Geldautomatensprenger schwer zu fassen: Banken verzichten auf Geräte

Karlsruhe (BNN) – Früher waren es Banküberfälle, heute sind es Geldautomatensprengungen. Die Banken leiden unter den rabiaten Tätern, mitunter bleiben Standorte nach dem Knall geschlossen.

Bild der Verwüstung: Mit einer enormen Explosion wurde im Oktober ein Automat in Ettlingen gesprengt. Foto: Julia Trauden/BNN

Bild der Verwüstung: Mit einer enormen Explosion wurde im Oktober ein Automat in Ettlingen gesprengt. Foto: Julia Trauden/BNN

Gefühlt knallt es immer öfter, weil Bankautomaten durch gezielte Sprengungen geknackt werden. Allein in Baden-Württemberg gab es 136 Fälle in den vergangenen fünf Jahren – teils haben diese Konsequenzen für die Bankkunden. Geldinstitute schränken mitunter den Service ein und machen Standorte dicht.

Sprengungen mit eingeleitetem Gas waren in der Vergangenheit das Mittel der Wahl, die Fälle gleichen sich dabei. Das zündfähige Gemisch wird nachts eingeleitet, die Sprengung reißt den Automaten und meist auch die Wand in Stücke. Die Täter greifen zu und flüchten mit Vollgas in einem PS-starken Fahrzeug.

Inzwischen wird aber auch aufgelegter Festsprengstoff verwendet, die Zerstörungen sind dann meist noch verheerender. Die Aufklärungsquote lag laut Landeskriminalamt in den vergangenen fünf Jahren bei rund einem Drittel. Zum Vergleich: Bei den aussterbenden klassischen Banküberfällen schnappte man zu etwa 80 Prozent die Täter.

Täter flüchten ohne Rücksicht auf Verluste

Am Fluchtfahrzeug werden in der Regel Kennzeichen entfernt, um Polizeihubschraubern zu entkommen wird ohne Licht gefahren und bevorzugt in Grenznähe und nahe Autobahnen zugeschlagen, weiß man beim Polizeipräsidium Karlsruhe.

„Durch die Explosionen bleibt oft kein Stein auf dem anderen“, verdeutlicht Sprecherin Heike Umminger. Die Herkunft der aktiven Banden wird nach Osteuropa und in die Niederlande verortet.

Ob sich die Automatensprengungen lohnen? Sicherlich variiert die Höhe der Beute, nach Auskunft von Banken hat die Pandemie aber den Trend weg vom Bargeld verstärkt, es sei weniger zu hohlen. Bei einer Sprengung in Walldorf Anfang des Jahres sprach die Polizei von einem Diebstahlsschaden von etwa 60.000 Euro.

Mancher Bank reicht es, betroffene Automatenstandorte werden nicht wieder eröffnet. So jüngst geschehen in Karlsbad, wo die Sparda-Bank bereits eine Automatensprengung verdauen musste.

Im Schnitt werden mehr als 50.000 Euro erbeutet

In der Region Karlsruhe gibt es ähnliche, weitere Beispiele. Nach der BBBank-Automatensprengung in Graben-Neudorf Anfang 2021 ist dort heute kein Automat mehr. In Ettlingen wurde nach einer Explosion im Oktober, mit allein 150.000 Euro Schaden am Gebäude, die SB-Filiale nicht wieder eröffnet.

Wo sich die Fälle häufen, sind Konsequenzen umso drastischer. Nach sieben Sprengungen ihrer Geldautomaten seit Anfang 2021 dünnt die Sparkasse Heidelberg ihr Automatennetz aus. „Die Täter nehmen immer mehr auch die Gefährdung von Leib und Leben in Kauf“, heißt es in einer Mitteilung der Bank.

In Baden-Württemberg wurden nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) 41 Geldautomatensprengungen im Jahr 2020 registriert, davon schlugen 25 fehl. Das ist der höchste Wert seit 2017. Im vergangenen Jahr fiel die Zahl mit 21 geringer aus – vermutlich wegen der Corona-Einschränkungen. Baden-Württemberg ist regional unterschiedlich betroffen.

Von den 136 Fällen der vergangenen fünf Jahre entfielen 22 auf das Polizeipräsidium Mannheim, gefolgt von Heilbronn (21) sowie Freiburg und Karlsruhe (je 18). Die Delikte verursachen Schäden in Millionenhöhe. Laut LKA summierte sich die Beute in den vergangenen fünf Jahren auf 7,5 Millionen Euro, der Sachschaden auf etwa 6,8 Millionen. Im Durchschnitt würden pro Fall rund 55.000 Euro erbeutet.

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Rainer Obert

Zum Artikel

Erstellt:
17. März 2022, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.