Gemeinderat sorgt sich um Loffenauer Landmarkt

Loffenau (ham) – Die Verkaufsfläche der Lebensmittelmärkte in Gernsbach verdoppelt sich in naher Zukunft auf rund 6400 Quadratmeter. Tante-Emma-Läden wie Gießler's Landmarkt in Loffenau befürchten dadurch erhebliche Umsatzeinbußen. Der Loffenauer Gemeinderat spricht sich deshalb gegen die Erweiterungen in der Nachbarstadt aus.

Jochen Gießler (rechts) und sein Landmarkt mit Post-Filiale fürchten Umsatzeinbußen durch die Expansion in Gernsbach. Foto: Metz

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Jochen Gießler (rechts) und sein Landmarkt mit Post-Filiale fürchten Umsatzeinbußen durch die Expansion in Gernsbach. Foto: Metz

„Ich verfalle nicht in Panik, aber beobachte die Situation“, stellt Jochen Gießler klar. Der Betreiber von Gießler’s Landmarkt in Loffenau fürchtet die drohende Verdoppelung der Verkaufsflächen im Nachbarort Gernsbach. „Machen kann ich aber nichts dagegen, die neuen und größeren Lebensmittelmärkte kommen doch!“
Der Gemeinderat seiner Heimatgemeinde sieht es ähnlich – dennoch lassen sich die Bürgervertreter nicht ins Bockshorn jagen und votierten am Dienstagabend einstimmig für die Stellungnahme der Gemeinde, die eine Überdimensionierung der Geschäfte in Gernsbach moniert und diese ablehnt. In der Nachbarstadt erweitern nicht nur die bereits vorhandenen Märkte von Aldi und Rewe ihre Verkaufsflächen um 309 beziehungsweise 450 Quadratmeter. Zudem dürfte auf dem Pfleiderer-Areal ein neuer Vollsortimenter (Edeka) mit 2100 Quadratmetern zum Platzhirsch aufsteigen. Die Schwarz-Gruppe wechselt mit ihrem Lidl auch dorthin und wächst um 400 Quadratmeter. In Summe verdoppeln die vier Handelsriesen damit ihr Angebot in Gernsbach „von 3141 auf 6400 Quadratmeter“, beklagt Markus Burger.

Die „raumordnerische Verträglichkeit“ in dieser Größenordnung bestätigte die Gesellschaft für Markt und Absatzforschung mbH. Im 24000 Einwohner zählenden Marktgebiet der Stadt Gernsbach, in das Loffenau, Weisenbach und Forbach eingerechnet werden, bestünden derzeit nur 296 Quadratmeter Verkaufsfläche je 1000 Einwohner. 430 Quadratmeter seien jedoch bundesweiter Durchschnitt. Mit den vier großen Märkten überträfe Gernsbach diesen künftig mit 432 Quadratmetern lediglich minimal.

Überdimensionierte Marktgrößen im ländlichen Raum

Reiner Singer „zweifelt“ die Verträglichkeit eines bundesweiten Durchschnitts im „ländlichen Raum“ an. Bei eigenen Einkäufen in Gernsbach könne er „nicht feststellen, dass in den jetzigen Märkten ellenlange Schlangen anstehen“. Der FWG-Fraktionssprecher sieht daher auch Einbußen auf die bestehenden Gernsbacher Geschäfte zukommen. Wolfgang Reik sprang ihm zur Seite und „teilt den Tenor des Gemeindeschreibens an Gernsbach“ wie den von Singer „vollumfänglich. Es werden falsche Signale gesetzt. Die großen Märkte haben eh schon eine hohe Marktdurchdringung. Das beschleunigt noch mehr den Niedergang des Einzelhandels“. Der Sprecher der SPD&ALB erwartet „große Probleme und führt dazu, dass wir nicht mehr in Loffenau einkaufen können“. In dem 2600-Seelen-Dorf dürften zudem der kleine Getränkemarkt Möhrmann, die Metzgerei Fieg und die Bäckerei Laupp tangiert sein.

Umsatzeinbuße von sechs Prozent

Für Gießler’s Landmarkt werden im Falle der Markt-Explosion in Gernsbach ebenso wie für Edeka-Fitterer in Weisenbach Umsatzeinbußen von fünf bis sechs Prozent prognostiziert. Jochen Gießler bezweifelt, dass die vier Loffenauer Lebensmittel-Händler nur knapp 100000 Euro ihres Umsatzes von insgesamt 1,6 Millionen Euro verlieren – was aber auch schon ein herber Schlag wäre. „Die im Murgtal arbeitenden Loffenauer fahren auf dem Heimweg am Pfleiderer-Areal, das verkehrsgünstig liegt, vorbei und kaufen dann sicher auch zum Teil dort ein“, sieht der Besitzer des 200 Quadratmeter kleinen Tante-Emma-Ladens schwarz.

Den Umsatzverlust kann Gießler, der in seinem Familienunternehmen auch Post-Dienste anbietet, kaum kompensieren. „Einsparpotenziale sind bei uns begrenzt. Der Strom wird teurer, die Bonpflicht verursacht Kosten – und wir können nicht einfach höhere Preise durchdrücken“, weiß Gießler. Deprimiert verweist er auf die Statistik, dass sich die Zahl der kleinen Lebensmittelmärkte von 2006 bis 2017 auf 8650 halbiert hat. Die Supermärkte wuchsen in dem Zeitraum dagegen von 10400 auf über 12000.

Sollte sich Gießler zum Äußersten entschließen und schließen – dann dürften sich Einkäufe in Loffenau erledigt haben: „Man sieht ja in Staufenberg und Reichental, wie schwer es ist, einen Dorfladen anzusiedeln“, sagte Burger, bevor er gestern die Loffenauer Stellungnahme zu den neuen Märkten in die Nachbarstadt per Post losschickte.


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