Gernsbach: Mildes Urteil gegen Schafhalter

Von Veronika Gareus-Kugel

Murgtal (vgk) – Das Amtsgericht stellt ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein.

Gernsbach: Mildes Urteil gegen Schafhalter

Lämmchen sind empfindlich und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Symbolfoto: Jens Büttner/ dpa

Mit einem vergleichsweisen milden Urteil endete am Mittwoch vor dem Amtsgericht Gernsbach das Verfahren gegen einen Schafhalter aus Gaggenau wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Ohne Einschränkung folgte Richter Ekkhart Koch dem Vorschlag der Verteidigung, 500 Euro Bußgeld zu verhängen – zahlbar bis zum 1. Dezember 2020 an das Tierheim Rastatt. Der Schafhalter muss zudem an einem der nächsten Kurse für Geburtshilfe für Schafe an der Lehr- und Versuchsanstalt Neumühle teilnehmen und darüber einen Nachweis erbringen. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt.

Mehr als drei Stunden wurde vor dem Gernsbacher Amtsgericht am Mittwoch in dieser Sache verhandelt, bis das Urteil gesprochen werden konnte. Dem Tierhalter wurde in einem Zeitraum zwischen 15. November und 12. Dezember 2018 eine fehlerhafte, unregelmäßige und falsche Ernährung der von einem Schafhalter aus Weisenbach überlassenen zwölf Lämmer zur Last gelegt. Dies habe zur Folge gehabt, dass den Jungtieren unnötige Schmerzen zugefügt wurden. Drei der nur wenigen Tage alten Schäfchen waren deshalb in einer so schlechten Verfassung, dass sie aus dem Bestand genommen werden mussten, wie die aussagenden Amtstierärzte darlegten.

Gekrümmte Rücken, apathisches Verhalten

Eines der sich in lebensbedrohlichem Zustand befindlichen Tiere wurde sogleich von einem Tierarzt behandelt. Die bei einem vom Amt beauftragten Schafhalter untergebrachten beiden anderen Jungtiere benötigten am Tag darauf tierärztliche Betreuung, um ihr Überleben zu sichern. Acht der ursprünglich zwölf Tiere gingen wieder an den Weisenbacher Schafbesitzer zurück, was dieser auch bestätigte.

Seit neun Jahren beschäftige er sich mit der Schafzucht, führte der Angeklagte zu seiner Person aus. Von einem Gernsbacher habe er zudem 2013 den Schafstall auf dem Kugelberg sowie den kompletten Schafbestand übernommen. Dabei handele es sich ausschließlich um Muttertiere und Lämmer. Er würde sich mit Schafen auskennen, beteuerte der Mann, dessen familiäre Wurzeln auf dem Balkan liegen, auf Nachfrage von Koch.

Spaziergänger, die das laute Blöken der Lämmer hörten, riefen das Veterinäramt Rastatt auf den Plan, das mehrfach vor Ort zur Kontrolle erschien. Gleichwohl beteuerte der Angeklagte, alles richtig gemacht und die Tiere regelmäßig gefüttert zu haben.

Die Amtsveterinäre berichteten hingegen von gekrümmten Rücken und apathischem Verhalten der drei Lämmer, die auf Schmerzen hindeuteten. Ebenfalls seien die erkrankten Jungtiere 24 Stunden ohne tierärztliche Betreuung geblieben.

Dies sei nicht seine Schuld gewesen, argumentierte der Angeklagte. Schließlich habe der hinzugezogene Tierarzt eine Weiterbehandlung des Bestandes abgelehnt. Er habe sich immer um ein adäquates Gesundheitsmanagement seiner Schafe bemüht.

Eine große Rolle während der Verhandlung spielte das Alter der Tiere, weshalb der hinzugezogene Gutachter aus Gießen keine eindeutige Aussage über den Ernährungszustand der Lämmer treffen konnte.

Acht Stunden ohne Futter sind zu lang

Dieser zeichnete ein differenziertes Bild einer geeigneten Fütterung von Jungschafen auf, was beispielsweise im Rahmen einer Handaufzucht zu beachten sei und wie sich diesbezügliche Fehler äußern können. Zudem legte der Sachverständige dar, dass eine Fütterungspause von acht Stunden für wenige Tage alte Lämmer eine Gefahr für die Gesundheit der Tiere bedeute.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah den Tatbestand des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz als erbracht, schloss sich jedoch nach kurzer Unterredung mit den am Verfahren Beteiligten dem Urteilsspruch an.