Gernsbacher Eltern fühlen sich im Stich gelassen

Gernsbach (stj) – Der Start ins Schuljahr an der Von-Drais-Schule verlief gut. Dennoch sind Schulleitung und Eltern nicht ganz zufrieden. Sie monieren fehlende Unterstützung seitens der Stadt.

Die Von-Drais-Grundschule ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Die Stadt denkt angesichts der Notwendigkeit, bald eine Ganztagsgrundschule vorhalten zu müssen, über einen Neubau nach. Wo und wann dieser entsteht, ist nicht bekannt. Foto: Stephan Juch/Archiv

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Die Von-Drais-Grundschule ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Die Stadt denkt angesichts der Notwendigkeit, bald eine Ganztagsgrundschule vorhalten zu müssen, über einen Neubau nach. Wo und wann dieser entsteht, ist nicht bekannt. Foto: Stephan Juch/Archiv

„Der Schulstart ist sehr gut gelaufen.“ Dieses Fazit nach der ersten Unterrichtswoche gilt für die Von-Drais-Schule allerdings nur für die Bereiche, die sie in Eigenregie verantwortet. Was den Schulträger, die Stadt Gernsbach, hingegen betrifft, fühlt man sich an der Gemeinschaftsschule ein Stück weit im Stich gelassen. Das betonen einige Eltern gegenüber dem BT, auch der Elternbeirat ist unzufrieden.

Rektorin Felicitas Heck informiert darüber, schon vor einigen Monaten bei der Stadt beantragt zu haben, einige Klassenzimmer mit Luftfilteranlagen auszustatten. Auch den Lolli-PCR-Gruppentest würde man an der Von-Drais-Schule gerne einsetzen, sagt Heck. Doch auch auf diese Anregung sei vom Schulträger bisher noch keinerlei Reaktion erfolgt. Im Vorfeld des Schulstarts am Montag habe es keinen Kontakt zur Schulleitung gegeben, berichtet Felicitas Heck: „Wir hängen etwas in der Luft.“

Selbiges gilt für den Elternbeirat. Der hat in Person der Vorsitzenden Fatma Walter Ende Juli ein Schreiben an Bürgermeister Julian Christ aufgesetzt, in dem das Gremium den Antrag auf geeignete Luftreiniger für die Klassenzimmer stellt. „Die bestmögliche Bildung unserer Kinder muss uns ein Anliegen sein und wir sollten alles tun, um den so nötigen und wichtigen Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten. Dafür müssen die Schüler unserer Stadt Gernsbach bestmöglich geschützt werden und die Schulen jetzt mit allen technisch möglichen Einrichtungen auf ein wieder steigendes Infektionsrisiko vorbereitet werden“, heißt es in dem Brief an den Schultes.

CO2-Melder aus Schul-Etat beschafft

Eine Antwort aus dem Rathaus habe es zwar gegeben, doch eine wenig zufriedenstellende: Es sei lediglich eine Begehung und Begutachtung der Von-Drais-Schule angekündigt worden – versehen mit dem Hinweis, dass es nicht möglich sein werde, alle Klassenräume mit entsprechenden Gerätschaften auszustatten. Ob die Begehung inzwischen stattgefunden hat, weiß die Elternbeiratsvorsitzende nicht, sie hatte allerdings darum gebeten, dabei sein zu dürfen.

Während man im ganzen Land eifrig darüber diskutiert, ob und wie man Klassenzimmer und Betreuungseinrichtungen wie Kindertagesstätten am besten schützen kann, spielt das Thema im öffentlichen kommunalpolitischen Diskurs der Papiermacherstadt bisher keine Rolle.

Das bringt einige Eltern – vor allem von Grundschülern der Von-Drais-Schule – auf die Palme. Zum einen gibt es dort verhältnismäßig große Klassen (26, 27 Schüler), zum anderen sind die Räume dort relativ klein. Abstände einzuhalten ist also kaum möglich, hinzu kommt, dass es für die unter Zwölfjährigen noch keine Impfmöglichkeit gibt. „Wir fühlen uns etwas ignoriert“, stellt Rektorin Heck fest und hat Verständnis für die Sorgen der Eltern. Viele von ihnen haben zum Schuljahresstart ihren Unmut über die Situation gegenüber dem Elternbeirat zum Ausdruck gebracht. Doch die Möglichkeit der Einflussnahme ist in diesem Ehrenamt sehr gering. Mehr als um entsprechende Investitionen zu bitten, kann man kaum tun. Das zeigen die nach wie vor katastrophalen Zustände im Sanitärbereich der Grundschule, die schon mehrfach angemahnt worden sind.

Sanitärraume in katastrophalem Zustand

Eltern berichten darüber, dass sich ihre Kinder nicht mehr trauten, dort auf die Toilette zu gehen. Wie es dort weitergeht, weiß auch Heck nicht. Bekanntermaßen ist die Stadt Gernsbach in der Pflicht, bis 2026 im Grundschulbereich ein Ganztagsangebot vorzuhalten. Das soll an der Von-Drais-Schule geschehen, die dafür aber nicht genügend Platz bietet. Deshalb ist nun ein Neubau im Gespräch. Wann und wo dieser realisiert werden soll, steht aber noch nicht fest.

Wie kommt dann Felicitas Heck zur Feststellung, der Schulstart sei gut gelaufen? Das liegt daran, „dass wir alles gut vorbereitet haben“, lobt sie ihr Kollegium, das alles daran setze, das Test- und Hygienekonzept bestmöglich umzusetzen. Zwar verliere man bei den Tests, die ab 27. September dreimal wöchentlich unter Aufsicht der Lehrer durchgeführt werden müssen, jeweils eine Unterrichtsstunde, was Heck als bedauerlich bezeichnet.

Dafür habe man es aber geschafft, in diesem Schuljahr wieder alle üblichen Arbeitsgemeinschaften ins Angebot aufzunehmen und die AGs sogar zu erweitern. Auch gibt es schon seit Dienstag wieder ein warmes Mittagessen an der Von-Drais-Schule. Und was die Corona-Schutzmaßnahmen anbelangt, so verfügt die Gemeinschaftsschule bereits seit vergangenem Schuljahr über sogenannte CO2-Melder: Die hat sich die Von-Drais-Schule über ihren regulären Schuletat selbst angeschafft.

Wie die Stadt Gernsbach die Situation an ihren Schulen zum Start ins neue Schuljahr, gerade im Blick auf die Ausstattung mit Luftraumfiltern, einschätzt, war trotz entsprechender BT-Anfrage bis gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Anspruch und Wirklichkeit: Ein Kommentar von Stephan Juch

Dass Eltern von Schülern der Von-Drais-Grundschule unzufrieden sind, ist absolut nachvollziehbar. Seit gut einem Jahrzehnt ist der bauliche Zustand des Gebäudes mehr als bedenklich, vor allem die Sanitärräume sind einer Grundschule unwürdig. Im Gemeinderat fiel gar das Wort „entwürdigend“, als man über die Toiletten sprach, auf die sich manche Grundschüler schon längst nicht mehr trauen, weil sie sich ekeln. Nun ist es zwar nachvollziehbar, dass der Schulträger nicht groß in ein Gebäude investiert, das wahrscheinlich abgerissen wird. Es ist aber inakzeptabel, dass man es überhaupt soweit hat kommen lassen. Grundschüler brauchen hygienisch einwandfreie Zustände, nicht nur in Zeiten einer Pandemie, sondern immer. Dass man Schulleitung und Eltern diesbezüglich seit Jahren vertröstet, ist schlimm genug. Dass jetzt auch noch wegen der aktuellen Corona-Situation besorgte Mütter und Väter das Gefühl haben, die Stadt kümmere sich nicht ausreichend um den Schutz ihrer Kinder, lässt sich mit dem Anspruch, eine familienfreundliche Kommune zu sein, nicht vereinbaren. Es ist egal, wie die Zukunft der Von-Drais-Grundschule aussieht: Die Kinder, die sie jetzt besuchen, haben das Recht auf bestmögliche Rahmenbedingungen – jetzt, nicht erst irgendwann.


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