Gerlinde Kretschmann an Krebs erkrankt

Stuttgart (bjhw) – Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will aufgrund der Erkrankung seiner Ehefrau im Wahlkampf kürzertreten.

Gerlinde und Winfried Kretschmann, hier bei einer USA-Reise im Jahr 2018. Foto: Nico Pointner/dpa

© dpa

Gerlinde und Winfried Kretschmann, hier bei einer USA-Reise im Jahr 2018. Foto: Nico Pointner/dpa

Winfried und Gerlinde Kretschmann haben sich gemeinsam mit den Wahlkampf-Verantwortlichen der Grünen entschieden, die Krebserkrankung der Gattin des Ministerpräsidenten öffentlich zu machen. Als Spitzenkandidat will der 72-Jährige bis zum 14. März kürzer treten, als Regierungschef die Arbeit aber „mit vollem Einsatz fortführen“, wie es in der offiziellen Erklärung heißt.

„Kommen schwere Zeiten auf sie zu“

Sein eigener Gemütszustand spiegelt sich wider in den Worten: Es gehe seiner Frau „den Umständen entsprechend, aber es kommen nun schwere Zeiten auf sie zu“, und er wolle für sie da sein. Die Grünen müssen sich neu sortieren. Einerseits finden Corona-bedingt ohnehin keine Großveranstaltung statt, also verkörpert Kretschmann seine Hauptrolle vor allem per Plakat. Andererseits drängt sich zur Unzeit die Nachfolgediskussion in den Vordergrund.

Erkrankung war intern bereits bekannt

Seit 2012 engagiert sich Gerlinde Kretschmann als Schirmherrin des landesweiten Mammografie-Screeningprogramms im Kampf gegen den Brustkrebs, weil jede zehnte Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben daran erkrankt und weil frühzeitige Vorsorge Leben retten kann. Jetzt hat es die 73-Jährige selber getroffen. Die Erkrankung war intern bereits bekannt, eine Veröffentlichung durch Dritte sollte vermieden werden. Die bundesweiten Eilmeldungen unterstrichen gestern, wie knifflig die Situation für die wahlkämpfenden Grünen ist. In Umfragen liegen sie bis zu sieben Prozentpunkte vor der CDU, auch dank des Kretschmann-Bonus. Kämen Zweifel an seiner Bereitschaft auf, Spitzenkandidat zu bleiben, sind vier Wochen bis zum 14. März allemal lange genug, um die Stimmung zu trüben.

CDU-Wahlkämpfer säen in ihren digitalen Terminen ohnehin immer wieder Zweifel daran, dass der Ministerpräsident seine Ankündigung wahr macht, bei einer Wiederwahl tatsächlich die ganze Legislaturperiode bis 2026 im Amt zu bleiben. 2016 sorgte die Junge Union für jede Menge Aufregung mit dem Slogan: „Kretschmann wählen bedeutet Özdemir bekommen.“ Und nochmals fünf Jahre zuvor durfte schon Stefan Mappus erleben, wie dünn das Eis wird für Strategen, die vermeintliche Vorteile gegen den als verlässlich und bodenständig eingeschätzten Grünen nutzen wollten: Ihre persönlichen Attacken im Endspurt des Wahlkampfs führten die CDU mit in die Opposition.

„Momente, in denen die Politik in den Hintergrund rückt“

Jetzt macht der Wahlkampf allerdings kurz Pause, nachdem die Nachricht öffentlich war. „Es gibt Momente, in denen die Politik in den Hintergrund rückt“, erklärte CDU-Herausforderin Susanne Eisenmann und Generalsekretär Manuel Hagel und wünschten „von ganzem Herzen eine schnelle und vollständige Genesung“. Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte, dass die Kanzlerin „mit großem Bedauern und mit tiefer Sympathie“ in Gedanken bei dem Ehepaar Kretschmann sei: „Von hier aus gehen alle guten Wünsche an Frau Kretschmann, an ihren Mann und an die ganze Familie.“ Grünen-Chef Robert Habeck wünschte „alles erdenklich Gute und viel Kraft“. Im Netz meldeten sich Hunderte zu Wort.

Andreas Schwarz rückt in den Fokus

Stärker in den Fokus kommt jetzt einer, der den Ministerpräsidenten schon in den vergangenen Wochen im Wahlkampf vertreten hatte, wenn der aus Gründen der Pandemie-Bekämpfung Termine nicht wahrnehmen konnte: Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz.

Nach den Regeln, die ab Ende der 70er Jahre gelten in Baden-Württemberg, wird es für den 44-Jährigen ohnehin Zeit, sich einer breiteren Öffentlichkeit besser bekannt zu machen. Denn seit Lothar Späth anno 1978 hatten ausnahmslos alle Regierungschefs vorher das Amt des Landtagsfraktionschefs inne.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.