Gehrke: „Krisenbewältigung nur mit Verstand“

Baden-Baden (for) – Der Mediziner Sven Gehrke kandidiert im Wahlkreis Rastatt für die FDP. Im Bundestag würde er gerne sein umfangreiches Medizin- und Umweltwissen einbringen.

Sowohl den Klimaschutz als auch die Wirtschaft im Blick: Von seiner Terrasse aus sieht Sven Gehrke die Baden-Badener Innenstadt und den Schwarzwald. Foto: Janina Fortenbacher

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Sowohl den Klimaschutz als auch die Wirtschaft im Blick: Von seiner Terrasse aus sieht Sven Gehrke die Baden-Badener Innenstadt und den Schwarzwald. Foto: Janina Fortenbacher

Wer als Leistungssportler etwas erreichen möchte, braucht Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und Disziplin, weiß Sven Gehrke. „Und ein klares Ziel vor Augen“, fügt er hinzu. In der Politik sei das ähnlich. Im Alter von 17 Jahren hat sich der begeisterte Ruderer für den Junioren-Deutschlandachter qualifiziert. Mittlerweile hat der FDP-Kandidat im Wahlkreis Rastatt die Ruder zwar abgelegt, ein klares Ziel hat er dennoch: den Bundestag.

„Hier will ich etwas bewegen“

Dabei hofft Gehrke natürlich auf Erststimmen, der Fokus liege aber auf Zweitstimmen für die FDP. Ähnlich wie im Sport brauche es auch in der Politik viel Teamarbeit. Weshalb Gehrke bei der Bundestagswahl antritt? „Weil ich als Naturwissenschaftler zu den Themen Medizin und Umwelt viel geforscht habe und insbesondere in diesen Bereichen sehr viel Wissen einbringen kann“, sagt er über sich selbst. „Hier will ich etwas bewegen“, so Gehrke, der seit 2008 als Facharzt für Innere Medizin in der Baden-Badener Beethovenstraße ansässig ist.

Windräder nur mit Verstand einsetzen

Von der Terrasse seiner Praxis aus – dem Ort, an dem er sich die meiste Zeit des Tages aufhält – lässt er seinen Blick über die Dächer Baden-Badens und zu den Bergen des Schwarzwalds schweifen. „Wenn ich mal eine Verschnaufpause brauche, stelle ich mich gerne hier raus“, sagt Gehrke. Auch abseits seiner Arbeit hält sich der dreifache Familienvater oft in der Natur auf, fährt Boot oder geht campen. Dass der Schwarzwald eines Tages mit Windrädern „versiegelt“ werden könnte, bereitet ihm Bauchschmerzen. „Als gebürtiger Norddeutscher kann ich sagen, dass Windräder super sind“, so der 52-Jährige, der 1969 in Lübeck geboren wurde und in Ratzeburg aufgewachsen ist. „Aber man muss sie mit Verstand einsetzen.“ So stehe jedes Windrad auf einer Betonplatte, die den Boden darunter versiegele. „Da wir hier ohnehin schon Hochwasserprobleme und gleichzeitig zu wenig Wind haben, kann das hier kaum sinnvoll sein.“ Stattdessen müsse Energie dort eingefangen werden, wo der Ertrag am höchsten ist – und zum Verbraucher transportiert werden.

„Innovation statt Verbote“

Die Energiewende zählt Gerke neben der Medizin zu seinem Spezialgebiet – und gleichzeitig zur wichtigsten Aufgabe der neuen Bundesregierung: „Dem Klimawandel entgegenzuwirken ist eine Herausforderung, vor der wir uns nicht ducken dürfen.“ Lösungsvorschläge für die Energiewende hat er eine Menge, am wichtigsten sei aber: „Innovation statt Verbote.“

„Aus diesem Grund schreibe ich auch den Verbrennungsmotor nicht komplett ab“, betont Gehrke. Zumindest, solange es noch nicht die nötigen Voraussetzungen für eine reine Elektromobilität gebe. In diesem Zusammenhang hebt Gehrke die Bedeutung der Automobilindustrie in Mittelbaden hervor. „Sie ist unser Wirtschaftsfaktor Nummer eins und muss unter den Rahmenbedingungen des Klimaschutzes erhalten bleiben.“ Auch für den Erhalt des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) setzt sich Gehrke ein. Zu Lokalflughäfen hätten die Menschen kürzere Anfahrtswege und müssten keine weiten Strecken fahren.

„Das Virus findet immer ein Schlupfloch“

Neben der Klimakrise beschäftigt sich der Mediziner seit Beginn der Pandemie intensiv mit dem Coronavirus und dessen Auswirkungen auf die Bevölkerung. „Eins steht fest: Wenn wir so weitermachen wie jetzt, bekommen wir das nicht in den Griff“, warnt er. Auch hier verfolgt Gehrke die Devise: Krisenbewältigung gelingt nur mit Verstand. So sei die aktuelle Impfkampagne zwar wichtig, „sie wird aber nicht ausreichen, denn das Virus findet immer ein Schlupfloch.“ Deshalb will sich der FDP-Kandidat für eine sichere und frühzeitige Diagnose kombiniert mit einer professionellen Betreuung erkrankter Menschen starkmachen, etwa durch 24-Stunden-Anlaufstellen für Betroffene. Eine 2-G-Regelung lehnt Gehrke ab. Stattdessen setze er auf Aufklärung. „Es ist wichtig, auch die Argumente von Impfskeptikern anzuhören und zu respektieren“, betont Gehrke. Ohne Respekt komme man nie weit. Auch das habe er als Leistungssportler früh gelernt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Janina Fortenbacher

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Erstellt:
22. September 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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