Gelockerte Quarantäne: Kritik von Bühler Schulen

Bühl (kos) – Trotz gestiegener Infektionszahlen lockert Baden-Württemberg die Quarantäne-Regeln für Schulen und Kitas. In Bühl reagieren die Schulleiter gespalten auf die zusätzliche Arbeit.

Zwiespältig: Während die neuen Vorgaben für Schüler Distanzunterricht möglichst verhindern sollen, bleiben Schulen auf den zusätzlichen Aufgaben sitzen. Foto: Sven Hoppe/dpa

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Zwiespältig: Während die neuen Vorgaben für Schüler Distanzunterricht möglichst verhindern sollen, bleiben Schulen auf den zusätzlichen Aufgaben sitzen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Neue Regeln, neues Durcheinander: Seit vergangener Woche gelten für Kitas und Schulen neue Quarantäne-Regeln. Werden fünf, beziehungsweise mindestens 20 Prozent einer Schulklasse positiver getestet, muss nun nicht mehr automatisch die ganze Klasse zuhause isoliert werden. Außerdem erhalten Schulleitungen mehr Flexibilität, um in diesem Fall selbst über Hybrid-, Distanz- oder Präsenzunterricht zu entscheiden. An den Bühler Schulen stößt das auf gemischte Reaktionen: Nicht alle sind glücklich über den Mehraufwand.

„Das Gesundheitsamt kriegt es nicht mehr geregelt“: Steffen Faller, Schulleiter der Carl-Netter-Realschule in Bühl, ist nicht gerade begeistert über die gelockerten Quarantäne-Regeln, die besagen, dass sich nur noch positiv getestete Schüler isolieren müssen. Auch wenn die Schulleitungen dadurch vermeintlich mehr Handlungsspielraum haben, um selbst über Fern-, Distanz- oder Präsenzunterricht zu entscheiden, bedeuten die neuen Lockerungen für die Schulverwaltung vor allem eines: mehr Arbeit.

Gesundheitsamt kommt nicht hinterher

Da auch das örtliche Gesundheitsamt wegen der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante kaum noch mit der Datenverarbeitung von positiv Getesteten hinterherkommt, liege es nun an den Schulleitungen, bei steigenden Fallzahlen unter den Schüler über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Das bestätigt Wolfgang Held, Leiter des staatlichen Schulamts Rastatt. Damit will das Land vor allem Unterrichtsausfällen vorbeugen. Im Umkehrschluss heiße das aber nicht, dass sich das Gesundheitsamt aus der Verantwortung zieht, betont Held. Vielmehr spreche es bei Corona-Fällen in Schulen nach wie vor die Quarantänebedingungen aus und überlasse lediglich die Kontaktnachverfolgung den Schulen, so Held.

„Das finde ich nicht gut“, kritisiert Faller. Er würde sich lieber einheitliche Regeln als noch mehr Vorgaben wünschen, von denen es ohnehin schon mehr als genug gebe. Für Faller, die Schulverwaltung und nicht zuletzt für die Lehrer sei das ein „deutlicher Mehraufwand“, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Angesichts der bereits zahlreichen Corona-Regeln, die derzeit gelten, sorge die neue Direktive nur für noch mehr Arbeit.

Mehr Arbeit, aber nicht mehr Personal

Dem stimmt auch Claudia Steinkopf, Schulleiterin der Aloys-Schreiber-Gemeinschaftsschule, zu. „Wir haben ja nicht mehr Personal erhalten“, kritisiert sie den höheren Aufwand, den Lehrkräfte und Schulverwaltung nun stemmen müssen. Immerhin würden sich die Infektionszahlen an ihrer Schuler in moderaten Grenzen halten: Rund zehn Prozent der Schülerschaft seien derzeit betroffen, sagt sie. Zudem sei das ganze Kollegium geboostert: „Das ist auch ein Pfund, mit dem man arbeiten kann“, so Steinkopf. Dennoch: Die Idee der Landesregierung, die Aufgaben des Gesundheitsamts wegen Überlastung jetzt auf die Schultern der Schulen abzuladen, sieht die Rektorin als „abenteuerlich“. Grundsätzlich sei aber gut, dass durch die Maßnahme die Zahl der zuhause isolierten Kinder reduziert werden könne: „Wir wünschen uns Leichtigkeit für die Kinder“, so die Schulleiterin.

Die Kritik an den neuen Regeln teilen längst nicht alle. Andrea Körner, Rektorin des Windeck-Gymnasiums, begrüßt die neuen Möglichkeiten: „Ich finde es besser, dass Schulleitungen es mehr in der Hand haben“, sagt sie. Den Schulen mehr Handlungsspielraum einzuräumen, empfindet sie daher als „gute Regelung“, die mehr Raum für ein individuelles Pandemiemanagement biete. In den zurückliegenden zwei Wochen habe es knapp 40 neue Covid-Fälle am Gymnasium gegeben, berichtet sie. Die Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bei der Bearbeitung der Infektionen habe unnötig viel Zeit in Anspruch genommen, sagt sie.

Mehr individuelle Betreuung möglich

Diese falle nun weg und könne für anderes verwendet werden. Da sich mittlerweile nur noch positiv getestete Schüler häuslich isolieren müssen, könne man nun deutlich gezielter und individueller handeln, begrüßt Körner. Das sei ein klarer „Vorteil im schulischen Pandemiemanagement“, fügt sie hinzu.

Auch Constanze Velimvassakis, geschäftsführende Schulleiterin im Raum Bühl und Rektorin der Bachschlossschule, sieht die Neuerung grundsätzlich positiv. Das rührt auch daher, dass Hybridunterricht „kaum gelingt“, wie sie sagt. Auch wenn es noch mehr Arbeit für den Balanceakt zwischen Unterricht und Corona-Management bedeute, sei es generell zu begrüßen, da dadurch der Schulalltag möglichst breit aufrechterhalten werde. „Wir bleiben gelassen“, betont sie.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
8. Februar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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