Gernsbacher Sonnenhof vor Wiederbelebung

Gernsbach (stj) – Wegen ansteigender Zuweisungen von Flüchtlingen rückt der „Sonnenhof“ in Gernsbach wieder als Flüchtlingsunterkunft in den Fokus.

Der Parkplatz des Sonnenhofs wird derzeit als Lagerplatz für umliegende Baustellen genutzt. Foto: Stephan Juch

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Der Parkplatz des Sonnenhofs wird derzeit als Lagerplatz für umliegende Baustellen genutzt. Foto: Stephan Juch

Es kommen wieder mehr Flüchtlinge in den Landkreis Rastatt. Auch wegen der Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie sei man bei der Unterbringung inzwischen an der Kapazitätsgrenze angelangt. Deshalb rückt unter anderem der „Sonnenhof“ in Gernsbach wieder ins Blickfeld des Landratsamts.

Darauf macht die Behörde auf BT-Anfrage aufmerksam: Weil nach der aktuellen Lage – allen voran natürlich in Afghanistan – damit zu rechnen sei, dass sich die Zuweisungen von Flüchtlingen in den nächsten Monaten weiter erhöhen werden, „bereitet sich der Landkreis Rastatt auf die Wiedereröffnung der geschlossenen Unterkunft in dem ehemaligen Hotel Sonnenhof in der Loffenauer Straße in Gernsbach vor“. Diese könne mit einem kurzen Vorlauf in Betrieb genommen werden. Ob die Platzkapazitäten in Gernsbach benötigt werden, könne aktuell noch nicht abschließend beurteilt werden. Im Sonnenhof stehen 145 Plätze zur Verfügung, auch eine Teilbelegung wäre denkbar, informiert das Landratsamt.

44 Jahre lang Hotel-Restaurant

Die Behörde hat die Immobilie seit 2014 für die Unterbringung von Asylsuchenden angemietet. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Als der Flüchtlingsstrom abnahm, hat der Landkreis bereits 2018 versucht, aus dem Mietvertrag rauszukommen. Geplant war, das frühere Hotel an die Stadt Gernsbach abzugeben, die es dann für die Anschlussunterbringung hätte nutzen sollen. Der Sonnenhof war der Stadt allerdings zu groß, die ihrerseits stärkeres Interesse am Haus Brandeck im Scheuerner Schwannweg zeigte. Dort wohnen nach wie vor Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung.

Der „Sonnenhof“ in Gernsbach hat eine lange Geschichte. 44 Jahre war er im Besitz der Familie Back, die dort ein Hotel-Restaurant betrieb, ehe die gastronomische Ära zum 31. August 2014 endete. Kurze Zeit später zogen die ersten Flüchtlinge in die 45 Zimmer sowie Tagungsräume ein. Ein Bus brachte am 26. September 2014 insgesamt 59 Asylsuchende aus 15 Nationen in die Loffenauer Straße. Dort fanden sie im „Sonnenhof“ ordentlich eingerichtete Zimmer samt Erstausstattung und eine Gemeinschaftsküche vor, genügend Platz für die Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, eine große Terrasse und einen tollen Blick auf die Papiermacherstadt. Und die Gernsbacher engagierten sich eifrig, um den neuen Mitbürgern, die aus allerlei Krisenherden der Welt ins Murgtal kamen, die Ankunft in einer friedlichen Umgebung und die Integration in die Gesellschaft so einfach wie möglich zu gestalten.

Isolierstation kommt nicht zum Einsatz

Das hat bis zuletzt prima geklappt, von großen Problemen ist in der Öffentlichkeit nichts bekannt. Zum 30. September 2019 wurde der Sonnenhof schließlich als Erstaufnahmeunterkunft geschlossen. Seither steht die Immobilie leer. Zwischenzeitlich waren die Einzelzimmer mit eigenen Bädern des einstigen Hotels zur Isolierstation umgerüstet worden, um im Notfall einer Überbelegung der Klinik in Balg Corona-Patienten aufnehmen zu können. Dieser Notfall trat aber nicht ein.


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