Gericht verhandelt möglichen Abo-Betrug

Bühl (up) – Das Schöffengericht Baden-Baden verhandelt gegen einen 46-jährigen Bühler. Ihm wird vorgeworfen, über ein Callcenter in der Türkei mehr als 100 Menschen in Deutschland betrogen zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft wurde den Angerufenen vorgespielt, sie hätten an einem Internet-Gewinnspiel teilgenommen und dabei ein Abonnement abgeschlossen. Foto: David Ebener/dpa

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Laut Staatsanwaltschaft wurde den Angerufenen vorgespielt, sie hätten an einem Internet-Gewinnspiel teilgenommen und dabei ein Abonnement abgeschlossen. Foto: David Ebener/dpa

Laut Staatsanwaltschaft wurde den Angerufenen vorgespielt, sie hätten an einem Internet-Gewinnspiel teilgenommen und dabei ein Abonnement abgeschlossen. Um dieses zu kündigen, müssten sie zwischen 130 und 180 Euro bezahlen.

In den nächsten Tagen würde ihnen ein Paket zugehen. Indem sie die Nachnahmegebühr in der entsprechenden Höhe bezahlten, wäre das Geschäft abgeschlossen und das anrufende Unternehmen würde die Abonnements kündigen. Die Pakete enthielten unter anderem eine Rechnung, die Geschäftsbedingungen sowie einen Reisegutschein.

Am ersten Verhandlungstag war auch der Reiseunternehmer geladen, bei dem die Angerufenen ihre Gutscheine hätten einlösen können. Der Mann sagte aus, die Gutscheine kosteten den Auftraggeber 500 Euro, dieses Geld hätten der Angeklagte beziehungsweise sein Geschäftspartner aber nie bezahlt. Er stützte damit die Aussage eines Polizeibeamten, der als Zeuge angegeben hatte, die Gutscheine seien nicht „werthaltig“ gewesen, hätten also gar nicht eingelöst werden können. Das wiederum wäre ein Indiz für die Betrugsabsicht des Angeklagten gewesen.

Widersprüchliche Aussagen

Diese Theorie wurde jedoch durch eine weitere Zeugenaussage – zur Überraschung für die Anwesenden im Gerichtssaal – widerlegt. Eine Polizeibeamtin gab an, der Betrag von 500 Euro sei an einen Mitarbeiter des Reiseunternehmers überwiesen worden. Die Zeugin hatte die Geldflüsse des Angeklagten, der über 34 Konten im In- und Ausland verfügte, untersucht. Dabei konnte sie feststellen, dass der Betrag auf dem Konto eines Mitarbeiters des Reiseunternehmers eingegangen war. Der hatte dies seinem Chef offensichtlich nicht mitgeteilt.

Der Mann stammt aus Litauen und war kurzzeitig als freier Mitarbeiter bei dem Reiseunternehmer eingestellt. „Ich habe ihn durchgefüttert“, hatte der Unternehmer berichtet, und zwar weil er wegen pandemiebedingter Grenzschließungen in Bayern festsaß. Jochen Vornhusen, der Verteidiger des Angeklagten, kritisierte die ermittelnden Polizeibeamten, die nicht ausreichend untersucht hätten, ob die Geschädigten tatsächlich Lottoabonnements abgeschlossen hätten. Diese im Auftrag des Abonnenten zu kündigen, sei ein Geschäftsmodell, so Vornhusen.

Dubiose Anrufe

Kritische Reaktionen erntete der Verteidiger von der Staatsanwältin, als er ankündigte, Telefonmitschnitte von zwei geschädigten Zeuginnen abzuspielen, die weder dem Gericht noch der Staatsanwaltschaft vorlagen. Eine der Zeuginnen bestritt später den Wortlaut des Telefonates. „Meine Zustimmung zu dem Vertrag habe ich gegeben, aber den Rest habe ich so nie gesagt“, war sich die 69-Jährige sicher. Fragen warf zudem auf, dass zwei Zeugen angerufen worden waren, die Hauptverhandlung finde wegen Corona nicht statt.

Laut Richter David Metz hatten die Angerufenen die Telefonnummer des Amtsgerichtes Baden-Baden auf ihren Displays erkennen können, obwohl sie offensichtlich kein Behördenmitarbeiter kontaktiert hatte.

Die Hauptverhandlung wird am 24. November fortgesetzt.

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Erstellt:
19. November 2021, 14:00 Uhr
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