Gernsbach die Stadt der Sonnenuhren

Gernsbach (vgk) – Rund 25 öffentliche Sonnenuhren gibt es in Gernsbach. Jetzt hat die Familie Melchert in der Kappler Straße eine „Westuhr“ an der Giebelwand ihres Hauses anbringen lassen.

Udo und Claudia Melchert zeigen sich jetzt fit auf dem Gebiet der Sonnenuhrenkunde. Ihr Haus in der Kappler Straße ziert eine „Westuhr“. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Udo und Claudia Melchert zeigen sich jetzt fit auf dem Gebiet der Sonnenuhrenkunde. Ihr Haus in der Kappler Straße ziert eine „Westuhr“. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Für Tageslichtfans war der vergangene Montag einer der wichtigsten Tage des Jahres. Zeitgleich mit der Wintersonnwende am 21. Dezember um 11.02 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) war astronomischer Winterbeginn. Die längste Nacht des Jahres dauert aus diesem Anlass um die 16 Stunden. Danach kommt das Licht zurück. An diesem Tag bildet der Schatten der Sonne, sofern diese scheinen sollte, mit der oberen Linie der Sonnenuhr eine Einheit, erklärt Udo Melchert und schaut an seiner sonnengelben Fassade hoch.

Die nach Westen ausgerichtete Giebelwand des Hauses in der Kappler Straße ziert seit Oktober eine gut sichtbare „Westuhr“ oder „Nachmittagsuhr“, wie der Sonnenuhr-Fachmann Gerhard Schäuble dazu ausführte. Die Wandsonnenuhr ist zweifelsohne mit ihren geschwungenen satten schwarzen Linien ein Blickfang und i-Tüpfelchen gelungener Handwerkskunst, desgleichen ein mathematisches Kunstwerk.

Schon die alten Hochkulturen entlang des Nils oder in Mesopotamien sowie in der Antike bedienten sich der Sonnenzeit, um das Jahr zu strukturieren, Aussaat und Ernten zu bestimmen. Sonnenuhren waren noch bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.

Gerhard Schäuble übernimmt Planungen

Sie sind faszinierende Objekte, findet auch Hausbesitzer Melchert. Zunächst stand für die Familie jedoch die Fassadensanierung im Mittelpunkt. Im Anschluss daran reifte die Idee mit der Sonnenuhr heran. Als Fachmann zog man den Gernsbacher Spezialisten für diese Art der Uhren zurate. Schäuble zeigte sich sogleich begeistert und übernahm die Planungen.

Von diesem Moment an sollte es aber noch gut ein Jahr dauern, bis jede Linie, jede Zahl, die Achterschleife, Markierungen für Winter- und Sommersonnwende sowie Tag- und Nachtgleiche ihren richtigen Platz gefunden hatten (siehe zum Thema). „Zwei Mal musste der Zeiger umgesetzt werden“, berichtete Melchert von den Schwierigkeiten.

Zuerst hatte die Skepsis, angesichts einer solchen langwierigen Angelegenheit, die Oberhand.

Ende August 2019 an einem Sonntag wurde die erste Markierung gesetzt. Im Anschluss daran folgte die nächste zur Tag- und Nachtgleiche am 22. September des gleichen Jahres. Diese bildeten die Basis für alle anderen noch kommenden wichtigen Kennzeichnungen. Um der Genauigkeit willen machen diese nur im Zusammenhang mit den gültigen astronomischen Daten Sinn. Was zudem bedeutete, dass die Familie ein Jahr mit einem Gerüst vor ihren Fenstern zu leben hatte.

Gemeinsam mit einem Malerbetrieb aus Weisenbach machte sich die Familien ans Werk, um die Uhr zum „Laufen“ zu bringen. Für die Markierung der Zeitschleife war unter anderem ein Glockenschlag von einer der Kirchturmuhren ausschlaggebend.

Im Jahr 2020 angekommen, wurde im März die erste Tag- und Nachtgleiche des Jahres eingezeichnet und am 22. Juni die Sommersonnwende. Nach gut einem Jahr war die Uhr dann fertig.

Ganz zum Schluss machte sich das Ehepaar noch Gedanken um den Sinnspruch „Die Sonne scheint für alle“ (links oben) und die Ausführung des Monogramms mit der Jahreszahl (rechts unten).

Udo Melchert freut sich über das Ergebnis

„Das Ergebnis ist gut geworden“, freut sich Udo Melchert noch immer. Außerdem verfüge die Familie jetzt über fundierte Kenntnisse in Sonnenuhrenkunde und Grafik, fügt seine Frau Claudia ergänzend hinzu.

Für beide bedeutet ihre Sonnenuhr auch ein stückweit Identifikation mit der Stadt, in der sie seit 2005 ihren Lebensmittelpunkt haben. Gleichfalls ist das Kunstwerk ein praktisches Erkennungszeichen für anreisende Feriengäste.

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Erstellt:
23. Dezember 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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