Geimpft, genesen oder „geboostert“?

Baden-Baden (kie) – Wer gegen das Coronavirus geimpft ist oder eine Infektion überstanden hat, könnte bald von bundesweiten Lockerungen profitieren. Doch was gilt es beim Nachweis zu beachten?

Auch wer den Impfausweis im Papierformat verlegt hat, kann die Corona-Impfung durch Ersatzbescheinigungen nachweisen. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa/Archivbild

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Auch wer den Impfausweis im Papierformat verlegt hat, kann die Corona-Impfung durch Ersatzbescheinigungen nachweisen. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa/Archivbild

In vielen Bereichen sollen vollständig Geimpfte und Genesene negativ Getesteten gleichgestellt werden, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sollen zudem für diese Personengruppe wegfallen. Was den Nachweis über eine Impfung oder eine überstandene Infektion betrifft, ergeben sich jedoch einige Unklarheiten. Fragen und Antworten im Überblick:

Im Impfausweis wird die erfolgte Corona-Impfung dokumentiert. Doch was passiert, wenn ich keinen Impfausweis besitze oder ihn nicht finden kann?
Auch wer den Impfausweis im Papierformat verlegt hat, kann die Corona-Impfung nachweisen. Dabei gibt es derzeit zwei Möglichkeiten – bald soll noch eine weitere folgen. Entweder kann die Impfung mithilfe eines Ersatzformulars nachgewiesen werden, das vom Impfzentrum oder dem impfenden Arzt ausgestellt wird, oder es wird im Vorfeld der Impfung in der Hausarztpraxis ein neuer Ausweis ausgefertigt. Wie auch bisher gilt die grundlegende Regel, dass Ärzte bei Fehlen des gelben Impfausweises zu Dokumentationszwecken eine Impfbescheinigung ausstellen. Zudem haben sich die EU-Staaten auf einen digitalen Corona-Impfausweis geeinigt; in Deutschland ist ein digitaler Impfnachweis in Planung. Auch wer den Ausweis erst nach der Corona-Impfung verliert, erhalt einen Impfnachweis: Wie ein Sprecher des baden-württembergischen Sozialministeriums auf BT-Anfrage erklärt, darf ein Arzt, der nicht der Impfarzt sein muss, Nachtragungen im Impfausweis vornehmen, wenn ihm die Originaldokumente vorliegen. Auch die Stelle, die die Impfung vorgenommen hat, darf im Nachhinein noch einmal die Impfung bescheinigen.

Was hat es mit dem digitalen Corona-Impfpass auf sich und wann soll er kommen?
Der digitale Impfnachweis soll zukünftig in der Arztpraxis oder in einem Impfzentrum generiert und dann über eine App auf dem Smartphone angezeigt werden. Laut Bundesgesundheitsministerium handelt es sich dabei um ein „freiwilliges und ergänzendes Angebot“ zum gelben Impfpass. Wer kein Smartphone hat, soll einen Ausdruck der digital lesbaren Impfbescheinigung als QR-Code auf Papier bekommen. Die digitale Bescheinigung darf nur von autorisierten Personen in Impfzentren, Arztpraxen und Krankenhäusern ausgestellt werden, um Betrug zu vermeiden – gleichwohl wurde bereits scharfe Kritik an der Fälschungssicherheit des Dokuments laut. Das Ministerium geht davon aus, dass der digitale Impfnachweis zum Ende des zweiten Quartals, also im Juni, kommt. Der bayerische Landkreis Ebersberg hat den digitalen Ausweis hingegen bereits in dieser Woche eingeführt.

Auch Personen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, können mit Erleichterungen rechnen. Wie weisen Sie nach, dass sie bereits erkrankt waren?
Genesene weisen ihren Status mit einem positiven PCR-Testergebnis nach, das nicht älter sein darf als sechs Monate und nicht länger zur Absonderung verpflichtet. Wer vor mehr als sechs Monaten an Corona erkrankt war, muss sich zudem einmal impfen lassen, um die Immunisierung wieder aufzufrischen – die sogenannte „Boosterung“. Ein vollständiger Impfschutz besteht wie bei nicht zuvor Infizierten dann auch ab dem 15. Tag nach der letzten Impfung.

Was gilt für den Nachweis einer Impfung infolge einer Erkrankung?
Wer bereits krank war und nach einem halben Jahr eine einmalige Impfung erhält, muss bisher sowohl einen Impfnachweis als auch eine PCR-Testbescheinigung mit sich führen, um die gleichen Erleichterungen wie negativ Getestete und vollständig Geimpfte zu erhalten. Vereinfachungen sind in diesem Bereich derzeit nicht geplant; laut baden-württembergischen Sozialministerium müsse zunächst auf Bundesebene über einheitliche Vorgaben für die Nachweise entschieden werden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich die Ständige Impfkommission (Stiko) zu weiteren Auffrischimpfungen, auch bei Genesenen, positionieren wird.


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