Gemeinde erlässt Gebühren, Kirche nur teils

Au am Rhein (HH) – Für die Schließung im kommunalen Kindergarten erlässt Au am Rhein die Gebühren. Der kirchliche Kindergarten St. Joseph will den Anteil berechnen, den das Land nicht erstattet.

Gut ein Jahr ist das ans Schulgebäude angegliederte Kinderhaus Pestalozzi alt, da muss es schon erweitert werden. Weitere Schulräume werden einverleibt. Foto: Helmut Heck

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Gut ein Jahr ist das ans Schulgebäude angegliederte Kinderhaus Pestalozzi alt, da muss es schon erweitert werden. Weitere Schulräume werden einverleibt. Foto: Helmut Heck

Kindergartenthemen standen im Mittelpunkt der Gemeinderatssitzung in Au am Rhein am Montag. Die Kommune muss weitere Betreuungskapazitäten schaffen.
Zum Anfang war die Frage zu beantworten, wie mit den Kindergartenbeiträgen für Januar und Februar verfahren werden soll. Aufgrund der Corona-Verordnungen waren, von Notbetreuungen abgesehen, sowohl das kommunale Kinderhaus Pestalozzi und der Hort der Rheinauschule wie auch der katholische Kindergarten St. Joseph vom 16. Dezember 2020 bis 22. Februar 2021 geschlossen.

Rat stimmt für Entlastung der Familien

Die Gemeinde hatte den Gebühreneinzug ausgesetzt. Um über einen endgültigen Verzicht zu entscheiden, habe man den Ausgleichsbescheid des Landes abgewartet, erklärte Bürgermeisterin Veronika Laukart. Nun stehe fest, dass nur ein Bruchteil erstattet werde. Au am Rhein seien 15.483 Euro zuerkannt worden, wovon 13.222 Euro auf den Kindergarten St. Joseph entfallen und 2.261 Euro auf Schülerhort und Kinderhaus. Wie Laukart darlegte, liegt der Grund für die Differenz in den Daten, die das Land zur Berechnung verwendete. Diese stammten aus dem März 2020, als das Pestalozzihaus neu eröffnet und noch schwach belegt war. Zudem seien beim Hort nur Kinder bis sechs Jahre angerechnet worden.

Weiter berichtete die Bürgermeisterin, dass von Eltern auch nach einem Gebührenverzicht für Dezember gefragt worden sei. Laukart sprach sich dagegen aus, weil „die Kosten davonlaufen“. Dem Gemeinderat schlug sie für Januar und Februar den kompletten Gebührenverzicht vor. Die Notbetreuung solle wie schon im ersten Lockdown tageweise abgerechnet werden. Summa summarum bliebe der Gemeinde ein Defizit von 16.067 Euro.

Bezüglich St. Joseph habe die Kirche mitgeteilt, nur auf jenen Gebührenanteil der Eltern zu verzichten, der durch Landeshilfe ausgeglichen werde. Die Kommune sollte nicht einspringen, meinte Laukart. Der Gemeinderat war einverstanden, die Beschlüsse einstimmig. Hans Weßbecher (FWG) bedauerte, dass die kirchliche Seite nicht ebenfalls in vollem Umfang auf die Gebühren verzichte.

Weiterer Platzbedarf

Der nächste Tagesordnungspunkt galt dem Platzbedarf für das kommende Kindergartenjahr, das nach den Sommerferien beginnt. Den Unterlagen zufolge stehen aktuell in beiden Kindergärten insgesamt 112 Plätze für über Dreijährige und 42 Plätze für Krippenkinder zur Verfügung. Im neuen Jahr könnte der Bedarf auf 130, im nächsten auf 135 Kindergartenplätze steigen. Die Zahl der Kinder unter drei Jahren könnte laut der Prognose im nächsten auf 80, beziehungsweise 84 im übernächsten und bis 2022/23 auf 90 steigen.

Laukart betonte, dass die Kapazitäten ausgebaut würden, sodass man bis in zwei Jahren in der älteren Altersgruppe 137 Plätze vorweisen könne. Im Krippenbereich sei vorerst keine Erweiterung vorgesehen, da man eine gute Versorgungsquote von 80 Prozent erfüllen könne. Vom Gemeinderat wurde im steigenden Platzbedarf eine positive Entwicklung für den Ort gesehen. Geringe Unterschiede in den Öffnungszeiten zwischen kirchlicher und kommunaler Einrichtung sollten angeglichen werden, meinte Thomas Schark (SPD).

Als drittes Kinderthema wandte sich die Sitzung dem von Laukart erwähnten „Ausbau“ zu, konkret in Form eines Bauantrags zur Erweiterung des vor einem Jahr durch Teilumbauten in der Rheinauschule fertiggestellten Kinderhauses Pestalozzi. Vorgesehen ist, ein zuletzt vom Streffer-Club belegtes Klassenzimmer umzunutzen. Die Streffer-Frauen seien schon ins Erdgeschoss umgezogen, teilte Laukart mit.

Die Umbaukosten lägen bei 75.000 Euro, das Land steuere 48.000 Euro bei, freute sich Laukart, eine „gute Nachricht“ überbringen zu können. Ferner soll der ehemalige Chemieraum dem Hort zugeschlagen werden. Auch dafür stehe eine Förderung bis zu 50.000 Euro in Aussicht, die jedoch im Windhundverfahren vergeben werde. Sie warte täglich auf das Startzeichen für die Antragstellung, kündigte Laukart an, die Unterlagen sofort persönlich ins Regierungspräsidium zu fahren.

Der Gemeinderat begrüßte die Planung. Alle drei Fraktionssprecher sahen sich in der Entscheidung bestätigt, das Kinderhaus unter kommunaler Leitung realisiert zu haben, zumal sich nach dem Verlust der Hauptschule im Gebäude gute Voraussetzungen geboten habe. Die Gemeinde habe mehr Handlungsspielraum in der Kinderbetreuung gewonnen.

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