Gesellschaft für Kinderschutz sensibilisieren

Karlsruhe (for) – Die Deutsche Kinderstiftung Hänsel+Gretel mit Sitz in Karlsruhe will mit einem Podcast auf die vielfältigen Themenkomplexe der Kindeswohlgefährdung aufmerksam machen.

„Damit wir hinhören“: Unter diesem Motto haben Regina Steil, Sonja Howard, Jerome Braun und Kathinka Beckmann (von links) gemeinsam den Kinderschutz-Podcast ins Leben gerufen. Foto: Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel

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„Damit wir hinhören“: Unter diesem Motto haben Regina Steil, Sonja Howard, Jerome Braun und Kathinka Beckmann (von links) gemeinsam den Kinderschutz-Podcast ins Leben gerufen. Foto: Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel

Meist handelt es sich um eine unsichtbare Qual, nur manchmal wird sie sichtbar, etwa durch blaue Flecken unterm T-Shirt: Gewalt gegen Kinder kann ganz verschiedene Gesichter haben und sich in unterschiedlichen Formen auf die Opfer auswirken. Das ist auch ein Grund dafür, dass physische, sexuelle oder seelische Gewalt oft über Jahre hinweg unentdeckt bleibt. Die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel will Menschen sensibilisieren, besser hinzuhören – und zwar im doppelten Sinne.

„Brauchen neue Formate“

Um das zu erreichen, hat Jerome Braun, Geschäftsführer der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel mit Sitz in Karlsruhe, gemeinsam mit drei weiteren Expertinnen den sogenannten Kinderschutz-Podcast ins Leben gerufen. „Leider ist das Thema Kinderschutz noch immer nicht breit genug in unserer Gesellschaft verankert“, bedauert Braun. „Deshalb brauchen wir neue Formen, um dieses wichtige Thema in die Welt zu tragen und die Menschen dafür zu sensibilisieren und in Handlung zu bringen.“ Ein Podcast sei im digitalen Zeitalter genau der richtige Weg dafür.

Neben Braun selbst agieren Kathinka Beckmann, die an der Hochschule Koblenz zum Thema Kinderschutz und Sozialpolitik lehrt, Regina Steil, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Psychotherapie an der Goethe-Uni in Frankfurt und Sonja Howard, Mitglied im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), als Gastgeber im Podcast.

„Wir alle verfügen über Fachwissen und Expertise in ganz unterschiedlichen Bereichen rund um das Thema Kinderschutz“, sagt Braun gegenüber dem BT. Das sei wichtig, um die vielfältigen bisweilen grausamen Themenkomplexe der Kindeswohlgefährdung abzubilden. Und es sei auch von Vorteil, um mit ganz unterschiedlichen Gesprächspartnern stets auf Augenhöhe zu reden. „Das war von Anfang an der Kern unseres Projekts“, betont Braun. In den Podcast-Folgen sprechen die vier Gastgeber mit Menschen aus Öffentlichkeit, Wissenschaft und Praxis. So kommen etwa Kinderschutz-Experten, Politikvertreter und hin und wieder auch mal Prominente zu Wort, „um den Kinderschutz in Deutschland aus allen Blickrichtungen zu beleuchten, zu verbessern und neue Impulse zu setzen“, erklärt Braun die Idee, die hinter dem Projekt steckt.

Dabei gehe es nicht darum, reine Interviews zu führen, merkt er an. „Viel mehr geht es uns um die Interaktion. Es geht darum, bestehende Probleme aufzudecken, Lösungen zu finden, Dinge zu entwickeln und zu diskutieren.“

Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu suchen

Der Startschuss des Kinderschutz-Podcasts fiel bereits im März 2021. Mittlerweile wurden schon 24 Folgen veröffentlicht – zu Themen wie Pornografiesucht, Opferhilfe, potenzielle Täter, Prävention bis hin zu den Auswirkungen der Pandemie auf das Kindeswohl. In der Regel erscheinen die Folgen immer donnerstags im Zwei-Wochen-Rhythmus.

Alle Sendungen können über bekannte Streamingdienste sowie über die Homepage der Deutschen Kinderschutzstiftung kostenlos abgerufen werden.

„Die Liste der Gesprächspartner, die im Podcast als Gast auftreten wollen, ist lang“, kündigt Braun an. Oft frage sein Team bei bestimmten Experten an, „immer öfter klopfen potenzielle Gesprächspartner aber auch bei uns an und schlagen uns Themen vor“. Das zeige, dass der Podcast mittlerweile in der Fachwelt angekommen ist. „Wir bekommen immer wieder positive Rückmeldungen“, so Braun.

In erster Linie soll der Podcast als wertvolle Informationsquelle für diejenigen dienen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Kindern zu tun haben – etwa Mitarbeiter in Schulen, Kitas oder Jugendämtern.

„Uns ist aber wichtig, dass wir eben nicht nur Fachkräfte erreichen, sondern auch andere Menschen“, fügt Braun hinzu. So könne der Podcast etwa auch für Eltern Informationen liefern. „Und letztlich wollen wir mit diesem Projekt natürlich auch Betroffene – die inzwischen vielleicht schon erwachsen sind – dazu ermutigen, sich Hilfe zu holen. Sie sollen merken, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind, dass es Menschen gibt, denen Ähnliches widerfahren ist – und dass es Stellen gibt, bei denen sie sich Unterstützung holen können.“

Haltung in der Gesellschaft ändern

Eines der wichtigsten Ziele des Podcasts sei, die Haltung in der Gesellschaft zu ändern, so Braun weiter. „Immer wieder höre ich in Bezug auf Missbrauchsfälle den Satz ,Sowas gibt es bei uns nicht!‘“. Diese Haltung müsse weg, „denn sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern gibt es überall, unabhängig von sozialer Herkunft, Kindesalter, oder anderer gesellschaftlicher Kontexte“, betont Braun.

Deshalb brauche es die Offenheit, hinzuschauen, Kindern Glauben zu schenken, aufmerksam zu sein und hinzuhören. Nur so könne die Gesellschaft sensibilisiert werden, Kindeswohlgefährdung möglichst früh aufzudecken und zu beenden – auch dann, wenn keine blauen Flecken auf die Taten hinweisen.


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