Generationswechsel: Die CDU legt schon mal vor

Stuttgart (bjhw) – Die CDU hat einen neuen Fraktionschef im Landtag: Manuel Hagel. Ein Sprungbrett für noch höhere Aufgaben? Der Neue muss zunächst die Partei nach der Wahlniederlage stabilisieren.

Manuel Hagel (CDU), der neugewählte Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion.    Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Manuel Hagel (CDU), der neugewählte Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Manuel Hagel ist neuer Chef der CDU-Landtagsfraktion, ohne Gegenkandidaten gewählt mit dem überzeugenden Ergebnis von 40 zu zwei Stimmen.

Damit hat der erst 33-Jährige einem Großen der baden-württembergischen Landespolitik den Rang abgelaufen, denn Lothar Späth war bei Amtsantritt 1972 nur knapp zwei Jahre älter. Seither gilt der Fraktionsvorsitz als Sprungbrett an die Spitze einer CDU-geführten Regierung, wovon der frühere Sparkassendirektor jedoch noch weit entfernt ist. Vorrangig muss er erst einmal zur Konsolidierung seiner Partei beitragen nach dem Wahldebakel vom 14. März.

Geduld hat der Schwäbisch schwätzende Ehinger am größten Tag seiner bisherigen politischen Karriere schon mal bewiesen. Als Hagel gemeinsam mit seinem auf eine Wiederwahl verzichtenden Vorgänger Wolfgang Reinhart vor die Medien tritt, nutzt Letzterer ausgiebig seinen Abschied von der Fraktionsspitze zur Darstellung der Lage der Dinge aus seiner Sicht. So darf der Nachfolger wie ein wohlerzogener Primaner der Mischung aus Selbstlob und Zuversicht folgen und lauschen, wie Reinhart von einem gelungenen Start in die nächsten fünf Jahre schwärmt und von den jungen Füchsen und alten Hasen, die jetzt zusammenwirken müssten.

Mit Demut und Respekt

Eine Tonlage, die beide eint. Auch Hagel, Vater zweier Söhne, rühmt die Geschlossenheit und versprach, „nach innen zusammenführen und nach außen zusammen führen zu wollen“. Mit Demut und einem gerüttelt Maß an Respekt gehe er die Aufgabe an, wolle „auf neue Fragen neue Antworten finden und das Morgen nicht im Gestern suchen“.

Eher blumig sogar seine Ankündigungen zum Thema Frauen in Parteispitze und Regierung: Die Frauen-Union hat von Landeschef Thomas Strobl und Hagel verlangt, „die Hälfte der Regierungsposten mit Frauen zu besetzen, wobei diese Hälfte sowohl auf die Minister- als auch auf die Staatssekretärsposten zu beziehen sind“.

Nur keine Festlegungen, selbst Nicole Razavi, bisherige Fraktionsvize, die dem Vernehmen nach ins Kabinett drängt, hofft dagegen bei weiterhin nur elf Frauen in der Fraktion darauf, dass sich „endlich was ganz selbstverständlich ergibt“.

Deutlich verjüngte Riege

Immerhin sieht sich Hagel auch einer deutlich verjüngten Riege gegenüber: Das Durchschnittsalter der 42 Abgeordneten, darunter 13 Neulinge, sank von 55,4 Jahren auf 48,8. Zugleich muss er sich am Ende seiner überhaupt ersten Legislaturperiode mit dem Image des Shootingstars einer Partei im Niedergang herumschlagen. Als Günther Oettinger 2006 den Mut zu einer schwarz-grünen Koalition nicht aufbrachte, hatte die CDU 44,2 Prozent, inzwischen ist sie fast halbiert.

Bleibt in den Stunden der großen Zäsur vor allem die Freude darüber, dass die CDU-Fraktion in Sachen Generationswechsel vorgelegt hat, dass die Grünen jetzt erst einmal nachziehen müssen. Immerhin einer, der bereits ziemlich fest auf dem sich immer schneller drehenden Personalkarussell sitzt, wäre auch noch unter 40: Danyal Bayaz, der Heidelberger Bundestagsabgeordnete, wird als neuer Finanzminister gehandelt, also für das Amt, das Wolfgang Reinhart so gerne übernommen hätte, von dem die Grünen aber nicht lassen wollen. Eine Entscheidung, die in personeller Hinsicht möglicherweise noch einiges kosten wird. Denn der Neue und der Frühere im Fraktionsvorsitz machen gemeinsam deutlich, dass die CDU fünf Minister und fünf Staatssekretäre stellen will. Jetzt darf bis Sonntag oder Montag, ehe die neue Ministerriege steht, gerätselt werden. Denn bisher bleiben die Ressorts Innen, Justiz, Wirtschaft und Landwirtschaft mit vier Ministern und drei Staatssekretären bei der CDU. Wenn der Hoffnungsträger mit Österreichs erfolgreichem Bundeskanzler Sebastian Kurz als eines seiner Vorbilder tatsächlich mit dafür sorgen kann, dass den Grünen drei weitere Spitzenposten abgerungen werden, hätte er die erste Feuerprobe schon bestanden.

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Erstellt:
4. Mai 2021, 20:03 Uhr
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