Geschlossene Grenze schmerzt den Europäer Hudelmaier

Rastatt (ema) – Der Alt-Landrat feiert heute 80. Geburtstag. Im Ruhestand gibt er sein Wissen als Stadt- und Kirchenführer weiter.

Mit seinen Hobbys – er ist auch begeisterter Fotograf – wird es Werner Hudelmaier nicht langweilig. Foto: Vetter

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Mit seinen Hobbys – er ist auch begeisterter Fotograf – wird es Werner Hudelmaier nicht langweilig. Foto: Vetter

Nein, Aufhebens um seinen runden Geburtstag mag Werner Hudelmaier nicht: Als Landrat Toni Huber und Rastatts OB Hans Jürgen Pütsch anfragten, zu seinen Ehren einen Empfang auszurichten, winkte der frühere Rastatter Bau-Bürgermeister und Landrat ab. An seinem heutigen 80. Geburtstag ist Hudelmaier mit seiner Ehefrau lieber auf Reisen gegangen. Statt dem Empfang war es dem Jubilar ein Anliegen, dass Landkreis und Stadt der Stiftung Hub in Ottersweier etwas Gutes tun. Dort ist der Jubilar als Mitglied des Stiftungsrats ehrenamtlich tätig. Hudelmaier, daran lässt er im Telefongespräch keine Zweifel, ist dankbar: „Wenn man so alt ist, ist man froh, noch gesund zu sein.“ Dabei sah es vor einigen Jahren mal nicht so gut aus; ein langer Krankenhausaufenthalt machte Hudelmaier zu schaffen. Dass es aufwärts geht, merkt man auch daran, dass der 80-Jährige wieder auf dem Golf-Platz steht. Und siehe da: Durch das Gehen auf dem Grün sind sogar die Knieprobleme verschwunden.

„Wir leben in einer begnadeten Region“

Die Entwicklung in Mittelbaden verfolgt der promovierte Ingenieur natürlich weiter mit großem Interesse. „Wir leben in einer begnadeten Region“, sagt Hudelmaier, der selbst von 1989 bis 2005 als Landrat die Geschichte des Landkreises fortgeschrieben hat. Als „Leuchttürme“ in seiner Amtszeit gelten die Erweiterung des Stadtbahnnetzes, die Ansiedlung des Benz-Werks Rastatt, die Entwicklung des Baden-Airparks, die Weichenstellung für den Bau des neuen Landratsamt sowie die Formierung des Klinikums Mittelbaden. Über das Regionalgeschehen hinaus fühlt sich Hudelmaier als Europäer. Da schmerzte es ihn gerade in der aktuellen Corona-Krise, dass der Schlagbaum in der badisch-elsässischen Grenzregion runterging. „Da war ich enttäuscht vom grenzenlosen Europa.“ Umso mehr zollt Hudelmaier seinem Nach-Nachfolger Toni Huber Anerkennung für dessen „deutliche Worte“ zur Abriegelung an der Grenze.

Privat genießt der Alt-Landrat das Leben mit der Familie. Seinen drei Enkelkindern bringt er das Billardspiel bei; seiner Tochter verdankt der leidenschaftliche Fotograf ein weiteres Hobby. Als er im Ruhestand merkte, dass ihm ein bisschen die freie Rede fehlt, ermunterte seine Tochter ihn, an seine Zeit als Rastatter Bau-Bürgermeister (1976 bis 1989) anzuknüpfen und als Stadt- und Kirchenführer anzufangen. Ein Schwerpunkt sind dabei die Bernhardus-, Alexander- und Michaelskirche. „Rastatt ist eine wunderbare Stadt – manchmal vielleicht erst auf den zweiten Blick“, ist Hudelmaier überzeugt. Das größte Lob empfindet dann der Barockstadt-Kenner, wenn Alt-Rastatter zu ihm verdutzt sagen: „Das hab’ ich noch gar nicht gewusst.“

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Erstellt:
3. Juni 2020, 14:23 Uhr
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