Gernsbach braucht neuen Marktmeister

Gernsbach (stj) – Mit Walter Westhoff verabschiedet sich so etwas wie der „Vater“ des Wochenmarkts aus Gernsbach. Für ihn muss nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin her.

Bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen des Wochenmarkts am Standort Salmengasse überreicht Bürgermeister Julian Christ im September 2018 dem langjährigen Marktmeister Walter Westhoff (links) ein Präsent. Darüber freut sich auch Clown Schorsch. Foto: Stadt Gernsbach

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Bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen des Wochenmarkts am Standort Salmengasse überreicht Bürgermeister Julian Christ im September 2018 dem langjährigen Marktmeister Walter Westhoff (links) ein Präsent. Darüber freut sich auch Clown Schorsch. Foto: Stadt Gernsbach

Walter Westhoff hat diese längst zum Inventar der Papiermacherstadt gehörende Einrichtung, die eine ganz wichtige Funktion in der Nahversorgung und im Zusammenleben der Bürger übernimmt, vor fast zwei Jahrzehnten initiiert. 18 Jahre lang fungierte er in der Stadt als Marktmeister. Aus gesundheitlichen Gründen ist Westhoff nun in den Ruhestand gegangen.

„Derzeit haben wir über die Wiederbesetzung des Postens als Marktleiter noch keine aktuellen Informationen vorliegen“, teilt die Stadt Gernsbach auf BT-Anfrage mit. Aus der Stellungnahme von Bürgermeister Julian Christ kann man raushören, dass der Verlust groß ist – nicht nur für den Wochenmarkt: „Herr Westhoff hat stets Impulse für die Weiterentwicklung beziehungsweise für den Erhalt des Wochenmarkts gegeben und sich mit großem Engagement als Marktmeister eingebracht“, betont das Stadtoberhaupt.

In vielen weiteren Bereichen aktiv im öffentlichen Leben der Stadt

Westhoff war nicht nur für das (in der Regel) freitägliche Wochenmarktgeschehen im Einsatz, sondern brachte sich in vielen weiteren Bereichen aktiv ins öffentliche Leben der Stadt Gernsbach ein – nicht zuletzt im Gewerbeverein, dessen Vorsitzender er mehrere Jahre lang war. Kommunalpolitisch engagierte sich der in der Verkaufsförderung selbstständige Unternehmer unter anderem als zweiter Vorsitzender bis 2013 für die Freie Bürgervereinigung. Gesellschaftlich setzte der inzwischen 67-Jährige zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen des Altstadtsommers um, und die Gernsbacher Weihnachtstafel in den Zehntscheuern ging ebenfalls auf seine Initiative zurück. Auch vor ungewöhnlichen Aktionen schreckte der Mann nicht zurück: So holte er im Juli 2013 drei Merino-Fleischschafe von Joachim Lohmann auf den historischen Marktplatz, die dort Gras und Wildkraut vom Kopfsteinpflaster abfressen sollten – was sie auch taten. Mit dieser symbolischen Aktion wollten die Gewerbetreibenden auf die Gemeinschaftsaufgabe hinweisen, den Platz zu pflegen. Es reiche nicht, nur Tische und Stühle unter Schirme zu stellen, man müsse auch darunter sauber halten.

In seine Zeit als Vorsitzender des Gewerbevereins Gernsbach fiel die Gründung des Wochenmarkts. Vorher habe es zwar schon zwei, drei Anläufe anderer Organisatoren gegeben, „aber funktioniert hat es nicht“, blickt Walter Westhoff im BT-Gespräch zurück. Der Urmarkt stand in der Altstadt rund um den Metzgerbrunnen. Da das für die Beschicker aber schwierig war, zog der Wochenmarkt um. Weitere Plätze waren die Amtsstraße, der Rathausplatz, die Gerbergasse und der Färbertorplatz. Seit 2003 lockt der Gernsbacher Wochenmarkt an (fast) jedem Freitagvormittag mit durchschnittlich rund 15 Marktständen an den aktuellen Standort in der Salmengasse. „Der Markt hat sich super entwickelt“, zeigt sich Westhoff stolz über die positive Resonanz der Bevölkerung.

Ein Schwätzchen gehört einfach dazu

Ob Spießbraten aus heimischer Schlachtung, Obst und Gemüse aus der Region, schlesische und badische Wurstwaren, Spezialitäten aus Italien oder französische Baguettes und Backwaren: Für fast jeden Geschmack findet sich Passendes. Ein „Käffchen“ – gerne auch mit einem leckeren Stück Kuchen – am Häfele-Stand ist für viele Gernsbacher Kult. Hier erfährt man die Neuigkeiten in der Stadt, weshalb der Wochenmarkt auch für die Lokalreporter des BT stets eine wichtige Anlaufstelle ist. Zumal sich am Stand der Bürgerinformation regelmäßig Vereine, Gewerbetreibende, Parteien, Bürgerinitiativen, Schulen und auch die Stadt Gernsbach selbst präsentieren.

„Ein Schwätzchen gehört einfach dazu“, sagen nicht nur die Stammgäste des Wochenmarkts. Auch der langjährige Marktleiter Walter Westhoff war dafür gerne zu haben. Auf ihn wird man in Gernsbach künftig verzichten müssen – er hat die Stadt verlassen.

Idyllischer Standort mit Blick auf die Altstadt: Der Gernsbacher Wochenmarkt. Foto: Archiv

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Idyllischer Standort mit Blick auf die Altstadt: Der Gernsbacher Wochenmarkt. Foto: Archiv


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