghannß, der am Samstag in Frankfurt wegen einer noch nicht auskurierten Oberschenkelverletzung passen musste, die Norm aber bereits im Vorjahr unterboten hatte, allerdings mit einer Zeit von 3:49,45 Stunden – und damit ziemlich genau eine Minute langsamer als Seiler.

Der 25-Jährige wird also noch warten und wohl auch bangen müssen. Am 16. Mai könnte es im Rahmen des Europa-Cups in Tschechien zwischen ihm und Junghannß zum finalen Showdown kommen. Unterböte der Erfurter dort Seilers 3:48,44 Stunden, müsste der TVB-Geher auf jeden Fall vor ihm im Ziel sein.

Carl Dohmann muss sich mit solchen Rechenspielen nicht mehr abgeben. In Verbindung mit seinem siebten WM-Platz 2019 in Doha hat er das Tokio-Ticket sicher, entsprechend groß war die Erleichterung. „Da fällt schon eine unheimliche Last von einem ab“, sagte er gestern gegenüber dem BT. Vor allem mental sei das Rennen auf dem Frankfurter Messeplatz ein hartes gewesen, das ihm alles abverlangt habe. Der Druck, die Norm abliefern zu müssen, habe „wie ein Damoklesschwert“ über dem gesamten Rennen gelegen. „Ich musste bis zum Schluss kontrolliert und konzentriert bleiben“, gab der 30-Jährige Einblicke in sein Seelenleben während des Wettbewerbs. „Es ist mir nicht gelungen, die Ketten zu sprengen und frei aufzugehen.“ Die wegen der Corona-Krise auch ihm fehlende Wettkampfpraxis hat die Sache nicht einfacher gemacht.

Dohmann: „Pflicht ist erfüllt“

Nimmt man all dies zusammen, ist einmal mehr eine reife Leistung rausgekommen. Die 3:48,54 Stunden sind schließlich die drittbeste Zeit in Dohmanns nun doch schon recht langer Karriere, gar erstmals seit vier Jahren blieb er wieder unter 3:50 Stunden. Was das schon für die nahe Zukunft Wert sein kann, beschrieb Trainer Ihly. „Carl weiß jetzt, dass er bei den Spielen sicher dabei ist. Jetzt kann er sich mental frei, ohne Druck vorbereiten“, sagte er. Auch Dohmann selbst sieht das so: „Die Pflicht ist erfüllt und ich kann die nächsten Monate lockerer angehen.“

Eine Woche Pause will er sich nun gönnen, danach langsam aber sicher wieder hochfahren, zur direkten Vorbereitung auf Tokio sei dann noch ein Höhentrainingslager angedacht. Davor wird freilich auch Carl Dohmann beim Europa-Cup am 16. Mai in Tschechien an den Start gehen. Um Wettkampfpraxis zu sammeln – und seinem Trainingspartner Nathaniel Seiler so gut es geht zu dessen Tokio-Ticket zu verhelfen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
11. April 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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