Geplante Sperrung der B500

Baden-Baden (kkö) – Aufgrund von Bauarbeiten soll die B500 gesperrt werden. Darüber herrscht teils Wut: Es werde zwar Rücksicht auf die Schulbuslinie, aber nicht auf die Gastronomie genommen.

In den Sommerferien droht die Leere: Der Wanderparkplatz Plättig an der B500 ist normalerweise sehr beliebt. Foto: Katrin König-Derki

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In den Sommerferien droht die Leere: Der Wanderparkplatz Plättig an der B500 ist normalerweise sehr beliebt. Foto: Katrin König-Derki

Als Gerlinde Mathieu vom Waldgasthaus Kohlbergwiese, idyllisch im Höhengebiet gelegen, jüngst von einem Feuerwehrmann erfuhr, dass die B500 zwischen Baden-Baden und Sand im August wegen einer Baumaßnahme gesperrt werden soll, wollte sie das zunächst nicht glauben.

Nicht nach den Einbußen, die die Pandemie für die Tourismusbranche mit sich gebracht hatte. Nicht während der Hauptsaison. Nicht ohne Gespräche mit den betroffenen Hoteliers und Gastronomen. „Das muss ein Irrtum sein“, sei ihr erster Gedanke gewesen, sagt sie im Interview. Aber nein. Lilly Börstler von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Karlsruhe bestätigt die Information. Und erläutert: „Es handelt sich um eine Baumaßnahme an der Schwarzwaldhochstraße, auf der Höhe der Bühlerhöhe. Sie wird von der Stadt Baden-Baden in unserem Auftrag durchgeführt.“ Auf einer Strecke von rund 2,8 Kilometern weise die Fahrbahn „insbesondere Risse“ auf und solle daher in voraussichtlich drei Bauabschnitten jeweils unter Vollsperrung saniert werden. Die Umsetzung wird ihr zufolge nach aktueller Planung am 1. August beginnen und sieben Wochen dauern.

Martin Meier von der Edelfuchs Lodge, auf Bühlertäler Gemarkung bei Hundseck, teilt die Empörung Mathieus auf ganzer Linie. „Es ist mir ein Rätsel, wie man das so festlegen kann“, so der Betreiber. „Jeder müsste wissen, dass gerade diese Monate sehr stark zum Jahresergebnis im Tourismus beitragen. Und dann hatten wir zweieinhalb Jahre Corona, da werden wir sehr lange brauchen, bis wir das alles wirtschaftlich wieder aufgeholt haben. Von den Ruinen wollen wir mal gar nicht reden.“

„Nun kämpfen wir auch noch mit Behörden“

Die Lodge mit Restaurant und Hotel sei kurz vor Ausbruch der Pandemie eröffnet worden, sagt er, und konstatiert ernüchtert: „Mir wird immer mehr bewusst, dass man wohl seitens derjenigen, die die Verantwortung haben, keinen Tourismus in unserer Region möchte. Anders kann ich mir verschiedene Entscheidungen beziehungsweise das Desinteresse nicht erklären.“

Désirée von Knoblauch von der Waldschänke Schwanenwasen bezeichnet den Zeitpunkt der geplanten Sperrung als „extrem ungünstig gewählt“. „Wir alle im Bereich der Schwarzwaldhochstraße haben nach den ganzen Ausfällen durch die Pandemie auf eine arbeitsreiche Saison gehofft. Ich als Pächterin des Schwanenwasens und mein Verpächter sind wirklich direkt betroffen: Das Haus liegt direkt an der B500, die Straße ist unser wichtigster Anfahrtsweg. Vor allem für auswärtige Gäste.“ Sie hofft, von den zuständigen Behörden möglichst bald Informationen über den genauen Zeitpunkt und Streckenteil der Sperrung zu erhalten.

Gerlinde Mathieu verweist auf eine zusätzliche Problematik: „Sicher muss 2023 die L83 im letzten Bauabschnitt saniert werden.“ Sie fragt sich, ob es gewollt sei, „dass der Tourismus im Nordschwarzwald stirbt“. Niemand habe nach der Pandemie finanzielle Reserven. „Schlimm genug, dass wir alle um Personal kämpfen“, sagt sie. „Nun kämpfen wir auch noch mit den Behörden. Das ist alles echt traurig.“

Auf Anfrage erläutert Bauleiter Harry Braunwart, Ingenieur bei der Abteilung Tiefbau der Stadt Baden-Baden, den Grund des ausgewählten Zeitraums: „Auf dieser Route zwischen Sand und Baden-Baden ist eine Schulbuslinie im Einsatz. Deshalb werden die Arbeiten in den Ferien durchgeführt.“ Die Vollsperrung werde unterhalb vom Schwanenwasen beginnen und bis zur Bühlerhöhe (Gemarkungsgrenze) führen. Die Zufahrt zum Hotel Bühlerhöhe liege aber hinter dem betreffenden Abschnitt. „Sie bleibt durchgehend frei.“

Existenzangst berechtigt

Katrin König-Derki kommentiert
Weit weg, ganz weit weg müssen die Behörden – allen voran das Regierungspräsidium Karlsruhe – von den Sorgen der gastronomischen Betriebe im gesamten Höhengebiet sein, um Baumaßnahmen an der B500 ausgerechnet in die Sommerferien zu legen. Der Grund, den der Bauleiter anführt, ist zwar ein Stück weit nachvollziehbar; für Schüler sollte durchaus eine Busverbindung nach Baden-Baden gewährleistet sein. Nicht verständlich ist allerdings, warum man nicht frühzeitig ins Gespräch mit Gastronomen und Hoteliers gegangen war, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen und herauszufinden, ob und wie die gravierenden Konsequenzen einer solchen Vollsperrung für die Tourismus-Branche abgefedert werden können. Stattdessen wurden die Pläne den Betroffenen nur zufällig schon jetzt bekannt. Ob man die Branche bewusst vor vollendete Tatsachen stellen wollte, um Gegenwehr möglichst zu unterbinden? Oder hatten die Behörden die Situation von Gastronomie und Hotellerie ernsthaft überhaupt nicht im Blick? Der Kampf der Betriebe ums Überleben wurde in den Medien seit Ausbruch der Pandemie immer wieder thematisiert, ihr Aufschrei war laut und dringlich. Mit Recht. Auch jetzt noch finden die Betriebe teilweise nur sehr mühsam zum Status Quo zurück. Vielleicht aber fehlt es Menschen, deren regelmäßiges und stabiles Einkommen von Krisen nicht erschüttert wird, an Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen. Hinter der Wut der Betroffenen steckt schließlich vor allem eins: blanke Existenzangst. Diese Angst ist an oberster Stelle offenbar immer noch nicht angekommen. Und das ist eine überaus ernüchternde Tatsache.

JG 20.05.202200:09 Uhr

„Auf dieser Route zwischen Sand und Baden-Baden ist eine Schulbuslinie im Einsatz. Deshalb werden die Arbeiten in den Ferien durchgeführt.“
5 - 10 Schulbusse pro Tag könnte man bestimmt durch die Baustelle schleusen. Genau wie die LKW, die den Asphalt bringen. Oder die wie Bauleiter vom RP. Beidseitig wird sowie nie asphaltiert.
Die betreffenden Behörden sind vollkommen realitiätsfern.


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