Geißler: „Die Erkrankung ist eben nicht pillepalle“

Karlsruhe (win) – Am Städtischen Klinikum bleibt die Lage angespannt. Geschäftsführer Michael Geißler schätzt, dass sich die Lage trotz des Lockdowns nicht vor Mitte Januar entspannt.

Im Frühjahr konnte das Städtische Klinikum noch Patienten aus dem benachbarten Elsass aufnehmen. Das Foto entstand Ende März, als eine Erkrankte aus Straßburg in Karlsruhe eintraf. Foto: Klinikum Karlsruhe

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Im Frühjahr konnte das Städtische Klinikum noch Patienten aus dem benachbarten Elsass aufnehmen. Das Foto entstand Ende März, als eine Erkrankte aus Straßburg in Karlsruhe eintraf. Foto: Klinikum Karlsruhe

Die Lage am Städtischen Klinikum bleibt angespannt, hat sich in den vergangenen Tagen aber immerhin nicht verschlechtert.
Für den Medizinischen Geschäftsführer Michael Geißler ist das fast schon eine Erfolgsmeldung. Geißler fürchtet aber, dass sich die Zahl der Covid-19-Patienten in den kommenden Tagen weiter erhöhen wird. „Obwohl wir das Virus inzwischen besser verstehen und obwohl viele Abläufe automatisiert wurden, sieht es deutlich dramatischer aus als im Frühjahr.“

Dass die Politik inzwischen einen weitgehenden Lockdown beschlossen habe, entspreche „einigermaßen“ dem, was er vergangene Woche selbst gefordert habe. Vor allem die Schulschließungen seien eine wichtige Komponente.

Trotz des Lockdowns rechnet Geißler jedoch nicht vor Mitte Januar mit positiven Effekten in den Krankenhäusern. Auch die anstehenden Impfungen würden allenfalls langfristig zu einer Entspannung beitragen und das auch nur, wenn sich genügend Menschen impfen lassen.

Nur bei Ebola ist die Sterblichkeit höher

Geißler warnte nachdrücklich davor, das Virus zu unterschätzen. In seinem ganzen Leben habe er noch nie eine Krankheit erlebt, bei der binnen kurzer Zeit bis zu zehn Prozent der Patienten, die in Kliniken aufgenommen werden müssen, sterben. Solche Todeszahlen gebe es weder bei Herzinfarkt noch bei Krebs. Nur bei Ebola – das in Deutschland nicht vorkomme – sei die Sterblichkeit noch höher. „Die Erkrankung ist eben nicht pillepalle, wie uns manche weismachen wollen.“

Aktuell sei das Städtische Klinikum noch handlungsfähig und Geißler hofft, dass sich daran nichts ändern wird. „Wir versuchen weiterhin, vor der Welle zu reiten.“ Die Bildung von Klinik-Clustern, einem Netzwerk regionaler Kliniken, die sich gegenseitig helfen sollen, sei ein wichtiger Punkt und scheine zu funktionieren. Laut Franz Kehl, dem Clusterbeauftragten für die Region Karlsruhe, tragen täglich um 9 Uhr alle beteiligten Kliniken auf einem virtuellen „Brett“ ihre freien Kapazitäten ein, sodass jedes Krankenhaus einen guten Überblick habe, wo es aktuell freie Betten gebe und wohin notfalls Patienten gebracht werden können.

Diese Transparenz helfe bei der Patientenversorgung enorm und habe die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken spürbar verbessert. Das stimme zuversichtlich, dass die Feiertage gut überstanden werden. Bisher habe das Karlsruher Klinikum fünf intensivpflichtige Covid-19-Patienten von andern Krankenhäusern übernommen, drei mussten aus dem eigenen Klinikum in andere Häuser verlegt werden. Auch wurden schon Patienten aus der stark betroffenen Region Pforzheim nach Baden-Baden verlegt. In Krankenhäuser außerhalb der Clusterregion Mittlerer Oberrhein/Nordschwarzwald habe man noch keine Patienten verlegen müssen. Wichtig sei, dass auch die Versorgung der Non-Covid-Patienten innerhalb der Clusterregion gut funktioniere.

Corona-Prämie für Mitarbeiter

Die Transparenz zeige aber auch, dass in der Region die Kapazitäten insbesondere für Covid-19 Patienten nahezu erschöpft seien. Sollte es noch schlimmer kommen, dann werde das Städtische Klinikum wohl eine zweite Covid-Station mit weiteren acht Intensivbetten eröffnen. Das habe dann aber zur Folge, dass in anderen Bereichen Abstriche bei der Patientenversorgung gemacht werden müssen.

Erfreuliche Nachrichten gab es für die rund 2.200 Mitarbeiter des Klinikums, die sich kurz vor Jahreswechsel über die Auszahlung einer Corona-Prämie freuen dürfen. Aus Bundesmitteln erhielt das Städtische Klinikum Karlsruhe über 500.000 Euro, weitere 250.000 Euro kommen aus der Pflege-Prämie des Landes hinzu. Während die Bundesmittel unter allen Mitarbeiter aufgeteilt werden, maximal 317 Euro pro Vollzeitkraft, werden die Landesmittel ausschließlich unter jenen 477 Mitarbeitern verteilt, die direkt mit Covid-19 Patienten Kontakt hatten. Rechnet man die tarifliche Sonderzahlung hinzu, so können sich viele Mitarbeiter am Städtischen Klinikum somit über knapp 1.500 Euro zusätzlich freuen, die nicht versteuert werden müssen.


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