Gernsbacher Literatur-Professor wird 80

Gernsbach (ueb) – Der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Professor Hans-Christoph Graf von Nayhauss wird am 18. Dezember 80 Jahre alt. Große Verdienste hat er auch um die Kulturgemeinde.

Der 80. Geburtstag ist für Hans-Christoph Graf von Nayhauss kein Grund, ans literarische Aufhören zu denken. Im Gegenteil: „Verstreutes aus vier Jahrzehnten“ entsteht am Computer und eine „Geschichte der Kulturgemeinde“ ist ebenfalls in Arbeit. Foto: Dagmar Uebel

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Der 80. Geburtstag ist für Hans-Christoph Graf von Nayhauss kein Grund, ans literarische Aufhören zu denken. Im Gegenteil: „Verstreutes aus vier Jahrzehnten“ entsteht am Computer und eine „Geschichte der Kulturgemeinde“ ist ebenfalls in Arbeit. Foto: Dagmar Uebel

„Ich habe viel Glück gehabt.“ Diese mit einem leichten Lächeln gegebene Erklärung allein reicht nicht aus, um sich auf der Visitenkarte zusätzlich zum Namen Hans-Christoph Graf von Nayhauss-Cormons als Träger zweier Doktor- und eines Professorentitels ausweisen zu können. Da gehört schon einiges an Lebensleistung dazu, um solche Titel zu erhalten.

Am 18. Dezember 1940 als Sohn eines Offiziers und Agrar-Ingenieurs in Schlesien geboren, absolvierte Hans-Christoph Graf von Nayhauss nach seinem Studium der Germanistik und Geschichte in Göttingen und Freiburg beide Staatsexamen für das höhere Lehramt. Und das so erfolgreich, dass seine Zulassungsarbeit zum Ersten Staatsexamen auch als Dissertation anerkannt wurde und er das Zweite Staatsexamen mit Auszeichnung bestand. Später folgte an der Universität Breslau, der Heimatuniversität der Familie von Nayhauss, zusätzlich seine Habilitation für deutsche Literaturgeschichte.

Bis 1972 im gymnasialen Schuldienst tätig, war er ab 1971 zugleich Dozent und bis zu seiner Pensionierung 2007 Professor für deutsche Literatur und Literaturdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Bis 2017 war Hans-Christoph Graf von Nayhauss ebenda Lehrbeauftragter. Keinesfalls zu vergessen sind seine Tätigkeiten in weiter zurückliegenden Jahren als Begründer und Chefredakteur der Zeitschrift „karlsruher pädagogische beiträge“ und in der von ihm begründeten und geleiteten „Forschungsstelle zur Rezeption und Didaktik deutschsprachiger Literaturen in nicht deutschsprachigen Ländern“. Im Rahmen dieser entstanden 21 Doktorarbeiten, bei denen Graf von Nayhauss als Erst- oder im Ausland als Zweitgutachter tätig war.

Ehrenprofessor an der Universität Shanghai

Die Pädagogische Universität Omsk, die Michail-Scholochow-Universität Moskau und die Kuban-Universität Krasnodar verliehen Nayhauss den Ehrendoktortitel, an der Universität Shanghai ist er Ehrenprofessor. Im Jahr 2000 nahmen seine Kollegen seinen 60. Geburtstag und sieben Jahre später sein Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zum Anlass, Graf von Nayhauss mit Festschriften zu ehren. 2018 verlieh ihm die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die goldene Doktorurkunde für 50 Jahre Promotion.

War sein erstes Werk „Lese- und Arbeitsbuch zur höfisch-ritterlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts“, 1976 veröffentlicht, thematisch noch im Mittelalter angesiedelt, widmete er sich in seinen folgenden zahlreichen Schriften vielfältigen literarischen Themen. Sie reichen von Kurzgeschichten über Reiseführer und Textanalysen bis zu Betrachtungen zur deutschen und fremdkulturellen Gegenwartsliteratur.

Sein aktuellstes Buch „Wege mit Kafka – Wege der Literaturwissenschaft“, fast noch druckfrisch, widmet er dem Schriftsteller, dessen feinsinnige, tiefgründige Gleichnisse von manchen „auf rätselhafte Weise als unheimlich bedrohlich“ empfunden werden.

Nach einem Lebensmotto gefragt, zitiert der Jubilar Kafka. Dessen „Meine Geschichten sind eine Art von Augenschließen“ sind Worte, die auch noch lange nach Gesprächsende nachhallen und nach Selbstreflexion suchen.

Der heutige Geburtstag ist für Hans-Christoph Graf von Nayhauss kein Grund, ans literarische Aufhören zu denken. Im Gegenteil: „Verstreutes aus vier Jahrzehnten“ entsteht am Computer – und eine „Geschichte der Kulturgemeinde“ ist ebenfalls in Arbeit. Und damit ein Projekt, mit dem es ihm, seit 2005 Vorsitzender der Kulturgemeinde Gernsbach, bisher gelang, mehr als 80 deutsche Gegenwartsschriftsteller und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Lesungen und Vorträgen nach Gernsbach zu holen. Von Nayhauss wird etwas nachdenklicher: „Vieles hat sich im Kulturbereich verändert, die Leute lesen einfach zu wenig.“

Aus Corona-Gründen können Hans-Christoph und seine Frau Barbara-Uta den 80. nicht so feiern wie gedacht. Eine ganz besondere Freude aber hebt sich Graf von Nayhauss bis zum Schluss des BT-Gesprächs auf. „Wenn das Gerücht stimmt“, so der Jubilar bedeutungsvoll lächelnd, „wollen auch meine ägyptischen Kollegen mich an meinem 80. Geburtstag mit einer Festschrift ehren“.


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