Gernsbach: Im Jugendhaus endet eine Ära

Gernsbach (vgk) – Die Stimmung unter den Besuchern war am Freitagabend nicht die fröhlichste. Denn das Ende des Kinder- und Jugendhauses in der Schwarzwaldstraße rückte mit jeder Minute näher.

Jetzt heißt es erst mal Abschied nehmen. Im Frühjahr soll das umgebaute Jugendhaus wieder eröffnen – unter neuer Trägerschaft. Foto: Veronika Gareus-Kugel

© vgk

Jetzt heißt es erst mal Abschied nehmen. Im Frühjahr soll das umgebaute Jugendhaus wieder eröffnen – unter neuer Trägerschaft. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Nach 25 Jahren in städtischer Trägerschaft schlossen sich in dieser Nacht die Türen der Einrichtung. In den nächsten Tagen soll der Umbau beginnen. Neueröffnung ist für Frühjahr geplant.

Dass das Haus über den Winter geschlossen bleiben soll, finden die meisten der jungen Besucher überhaupt nicht gut. Zum einen, weil nicht ganz klar ist, wo Platz für sie sein wird, wie die 15-jährige Paula darlegt. Zudem werde es langsam Winter „und hier im Haus ist es schön warm“, wie Talya (16) ausführt. Sie wehrt sich außerdem gegen das in ihren Augen ramponierte Ansehen des Jugendhauses. „Erwachsene schätzen den Ruf des Jugendhauses als schlecht ein“, sagt Talya und meint damit die geäußerten Meinungen zu Drogen- und Alkoholkonsum in der Einrichtung. „Es gibt Regeln, und dann sind da noch Mathias Winter und Friedemann Roth. Der Winter ohne Jugendhaus wird hart“, bekräftigt die Schülerin.

„Ich finde es sehr traurig. Hier ist es warm, und es macht uns einfach Spaß, hier zu sein“, meint auch Marvin (14). Der 19-jährige Auszubildende Mahood fügt ergänzend hinzu: „Hier wird man mit Respekt und Würde behandelt. Auch lassen sich neue Freundschaften finden.“

Internationaler Bund ist neuer Träger

Bedauert wird ferner, dass nach jetzigem Stand der Dinge „Friedi und Winter“, wie die pädagogischen Kräfte liebevoll genannt werden, später nicht mehr Teil des Jugendhaus-Teams sein sollen. „Friedi muss bleiben“, betont Viktoria (16) und Paula sowie Leoni, Ilona (beide 15), Lea (16) und die anderen pflichten ihr bei. Denn, so argumentiert Lea: „Er kennt uns alle seit zwei Jahren“ und er wäre in der Zeit der Veränderung für die Besucher ein stückweit Kontinuität. Sozialpädagoge Mathias Winter leitete die Einrichtung 14 Jahre. Für ihn beginnt der Ruhestand.

Auch ist unter den Jugendlichen noch lange nicht ausgemacht, wie mit dem neuen Träger, dem Internationalen Bund (IB), ein freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit, umzugehen sei. Anschauen will man sich die neugestaltete Einrichtung schon, doch ob es danach ein Wiedersehen geben wird, ist zum Beispiel Paula bislang nicht klar.

Ihr Autor

Veronika Gareus-Kugel

Zum Artikel

Erstellt:
1. November 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 03sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.