Gernsbach bleibt ohne Baumschutzsatzung

Gernsbach (stj) – Obwohl fast alle Gemeinderäte auch gute Argumente für eine Baumschutzsatzung hatten, fand der Antrag der Grünen, eine solche für Gernsbach aufzustellen, keine Mehrheit.

Prachtexemplar: Urbanes Grün wie hier am Bahnhof leistet unter anderem einen großen Beitrag zur Bindung des Treibhausgases Kohlendioxid. Foto: Stephan Juch

© stj

Prachtexemplar: Urbanes Grün wie hier am Bahnhof leistet unter anderem einen großen Beitrag zur Bindung des Treibhausgases Kohlendioxid. Foto: Stephan Juch

Neben den vier Mandatsträgern der Grünen stimmten lediglich die komplette CDU-Fraktion und Christian Morgenstern (SPD) dafür.

Letzterer fand es „bemerkenswert, dass wir uns alle über Herrn Bolsonaro in Brasilien aufregen und vor der eigenen Tür ist es uns egal“. Dieser Vergleich zum Gebaren des Präsidenten im Amazonas-Regenwald ist natürlich sehr überspitzt, denn in Gernsbach werden keinesfalls massenhaft Bäume einfach zur wirtschaftlichen Ausbeutung abgeholzt. Dennoch steckt natürlich auch ein Fünkchen Wahrheit dahinter, gerade wenn man auf die Entwicklung des urbanen Grüns in der Papiermacherstadt blickt. Genau um dieses besser zu schützen, stellten die Grünen ihren Antrag. Denn der Erhalt des Baumbestands in Gernsbach sei wichtig für die Abkühlung der Innerortslagen im Sommer und ein kostengünstiger Beitrag zur Bindung des Treibhausgases Kohlendioxid. Die Dringlichkeit des Klimaschutzes steige Jahr für Jahr, betonte Fraktionsvorsitzender Stefan Krieg, weshalb eine Baumschutzsatzung ein klares Zeichen wäre, dem entgegenzuwirken und zu unterstreichen, „dass wir eine grüne Stadt sind“.

Christ: „Ich kann das gut nachvollziehen“

„Ich kann das gut nachvollziehen“, betonte Bürgermeister Julian Christ. Dennoch sprach er sich gegen die Baumschutzsatzung aus, weil die Verwaltung schlicht kein Personal habe, eine solche auch zu vollziehen. Er nannte das Beispiel Schottergärten, deren Verbot durch die Landesregierung seitens der Stadt schon kaum zu kontrollieren sei. „Das alles geht nicht ohne mehr Personal“, so Christ. Unterstützung kam von Uwe Meyer. Der Förster, der auch Fraktionschef der Freien Bürger ist, meinte zwar, eine Baumschutzsatzung habe sicherlich Sinn, der große Verwaltungsaufwand dahinter sei aber für Gernsbach nicht leistbar, zumal dafür entsprechende Fachkompetenz vorhanden sein müsse. „Wenn wir im öffentlichen Bereich unsere Hausaufgaben machen über baurechtliche Vorgaben, haben wir sehr viel erreicht“, meinte Meyer und betonte, die Stadtverwaltung sei diesbezüglich sehr sensibel unterwegs.

SPD-Fraktionssprecherin Dr. Irene Schneid-Horn stimmte den Ausführungen Meyers zu und verwies darauf, dass es schon jetzt viele Satzungen in der Stadt gebe, deren Einhaltung man kaum nachkomme – etwa im Blick auf die Altstadt. Dr. Alexander Hoff (Freie Bürger) brachte eine juristische Sichtweise als Gegenargument ein: Man spreche hier über Bäume im Privatbereich und damit über einen „enteignungsgleichen Eingriff“. Ein solcher müsse verhältnismäßig sein – und das sei bei über 80 Prozent Waldanteil auf Gemarkungsfläche Gernsbach nicht der Fall.

Einen Fürsprecher fand der Antrag der Grünen in der CDU-Fraktion. „Uns ist schon klar, dass wir mit einer Baumschutzverordnung nicht das Weltklima retten können. Aber wir können durch eine Baumschutzverordnung das innerstädtische Klima für unsere Bürger verbessern“, erklärte Stefan Eisenbarth und zählte einige Gründe auf, warum Bäume in der Stadt so wichtig und schützenswert seien:

- Bäume produzieren wie alle Pflanzen auf der Erde Sauerstoff. Schon ein kleiner Baum von nur rund 20 Metern Höhe produziert circa 10.000 Liter Sauerstoff am Tag. Das reicht für bis zu zehn Menschen, die am Tag je 500 bis 2.000 Liter Sauerstoff benötigen.

- Bäume gelten als die „Grüne Lunge“ der Städte. Das kommt davon, dass sie Stäube und Partikel aus der Luft filtern. Ein Baum filtert über seine Blätter oder Nadeln bis zu 100 Kilogramm Staub pro Jahr aus der Luft. Bei Regen fließt der gesammelte Staub am Stamm entlang in den Boden ab und ist dauerhaft aus der Luft entnommen.

- Bäume sind hervorragende Schattenspender. Im Sommer nutzen wir sie als natürlichen Sonnenschutz. Ein einziger Baum verdunstet bis zu 500 Liter Wasser am Tag und leistet die Kühlleistung von bis zu 15 Klimaanlagen. Das bedeutet, dass an heißen Sommertagen im Schatten der Bäume die gefühlte Temperatur circa zehn bis 15 Grad niedriger liegt. Auch senkt er die Windgeschwindigkeit um 85 Prozent.

- Es gibt viele weitere Gründe, warum Bäume für uns und unsere Umwelt wichtig sind: Als Nahrungsquelle für viele Insekten, Vögel und Kleinsäuger, aber auch als wichtiger Kohlenstoffspeicher.

15 Gemeinderäte stimmen gegen weitere Satzung

15 Gemeinderäte aus den Reihen der Freien Bürger, der SPD und das Ehepaar Voigt (parteilos) sprachen sich nach intensiver Diskussion schließlich dagegen aus, der Stadt Gernsbach eine Baumschutzsatzung zu verordnen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.