Geschäft mit den Corona-Tests zieht auch Diebe an

Karlsruhe (BNN) – Das Geschäft mit den Antigen-Schnelltests ist lukrativ. Deshalb haben es wohl auch Diebe darauf abgesehen. In der Region mehren sich die Einbrüche in Teststationen.

Schnelltests sind ein lukratives Geschäft. Das ruft in der Region auch vermehrt Einbrecher auf den Plan. Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Schnelltests sind ein lukratives Geschäft. Das ruft in der Region auch vermehrt Einbrecher auf den Plan. Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Andere Zeiten, andere Beute: Die Pandemie ändert offensichtlich auch den Fokus von Langfingern. Darauf deuten die Einbrüche in Corona-Teststationen hin, die sich seit einer guten Woche in der Region rund um Karlsruhe sowie im Landkreis Rastatt ereignet haben. Dabei wurden vereinzelt Schnelltest-Kits im Wert von insgesamt mehreren tausend Euro erbeutet.

Mit einem Einbruch in einen Test-Container in der Karlsruher Oststadt in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember begann die neueste Serie, die bis heute anhält. Dort wurden laut Polizei Schnelltests im Wert von 12.500 Euro erbeutet. Noch in der selben Nacht unternahmen drei bislang unbekannte Täter den Versuch, einen Container in der Südstadt zu knacken. Offenbar wurden sie dabei jedoch von einem Passant mit Hund gestört und zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Polizeipräsidium Offenburg meldet Angriff und Einbruch

Ebenfalls in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember wurde eine Corona-Teststation in Gernsbach Ziel einer Sachbeschädigung. Unbekannte warfen mit einer losen Bodenplatte die Schaufensterscheibe des Ladengeschäfts ein. „Gestohlen wurde dabei nichts“, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg auf Nachfrage.

Das Präsidium Offenburg ist auch für Durmersheim im Landkreis Rastatt zuständig. Dort wurde, ebenfalls in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember, auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarkts in der Karlsruher Straße ein Test-Container aufgebrochen. Entwendet wurde ein Karton mit Antigen-Schnelltests. Der Diebstahlschaden beläuft sich laut Polizei auf knapp 1.100 Euro.

3.750 Tests in Stutensee-Blankenloch gestohlen

Der jüngste Überfall ereignete sich dann in der Nacht vom vergangenen Samstag (4. Dezember). Bei einem Einbruch in eine Corona-Teststation in Stutensee-Blankenloch wurden 3.750 Test-Kits im Wert von rund 10.800 Euro gestohlen. Erinnert sei bei dieser Gelegenheit auch an einen Fall aus dem vergangenen Frühjahr. In Rheinstetten war im April der Fahrer eines Kleintransporters aufgefallen, der Corona-Schnelltests vom Flughafen Frankfurt-Hahn nach Rheinstetten bringen sollte.

Beim Entladen des Transporters fiel auf, dass die Kartons mit den Corona-Schnelltests ein unterschiedliches Gewicht aufwiesen. Bei der anschließenden Überprüfung stellte sich heraus, dass zahlreiche Kartons nur etwa zu einem Drittel befüllt waren. Die fehlenden 60.000 Schnelltest hatte der 24 Jahre alte Tatverdächtige nach Stand der Ermittlungen einem noch unbekannten Mittäter übergeben.

Schnelltests sind ein knappes Gut

Schnelltests sind in den vergangenen Wochen zu einem knappen Gut geworden. Das merken nicht nur Privatleute, die Tests für den Hausgebrauch im örtlichen Drogeriemarkt zum Teil vergeblich suchen. Auch die Betreiber von Corona-Teststationen haben zunehmend Schwierigkeiten an Profitests heranzukommen.

„Seit der Wiedereinführung der kostenlosen Bürgertests und der teilweise noch geltenden Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene hat die Nachfrage extrem angezogen“, berichtet der ehemalige Betreiber einer Corona-Teststation in Karlsruhe. Die Folge: immer mehr Testzentren eröffnen neu oder öffnen wieder. „Inzwischen bietet fast jede Döner-Bude ein eigenes Testzentrum an. Die Tests werden knapp, die Preise haben sich in der Zwischenzeit fast verdoppelt“, weiß der Karlsruher, dessen Name der Redaktion bekannt ist.

Trotzdem erreichten ihn per Mail fast stündliche neue Angebote von Test-Herstellern oder Zwischenhändlern, die ihre Ware an den Mann bringen wollen. Woher diese kommen und wie seriös die Angebote sind, lasse sich kaum überprüfen. „Ich selbst habe auch schon 50.000 Euro verloren, weil ich einem Betrüger aufgesessen bin“, so der Mann.

Schnelltests sind ein einträgliches Geschäft

Wenn alles glatt läuft, ist das Geschäft mit den Tests allerdings ein einträgliches und eines, das viele findige Menschen anlockt, die schnell zu Geld kommen wollen. Die Betreiber der Stationen erhalten von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) pro gemachtem Abstrich acht Euro. Für jeden Test kommen noch einmal 3,50 Euro dazu. „Je nach dem, wie viele Test man am Tag abnehmen kann, lohnt sich das schon“ rechnet der Ex-Teststellen-Betreiber vor.

Den Einnahmen von 11,50 Euro pro Test stünden höchst unterschiedliche Ausgaben gegenüber. „Manche haben einen Container gemietet oder nutzen für die Tests ein leeres Ladengeschäft oder ein Zelt. Andere nutzen eigene Büros und zahlen gar nichts dafür.“ Ein fester Posten seien lediglich die Kosten für Personal und die Anschaffung der Tests, die zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten werden.

4.000 Euro Gewinn pro Tag

Ein Rechenbeispiel: Für 500 Tests in acht Stunden braucht es drei Personalstellen. Von der KV gibt es dafür 11,50 Euro, macht 5.750 Euro am Tag. „Dem stehen Personalkosten von rund 450 Euro und Ausgaben von 1.000 Euro für die 500 im Internet erstandenen Tests gegenüber. Die Miete variiert zwischen 0 und 150 Euro im Monat“, sagt der Ex-Tester. Pro Tag ergäben sich so Gewinne von bis zu 4.000 Euro. „Da bleibt viel hängen.“

Obwohl jede Teststelle eigentlich auf die Qualität ihrer Arbeit und der verwendeten Test überprüft werden müsste, findet eine Kontrolle laut dem Karlsruher kaum statt. Das Geschäftsmodell Teststation lohne sich also auf jeden Fall. Dass Tests gestohlen werden, um damit Geld zu machen, kann sich der Branchenkenner durchaus vorstellen.

Keine Hinweise auf mögliche Täter

Bei der Suche nach den Dieben hatte die Polizei bislang noch kein Glück. Auch ob es sich um eine zusammenhängende Serie handelt, konnte noch nicht geklärt werden. „Erkenntnisse zu den Tätern liegen bisher nicht vor. Ihre Motivation liegt sicherlich darin, sich an der aktuell hohen Nachfrage nach Schnelltests zu bereichern. Auf welchem Weg beziehungsweise wo die erbeuteten Schnelltests verwertet werden, ist allerdings bisher nicht bekannt und auch Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe mit.

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Sybille Kranich

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Erstellt:
8. Dezember 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 58sec

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