Gemeinsam Großes bewegen

Karlsruhe (of) – Die Karlsruher Felix Dörr und Katharina Heide engagieren sich für Kinder in Tansania. Der Verein Move-ING hat bereits eine Schule gebaut.

Die ersten Schüler der Schule in Chabalisa. Dank der Arbeit des des Vereins „Move-ING“ hat die Lehranstalt im Januar den Betrieb aufgenommen. Foto: pr

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Die ersten Schüler der Schule in Chabalisa. Dank der Arbeit des des Vereins „Move-ING“ hat die Lehranstalt im Januar den Betrieb aufgenommen. Foto: pr

Viele Menschen sind überzeugt, dass auf dem großen afrikanischen Kontinent mit Bildung, besserer medizinischer Versorgung und ertragreicherer Landwirtschaft der Grundstein für ein chancengleiches und faires Miteinander auf der Welt gelegt werden kann. Für junge Menschen entwickelt sich so eine Perspektive, in ihrer Heimat zu bleiben.

„Eine zuverlässige Wasserversorgung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass die Menschen in vielen Teilen Afrikas ihren Lebensunterhalt bestreiten können und sie sich nicht zu einer Flucht in andere Regionen gezwungen sehen“, sagt Felix Dörr. Der 30-jährige gebürtige Wieslocher studierte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Bauingenieurwesen und schloss 2019 sein Masterstudium mit Schwerpunkt Wasser ab.

Dörr und Heide gründen 2018 gemeinnützigen Verein

„Seit meinem Abitur war ich mehrere Male für verschiedene Hilfsprojekte in Afrika“, sagt Dörr. Übers KIT hat er unter anderem Projekte der Hochschulgruppe „Engineers Without Borders“ (EWB) initiiert, die durch solarbetriebene Tiefenbrunnen mehrere Dörfer in Äthiopien mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Derzeit arbeitet er zur Hälfte in einem Ingenieurbüro in der Fächerstadt und die andere Zeit am KIT, „mit dem Vorhaben, im Sommer mit einer Promotion zu beginnen“. 2018 hat Dörr zusammen mit seiner Freundin Katharina Heide den gemeinnützigen Verein „Move-ING“ gegründet, mit dem Ziel, ihr ehrenamtliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit unabhängig weiterzuführen und ihre Fachexpertise sowie ihre Projekterfahrung sinnvoll einzusetzen.

Dörrs zwei Jahre jüngere Partnerin Katharina kommt ursprünglich aus Siegen und ist für ihr Masterstudium in Bauingenieurwesen nach Karlsruhe gezogen. Derzeit ist sie am KIT-Institut für Straßen- und Eisenbahnwesen in Vollzeitanstellung und geht ihre Promotion an. Auch sie war seit 2010 in unterschiedlichen Projekten in Afrika ehrenamtlich tätig.

Engagieren sich für Tansania und planen, dort zu leben: Felix Dörr und Katharina Heide. Foto: pr

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Engagieren sich für Tansania und planen, dort zu leben: Felix Dörr und Katharina Heide. Foto: pr

„Als sie 2017 für ein Jahr als Bauingenieurin in Tansania lebte, haben wir uns dort kennengelernt“, sagt Dörr. Vor vier Jahren begannen beide, einen tansanischen Schwesternorden („Unlimited Love Sisters“) und deren Projektidee – den Aufbau einer Wohn- und Bildungsstätte für Kinder mit Behinderung – zu unterstützen. Sie bauten zu Beginn ein Wohnhaus für die Kinder und installierten 2018 eine Regenwasser-Aufbereitungsanlage zur Wasserversorgung des Wohnhauses. 2019 kam ein großes Schulgebäude für das Zentrum für Kinder mit Behinderung hinzu. Das Ganze passiert in Chabalisa, einem kleinen Dorf im Nordwesten des fünftgrößten afrikanischen Landes, das fast eine Million Quadratkilometer groß ist und rund 60 Millionen Einwohner zählt. Zur Anlage gehören auch Filter- sowie eine solarbetriebene UV-Entkeimungsanlage. „Gemeinsam mit der Zisterne und einer Solarpumpe bilden sie ein zirkulierendes System, das sauberes Trinkwasser hervorbringt“, sagen die Bauingenieure. „Jetzt ist endlich auch das eingetreten, worauf wir so lange hingearbeitet haben: Die neu errichtete Schule in Chabalisa hat im Januar 2021 ihren Unterrichtsbetrieb mit zunächst 45 Mädchen und Jungen im Alter zwischen fünf und 14 Jahren aufgenommen.“

Chance auf Bildung für benachteiligte Kinder

Dadurch bekämen benachteilige Kinder aller Konfessionen eine Chance auf Bildung, auch dank vieler Spenden aus der Region. „Uns ist es sehr wichtig, unseren Unterstützern und vor allem den vielen Privatspendern für ihr Vertrauen in uns, zu danken“, heißt es. Obwohl Felix und Katharina viel Fachwissen und Engagement in das Projekt investierten, setzen sie großes Vertrauen in die Menschen vor Ort. „Wir wollen uns in keiner Weise aufdrängen oder Eigeninitiative untergraben, halten uns bewusst aus organisatorischen oder betrieblichen Dingen heraus“, betont Dörr. Das Coronavirus verhinderte eine geplante Reise im Frühling 2020 und auch über den Jahreswechsel 2020/2021. Dennoch gab es vor Ort dank der guten Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern viel Fortschritt. Mittel- und langfristig hoffen sie, die Kapazitäten des Zentrums so auszubauen, dass bis zu 200 Kinder dort wohnen und zur Schule gehen können.

Ihre Motivation sei ungebrochen. „Das Projekt ist im Einzugsgebiet zweier Distrikte mit rund 700.000 Einwohnern in dieser Form einzigartig“, sagen sie. Dörr und Heide wollen in Zukunft langfristig in Ostafrika leben und arbeiten. „Wir haben eine innige Beziehung zu den dort lebenden Menschen. Daraus ist nicht nur eine Partnerschaft, sondern eine wertvolle Freundschaft entstanden“.


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