Gernsbach: Fleischkäseverkauf für Flutopfer

Gernsbach (stn) – Stolze 50 Kilogramm brachte der Fleischkäse auf die Waage, der am Salmenplatz im Rahmen einer Spendenaktion verkauft wurde. Der Erlös kommt den Flutopfern in Rheinland-Pfalz zugute.

Bürgermeister Julian Christ schneidet den riesigen Fleischkäse an. Foto: Nora Strupp

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Bürgermeister Julian Christ schneidet den riesigen Fleischkäse an. Foto: Nora Strupp

Vier starke Männer brauchte es am Freitag, um den 50 Kilogramm schweren Fleischkäse zu tragen. Auf dem Wochenmarkt am Salmenplatz wurde er in mundgerechte Portionen geschnitten, auf Brötchen gelegt und an Hungrige verkauft. Der Erlös kommt den Opfern der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz zugute.

Die Metzgerei Geiser, Güni’s Griller, die „Grillhütte am Salmenplatz“ und die Bäckerei Häfele sind die Macher hinter der wohltätigen Aktion. Ziel sei es, einen finanziellen Beitrag für die Geschädigten der Flut zu leisten und ein Bewusstsein der schwierigen Situation der Menschen vor Ort zu schaffen. „Wer an der Murg lebt und schon mitbekommen hat, wie das Wasser nur wenige Zentimeter unter der Stadtbrücke stand und sämtliche Keller geflutet waren, weiß, was Hochwasser bedeutet“, sagt Steffen Geiser, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei.

„Nicht lange schwätzen, sondern machen“

Sein Entschluss stand daher schnell fest: „Nicht lange schwätzen, sondern machen. Wenn Leute in Not geraten, bin ich einer, der sagt, da muss man helfen.“ Innerhalb kürzester Zeit stellte er mit den anderen Akteuren die Spendenaktion auf die Beine. Dass es ausgerechnet ein riesiger Fleischkäse ist, der dafür zubereitet wurde, war kein Zufall. „Er erinnert von seiner Form her an einen Baustein: Somit ist der Fleischkäse auch ein Symbol für den Wiederaufbau.“

Besonders wichtig sei ihm, dass es keine anonyme Spendengala sei, bei der man nicht wisse, wo das Geld hingeht. Deshalb wird der Erlös in den nächsten Wochen persönlich den Betroffenen in Schuld und Ahrweiler übergeben. Zu dieser Summe kommt der Erlös der Help-After-Work-Benefizveranstaltung, die gestern von 16 bis 22 Uhr auf der Murginsel stattfand und von der „Grillhütte am Salmenplatz“ veranstaltet wurde.

Dieses Vorgehen wissen auch die Leute zu schätzen, die gestern Morgen Schlange standen. „Ich finde es sehr gut, dass man sich sicher sein kann, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, sagt der Gernsbacher Daniel Klumpp, der mit seinem dreijährigen Sohn Nick auf dem Weg zum Kindergarten extra einen Stopp eingelegt hat. Den Anschnitt des Fleischkäses übernahm Bürgermeister Julian Christ. „Ein tolles Beispiel für bürgerliches Engagement, um etwas für andere zu tun. Und das unterstützen ich als Bürgermeister und die Stadt sehr gerne.“ Für ihn sei das eine Premiere, denn „einen 50-Kilogramm-Fleischkäse habe auch ich noch nie angeschnitten“, erzählt er lachend.

Nach 30 Minuten ist die Hälfte verkauft

Laut Geiser ist der rund 80 mal 80 Zentimeter große und 25 Zentimeter hohe Koloss der größte jemals hergestellte Fleischkäse Gernsbachs. Acht Stunden wurde er bei 120 Grad gebacken und um 2 Uhr nachts in den Ofen geschoben. Das Rezept ist allerdings ein Betriebsgeheimnis.

Erfolgreicher hätte der Verkauf nicht sein können. Innerhalb von 30 Minuten war bereits die Hälfte weg. „Gernsbach scheint ausgehungert zu sein“, freut sich Geiser schmunzelnd. „Man macht sich ja Gedanken und es ist schön, wenn das Angebot angenommen wird.“

Der ehemalige Feuerwehrmann leistet auch in seiner Metzgerei einen finanziellen Beitrag für die Flutopfer. Dort hat er vergangene und diese Woche jeweils eine Ein-Kilo-Schale Fleischkäse für fünf Euro verkauft: „Zwei Euro pro Schale gehen nach Schuld.“ Die Aktion läuft noch am Samstag, 31. Juli.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
31. Juli 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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